Salzkörner

Freitag, 16. Dezember 2016

Postfaktische Politik

Editorial

Postfaktische Politik – da zündeln einige, und das sehr bewusst, an den Grundfesten unserer Demokratie. Es gibt kein verantwortungsvolles politisches Agieren ohne Faktentreue, Sachwissen, Fachkompetenz.

Postfaktische Politik – das ist eine radikal andere Vorstellung als die der katholischen Soziallehre, die nach Sehen, Urteilen und Handeln vorgeht und Sozialprinzipien anwendet wie Personalität, Solidarität, Subsidiarität, Gemeinwohl, Nachhaltigkeit.

Postfaktische Politik – ist Scharlatanerie, Lüge, Verzerrung und Irreführung; sie zeigt den Menschen ihr dreckiges Grinsen wie am Morgen nach dem Brexit-Votum.

Postfaktische Politik – ist ein lächerlicher Gedanke, wer ihm folgt, möge sein Auto in eine Werkstatt bringen, die postfaktisch arbeitet, oder zu einem postfaktischen Zahnarzt gehen oder eine postfaktische Fluggesellschaft buchen.

Postfaktische Politik bekämpft man nicht durch Kopie der Populisten. Sie ist eine Herausforderung für alle Demokraten, nicht nur für die politisch Verantwortlichen, sondern für uns alle. Wir alle müssen den üblen Vereinfachern widerstehen, in Wort und Tat, im Kleinen wie im Großen, am Stammtisch wie in Demos, in Debatten wie in Leserbriefen.

Keine besonders friedliche Botschaft ist das, erst recht nicht im Advent. Möge es eine streitbare Zeit werden!

 

 

Autor: Dr. Stefan Vesper

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