Salzkörner

Dienstag, 25. Februar 2014

Mit Christus Brücken bauen

In Gesellschaft und Kirche

Vom 28. Mai bis 1.Juni dieses Jahres findet in Regensburg der 99. Deutsche Katholikentag statt. Ende Januar hat der Präsident des ZdK, Alois Glück, wesentliche Schwerpunkte des Programms vorgestellt. Wir dokumentieren Auszüge aus seinem Statement.

Ein Katholikentag ist schon immer ein Ort des Dialogs katholischer Christen mit Gesellschaft und Politik. Nach innen, in der Gemeinschaft der Gläubigen, soll er Orientierung geben in gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, sozialethischen und kulturellen Fragen. Nach außen will er in Dialog treten mit gesellschaftlichen Gruppen und politischen Gestaltern über die Fragen und Herausforderungen der Zeit. Der Katholikentag ist aber auch ein Ort der Selbstvergewisserung über den Weg der Kirche in der Welt und über Fragen, die das pastorale Wirken der Kirche betreffen. Katholikentage sind ein Ort, an dem die "Stimme der Laien" ertönt und ertönen soll. …

Im Zeichen von Papst Franziskus

… Ein Schwerpunkt des Programms, und zwar sowohl gesellschaftlich wie kirchlich, wird sich mit Fragen beschäftigen, die Papst Franziskus in seinem Apostolischen Schreiben "Evangelii Gaudium" gestellt hat. Wie ein roter Faden durchzieht die Aufforderung zum Dialog das ganze Schreiben. Franziskus betont drei Bereiche, in denen eine dialogisch Präsenz der Kirche gefordert ist: "im Dialog mit den Staaten, im Dialog mit der Gesellschaft – der den Dialog mit den Kulturen und den Wissenschaften einschließt – und im Dialog mit anderen Glaubenden, die nicht zur katholischen Kirche gehören." (EG 238) Lassen Sie mich exemplarisch drei Bereiche anführen:

"Wenn einer das Evangelium liest, findet er eine ganz klare Ausrichtung", schreibt Franziskus in Evangelii Gaudium 48, "nicht so sehr die reichen Freunde und Nachbarn, sondern vor allem die Armen und die Kranken, diejenigen, die häufig verachtet und vergessen werden, die ‚es dir nicht vergelten können‘ (Lk 14,14). Es dürfen weder Zweifel bleiben, noch halten Erklärungen stand, die diese so klare Botschaft schwächen könnten." Dieser Aufforderung des Papstes werden wir in dem Podium "Arme Kirche – glaubwürdige Kirche?- Ein Papst provoziert" nachgehen.

In Ziffer 108 betont Franziskus: "Die Laien sind schlicht die riesige Mehrheit des Gottesvolkes. In ihrem Dienst steht eine Minderheit: die geweihten Amtsträger. Das Bewusstsein der Identität und des Auftrags der Laien in der Kirche ist gewachsen. … Doch die Bewusstwerdung der Verantwortung der Laien, die aus der Taufe und der Firmung hervorgeht, zeigt sich nicht überall in gleicher Weise." Im Podium "Das II. Vatikanum heute: Auftrag der Laien" wollen wir unsere Verantwortung als Laien für die Sendung der Kirche herausarbeiten.

Der in Evangelii Gaudium formulierte Auftrag geht weit über die Kirche hinaus in die Welt. "Wir dürfen nicht mehr auf die blinden Kräfte und die unsichtbare Hand des Marktes vertrauen. Das Wachstum in Gerechtigkeit erfordert etwas, das mehr ist als Wirtschaftswachstum", fordert Papst Franziskus in Ziffer 204. Im Podien "Geld oder Leben? – Was uns wirklich reich macht" wollen wir nach diesem Weg suchen. …

Gesellschaftlich, politischer Dialog

Wir leben politisch in einer Situation des Umbruchs. Die ständige Zunahme der Zahl und der Geschwindigkeit der Krisen in der Welt belegt dies. "Weiter so" funktioniert nicht mehr! Nationale und internationale Politik stehen vor der Herausforderung, tiefgreifende Wandlungsprozesse zu gestalten. Wir werden mit allen anderen Völkern dieser Erde eine immer mehr voneinander abhängige Schicksalsgemeinschaft. Wir wachsen immer mehr zusammen und gleichzeitig wachsen die Spannungen innerhalb der Gesellschaften und zwischen den Gesellschaften, den Völkern und den Kontinenten. Soziale, kulturelle, ethnische und auch religiöse Spannungen, Verteilungskonflikte um Wasser, Nahrungsmittel, Lebensräume, Energie und Rohstoffe, wachsende Flüchtlingsströme, die Zunahme von Wetterextremen – dies alles fordert uns heraus, vor allem auch in unserer Verantwortung als Christen, Brücken zu bauen: Brücken zu bauen im Sinne christlicher Solidarität, mit einer Verantwortung, die über das Eigeninteresse hinaus greift. …

