Salzkörner

Mittwoch, 7. März 2012

Sternstunde

Editorial

Die Gedenkfeier für die Opfer des Neonazi-Terrors war eine Sternstunde für unser Land. Gemeinsam erinnerten alle Kräfte unserer Gesellschaft an die Opfer und versprachen den Angehörigen rückhaltlose Aufklärung. Zugleich wurde der Wille überzeugend und unmissverständlich dargestellt, dass sich so etwas nicht wiederholen darf: Achtung und Respekt vor allen Kulturen und Religionen, Toleranz im Miteinander unterschiedlicher Herkünfte und Geschichten sind die Basis unseres Zusammenlebens. Wichtig war auch die Mahnung: Intoleranz und Verachtung äußern sich nicht nur in brutaler Gewalt. Es gibt auch unscheinbare, schleichende Formen von Fremdenfeindlichkeit und Hass, die zu einer Verrohung unserer Gesellschaft führen. Wir alle sind dazu aufgefordert, dagegen einzuschreiten. Es darf keine Toleranz gegen Intoleranz geben.

Für uns als Christen muss der Einsatz für die Menschenwürde und für die Menschenrechte hohe Priorität haben. Der Mensch, jeder Mensch ist Ebenbild Gottes. In "Nostra Aetate", einer der wichtigsten Erklärungen des Zweiten Vatikanischen Konzils, dessen Eröffnung sich in diesem Jahr zum 50. Mal jährt, heisst es: "So wird also jeder Theorie oder Praxis das Fundament entzogen, die zwischen Mensch und Mensch, zwischen Volk und Volk bezüglich der Menschenwürde und der daraus fließenden Rechte einen Unterschied macht" (NA 5).

Dass all dies nicht nur in gesellschaftlichen Sternstunden gilt, sondern im Alltag zu leben ist und Mut und Zivilcourage erfordert, beweist zum Beispiel das Engagement der Diözesanräte in einigen ostdeutschen Diözesen, die aktiv gegen Umtriebe von Neonazis vorgehen.

 

Autor: Stefan Vesper

zurück zur Übersicht