Salzkörner

Freitag, 5. November 2010

Nicht selektieren!

Der Vorschlag aus den Reihen der FDP, die Präimplantations-Diagnostik (PID) generell freizugeben, heißt nichts anderes, als dass Embryonen bereits dann aussortiert werden können, wenn nur die Wahrscheinlichkeit einer Behinderung besteht. Das ist ein radikaler Vorschlag. Er geht an die Wurzeln unseres christlichen Menschenbildes. Es ist wichtig, sich im katholischen Raum breit gegen solche Vorstellungen von Selektion zu engagieren. Letztlich liefen diese Vorschläge nämlich auf eine Entscheidung zwischen lebenswertem und vermeintlich lebensunwertem Leben hinaus. Folge wäre ein schleichender Wandel in der gesellschaftlichen Einstellung zu Krankheit, Leid und der Unverfügbarkeit menschlichen Lebens.

Der "Dammbruch im Lebensschutz", vor dem Alois Glück gewarnt hat, muss durch eine breite kirchliche und gesellschaftliche Debatte verhindert werden. Das hat sich in der Debatte um die embryonalen Stammzellen bewährt. Wenn viele Verbände, bis in ihre Ortsgruppen hinein, und wenn viele Diözesanräte, bis in die Gemeinden hinein, die Frage aufgreifen und diskutieren, kann der notwendige gesellschaftliche und politische Druck entstehen. Argumentationshilfen können unter info@zdk.de bestellt werden. Es macht auch Sinn, den örtlichen Bundestagsabgeordneten zu befragen, auch die Parteigremien vor Ort oder in den Ländern – und die Grundsatzprogramme der Parteien zu studieren.

Das christliche Menschenbild, vor allem die Personenwürde, ist für uns als Christen Richtschnur und Maßstab. Und als Staatsbürger halten wir daran fest, dass die Würde des Menschen unantastbar ist (Art. 1 GG) und dass der Staat den Schutz des menschlichen Lebens auch vor der Geburt garantieren muss. Der Embryonenschutz darf nicht dem Koalitionsfrieden geopfert werden. Die PID muss verboten bleiben. Auch in unserem Engagement für den Schutz des Lebens in allen Phasen sollten wir, wie das soeben festgelegte Leitwort des Katholikentags Mannheim 2012 sagt, "einen neuen Aufbruch wagen".

Autor: Stefan Vesper

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