Salzkörner

Mittwoch, 20. Dezember 2017

Verstehen wir uns?

Editorial

Das Jahr 2017 endet mit einer Frage. Sie zog sich durch viele Erfahrungen des Jahres: Verstehen wir uns? Bei der Bundestagswahl: Verstehen wir uns zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen? Zwischen der demokratischen Mitte und den Rändern? In Europa: Zwischen Deutschen und Polen? Zwischen Deutschen und Ungarn? Zwischen Europäern und Briten? Und weltweit: Verstehen wir uns mit unserem wichtigsten Partner jenseits des Atlantiks, den USA?

Aber auch im Land selbst gibt es mehr Fragen als Antworten: Verstehen wir uns, wenn wir von Ehe und Familie reden? Verstehen wir uns, wenn es um soziale Gerechtigkeit geht? Verstehen wir einander in den ethischen Fragen, zum Beispiel beim Schutz des ungeborenen Lebens, beim Schutz des behinderten Lebens, beim Schutz des Lebens an seinem verletzlichen, schweren, verklingenden Ende? Verstehen wir uns, wenn wir sagen: "Die Würde des Menschen ist unantastbar"?

Ein schweres Jahr geht zu Ende. Aber wir dürfen darauf vertrauen, was das Leitwort des Hamburger Katholikentags 2000 sagte: "Sein ist die Zeit". Wenn jede Zeit Seine Zeit ist, dann heißt das für uns, für mehr Verstehen zu sorgen. Für einen klareren Blick, für eine sachkompetente und mutige Suche nach tragfähigen Lösungen. Sie werden umso überzeugender sein, je mehr die Christen gemeinsam nach ihnen suchen und sie gemeinsam vertreten. Bei allen bleibenden Unterschieden hat die Ökumene in diesem Reformationsjahr zu einem besseren gegenseitigen Verstehen beigetragen. Dafür dürfen wir dankbar sein.

Ihnen allen ein gesegnetes, frohmachendes Weihnachtsfest und ein gutes Jahr 2018!

Autor: Dr. Stefan Vesper

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