Salzkörner

Freitag, 28. Juni 2013

Projekt "Gleichgestellt in Führung gehen"

Frauen in Führungspositionen der Caritas

Frauen erlangen zwar mittlerweile höhere Bildungsabschlüsse als Männer, stellen in Führungspositionen in zentralen gesellschaftlichen Bereichen jedoch weiter eine Minderheit dar – vor allem auf den obersten Hierarchieebenen. Dieses Phänomen spiegelt sich auch in der Caritas wieder. Obwohl rund 80 Prozent der Mitarbeiter(innen) weiblich sind, dominieren auf Führungsebenen eindeutig Männer. So werden zum Beispiel nur zwei von 27 Diözesan-Caritasverbänden von Frauen geleitet, und 74 Prozent der Positionen in geschäftsführenden Vorständen und Aufsichtsorganen sind durch Männer besetzt.

Als ursächlich für diese Situation werden im wissenschaftlichen Diskurs verschiedene Faktoren benannt: Neben den Folgen von Mutterschaft, traditionellen familiären Rollenmustern, defizitären Vereinbarkeitskulturen sowie starren Karrierepfaden in Unternehmen spielen auch vorherrschende Bilder von Führungskräften eine Rolle, die auf Frauen wenig zutreffen. So wird Frauen vielfach zugeschrieben, sie seien weniger durchsetzungsfähig und kompetent im Hinblick auf Führungsaufgaben. Auch eine geringere Aufstiegsorientierung wird als Ursache für die Geschlechtersegregation benannt. Nachweisbar zeigt sich der Verzicht auf Vielfalt in den Führungsetagen jedoch als nachteilig für den Unternehmenserfolg.
Das Projekt
Aufgrund der Unterrepräsentation von Frauen in Führungspositionen entschied die Delegiertenversammlung der Caritas im Jahr 2011, dass sie von "den Unternehmen der Caritas (erwartet), dass sie Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in ihren Vorständen, Geschäftsführungen und Aufsichtsgremien ergreifen". Zur Umsetzung dieses Beschlusses wurde das Projekt "Gleichgestellt in Führung gehen" initiiert, das durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, den Europäischen Sozialfond sowie Eigenmittel des Deutschen Caritasverbandes gefördert wird. Ziel ist die Schaffung von Voraussetzungen für die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen.

Dazu ermittelt eine Untersuchung der Katholischen Hochschule Freiburg Erfolgsfaktoren und Herausforderungen für die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen, um Maßnahmen im Projekt zu konkretisieren. Im Zentrum steht die Beteiligung von fünf Caritas-Pilotstandorten. Ihnen werden relevante Instrumente der Personal- und Organisationsentwicklung zur Verfügung gestellt. Über Workshops und Coachings sollen Voraussetzungen für die Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen geschaffen werden. Darüber hinaus wird eine Fortbildung für Nachwuchsführungsfrauen angeboten sowie ein Mentoringprogramm aufgebaut und ein Netzwerk für Führungsfrauen initiiert.

Rollen- und Karrieremuster verändern


Zentral für die Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit auf Leitungsebenen wird aber nicht nur sein, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern und Frauen mittels Coaching oder Mentoring zu fördern. Im Kern geht es darum, gewohnte Rollen- und Karrieremuster in Frage zu stellen und Unternehmenskulturen so zu gestalten, dass Führungspositionen für Frauen attraktiver werden. Dies funktioniert nur, wenn Männer und Frauen gemeinsam an einem Strang ziehen und unter anderem Männer mehr Fürsorgeverantwortung in den Familien übernehmen, ohne dafür von den Unternehmen ins "Karriereaus" befördert zu werden.

Autor: Dr. Barbara Schramkowski Projektleitung "Gleichgestellt in Führung gehen" des Deutschen Caritasverbandes

zurück zur Übersicht