Salzkörner

Samstag, 12. September 2009

Ohne Wahlen keine Demokratie!

Am Sonntag in der Eucharistiefeier. Sie schließt mit dem festlichen Lied "Großer Gott, wir loben dich!" Am Dienstag in einer Parteiveranstaltung. Am Ende singt man aus besonderem Anlass die Nationalhymne: "Einigkeit und Recht und Freiheit." Zwei Tage, zwei emotionale Momente, zwei Lieder - der gleiche Mensch. Er lebt nicht in zwei Welten, sondern in einer, ein und derselben. Der Bürger geht zur Eucharistiefeier, der katholische Christ zur Versammlung über Elterngeld oder Klimawandel. Glaube und Politik gehören zusammen, Christsein und gesellschaftliches Engagement, Frère Roger nannte es Kampf und Kontemplation.

Darum gehen uns Katholiken die Bundestagswahlen an. Die Demokratie lebt von der Mitverantwortung aller – auch von uns. Als Bürgerinnen und Bürger werden wir am 27. September über die Zusammensetzung des 17. Deutschen Bundestages mit entscheiden. Gerade Zeiten der Krise sind eine Bewährungsprobe für die Demokratie als politischer Lebensform der Freiheit. Unsere Stimme zählt.

In unserer Erklärung zur Bundestagswahl "Ohne Wahlen keine Demokratie!" haben wir an alle Bürgerinnen und Bürger appelliert, wählen zu gehen. Wir haben sie aufgerufen, mit ihrer Wahlentscheidung die notwendigen Voraussetzungen für eine handlungsfähige, gemeinwohlorientierte und dauerhaft belastbare Politik zu schaffen. Wählen zu können ist keine Selbstverständlichkeit. Die Teilnahme an Wahlen ist das zentrale Element aktiver Mitwirkung an der Politik. Alle Bürgerinnen und Bürger, und damit auch wir katholischen Christen, tragen Verantwortung. Wir können sie wahrnehmen, wenn wir von unserem Wahlrecht Gebrauch machen.

Dabei wissen wir, dass der demokratische Staat seine konstitutiven Grundlagen nicht selber hervorbringen kann. Er ist auf gesellschaftliche Institutionen wie Familie, Verbände, zivilgesellschaftliche Organisationen und nicht zuletzt die Kirchen angewiesen, die die ständige Diskussion über die Art und Weise, wie wir in unserem Land zusammenleben wollen, mitgestalten müssen. Also auch auf uns Katholiken, wo auch immer wir unsere Lieder singen.

Autor: Dr. Stefan Vesper

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