Salzkörner

Freitag, 10. September 2010

Verpflichtung

Am 3. Oktober 1990, vor 20 Jahren, durften wir die Vollendung der staatlichen Einheit Deutschlands feiern. Das war eine tiefe und beglückende Erfahrung, auch für die katholischen Christen in Ost und West. Zugleich war damit eine große Herausforderung verbunden: in unserer Gesellschaft und Kirche die Einheit zu verwirklichen.

Zwar konnten wir auf viele gute, teils geheime oder halblegale Kontakte während der DDR-Zeit aufbauen. Auch hatte es mit dem Katholikentag in Berlin 1990 schon einen wieder "gesamtdeutschen" Katholikentag gegeben – wir hatten uns jahrelang auf einen Katholikentag im geteilten Berlin vorbereitet, der dann in völlig neuer historischer Konstellation stattfand und doppelt so groß wie geplant wurde. Doch insgesamt galt für die Katholiken, was für unser ganzes Land galt: Man musste Strukturen schaffen, schnell und fast aus dem Stand, man musste zusammenkommen, voneinander und miteinander lernen.

Schon in der Zeit der Wende hatten sich katholische Gruppen, Verbände und Organisationen in der DDR zu einem Gemeinsamen Aktionsausschuss zusammengeschlossen und zum ZdK Kontakt aufgenommen. So konnte das ZdK auf gute Weise helfen, ohne die wichtige Eigenständigkeit der Katholiken zwischen Rostock, dem Eichsfeld und Dresden zu beeinträchtigen. Schon 1994 trafen sich die Katholiken aus ganz Deutschland zum großartigen Katholikentag in Dresden. 1997 wurde dann mit Hans Joachim Meyer ein Katholik aus den neuen Bundesländern ZdK-Präsident und prägte es 12 Jahre lang, mehr als die Hälfte der Zeit, die wir vereint sind.

Dankbar stellen wir fest, dass wir, bei allen Schwierigkeiten, einen erfolgreichen und gelungenen Weg gehen konnten, und zwar als Katholiken wie als Staatsbürger. Umso wichtiger ist es, sich in diesen Tagen des Gedenkens und der Freude darüber klar zu werden, dass die Einheit weder in Staat und Gesellschaft noch in der Kirche schon vollendet ist. Die Erfahrungen, Situationen und Entwicklungen der letzten 20 Jahre sind zu verschieden, um es beim dankbaren Rückblick zu belassen. Wir sollten das Jubiläum vielmehr zum Anlass nehmen, dieser Aufgabe, die Einheit zu vollenden, einen neuen Impuls zu geben – in Staat, Gesellschaft und Kirche!

Autor: Stefan Vesper

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