Brücken bauen in Europa

In der europäischen Perspektive werden wir 100 Jahre nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs und 25 Jahre nach dem Mauerfall den Blick besonders auf den Dialog mit den Ländern und Gesellschaften Mittel- und Osteuropas lenken. Die Nachbarschaft Regensburgs zu Tschechien, seine Lage an der Donau legt diese Perspektive nah. Wir wollen uns fragen, was dieser historische Umbruch für die Gestaltung Europas und unseres Landes bedeutet. Veranstaltungen aus diesem Themenkreis werden u.a. die Podien "Freiheit im Wandel – Mittel- und Osteuropa nach 1989", "1914 – Wo bleibt der Friedensfürst? – Die Katholiken und der Erste Weltkrieg", "Flüchtlinge. Europas Herausforderung – Europas Verantwortung" sein. Wir freuen uns, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel zugesagt hat, an einer Diskussion zum Thema "Hat die Welt noch einen Platz für Europa?" teilzunehmen. …

Brücken bauen in sozialen und ökologischen Fragen

Einen weiteren Programmschwerpunkt könnte man ‚Brücken bauen in sozialen und ökologischen Fragen‘ überschreiben. Hier geht es vorrangig um die Themen aus dem Bereich Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität. Wie definieren wir als Christen "Lebensqualität", wie "Wohlstand"? Wie wollen wir angesichts der Krisen und unserer Aufgaben den weiteren Fortschritt gestalten? Welchen Fortschritt wollen wir? Was ist der notwendige Fortschritt für morgen? Wir wollen als Christen den Wandel nicht erleiden, sondern den Wandel aktiv mitgestalten! Entwickeln wir als Christen eine Alternative zu der Konsumgesellschaft mit ihrem Raubbau an den Zukunftschancen der nachkommenden Generationen und der anderen Völker! Entwickeln wir eine zukunftsfähige Kultur!

An der Frage, wie wir künftig leben wollen, entscheidet sich die Zukunft, nicht nur in unserem eigenen Land. Hierzu gehört aktuell nicht zuletzt die Sorge, wie bei uns in Deutschland als Gemeinschaftswerk die Energiewende gelingt. Dies ist mehr als eine organisatorische, technische Frage. "Energiewende gerecht gestalten!", "Maß und Mitte – Managergehälter und Mindestlohn –Gibt es einen gerechten Lohn?", "Den Globus verfrühstücken – Nachhaltige Entwicklungsziele – Diätplan mit Erfolgsaussichten?", "Unbezahlbare Gerechtigkeit? – Was uns eine nachhaltige Entwicklung wert sein soll" lauten hier einige Podiumstitel.

Religion, Staat und Gesellschaft

Zu den für uns besonders wichtigen Zukunftsthemen gehört das Verhältnis von Religion, Staat und Gesellschaft. Zwischen diesen Bereichen müssen die Brücken erhalten werden und immer wieder neu gebaut werden. Wir sind sehr froh, dass uns Bundespräsident Joachim Gauck zugesagt hat, an einer Veranstaltung zum Thema "Wie viel Religion verträgt die säkulare Gesellschaft?" teilzunehmen.

Lebensschutz und Bioethik

Hochaktuell sind gerade heute die großen ethischen Fragen des Lebensschutzes und der Bioethik. Dieser Katholikentag wird hier ein klares Profil zeigen. Der Schutz des Lebens von Anfang bis Ende ist ein Schwerpunkt unserer thematischen Arbeit. Fortschritte in der Biomedizin stellen uns hier genauso vor Herausforderungen wie eine Gesellschaft des langen Lebens mit den Fragen nach Betreuung, Pflege und menschenwürdigem Sterben. "Organspende – Selbstverständlich! Keinesfalls!", "Gutes Sterben – ein Widerspruch? – Wie natürlich ist der Tod?", "Untragbar dement – ab über die Grenze? – Plädoyer für eine lebensraumnahe Pflege" sind hier Themen.

Brücken bauen in unserer Kirche

Die Aufforderung von Papst Franziskus, an die Ränder der Gesellschaft zu gehen, uns neu den Armen und Bedrängten zuzuwenden, den Menschen in den Mittelpunkt unserer Verkündigung zu stellen, müssen wir auch in der Kirche in Deutschland neu bedenken. Wie müssen wir unser Kirche auch im Inneren reformieren, um eine barmherzige und mitfühlende Kirche werden zu können. …

Regensburg ist auch ein wichtiger Baustein im Dialogprozess der katholischen Kirche in Deutschland, der zum Brücken bauen herausfordert. Es geht darum, Themen aufzugreifen und zu vertiefen, die diesen Prozess bisher geprägt haben: die Rolle der Frau in der Kirche, der Dienst der Laien an der Verkündigung und ihre Mitwirkung an der Leitung der Kirche, der Umgang mit geschieden Wiederverheirateten und nicht zuletzt die Sexualmoral. Angesichts der sinkenden Zahl der Gläubigen und des Rückgangs von Priestern ist die wohl wichtigste Frage für unsere Kirche. "Wie kann Kirche vor Ort bei den Menschen bleiben?" …

 

 

 

 

 

Autor: Alois Glück Präsident des ZdK

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