Salzkörner

Mittwoch, 18. September 2013

Vom Glück eine Wahl zu haben

Editorial

Wenn in wenigen Tagen der neue Bundestag gewählt wird und um 18.00 Uhr die Wahllokale schließen, dann geht es nicht nur um die Auszählung der Stimmenanteile der Parteien und um Sieg oder Niederlage in jedem einzelnen Wahlkreis. Es wird auch eine Zahl ermittelt, die vielsagend – und wahrscheinlich erneut Besorgnis erregend – ist: die Höhe der Wahlbeteiligung.

Nun gibt es diesbezüglich einen gravierenden Unterschied zwischen "vor der Wahl" und "nach der Wahl": Nach der Wahl gibt es zwei Gruppen: die, die gewählt haben und die, die nicht zur Wahl gegangen sind. Vor der Wahl, gibt es aber noch drei Gruppen: die, die mit großer Sicherheit zur Wahl gehen, die, die entschieden sind, nicht zu wählen – und die Gruppe der Schwankenden. Jetzt also gibt es noch ein Zeitfenster für alle, denen die Demokratie wichtig ist, auf diese Menschen zuzugehen und sie dafür zu gewinnen, sich aktiv zu beteiligen. Aber wie?

Leider erreicht der einfache Apell an den Bürgersinn nicht alle. Auch die Einsicht hat kaum Wirkung, dass Menschen aus der Mitte, die nicht wählen, indirekt aber messbar, die Parteien an den Rändern fördern. Dass Nichtwähler ungewollt extremistische Positionen stärken. Bewegend ist nach wie vor, wenn Menschen aus den neuen Bundesländern berichten, wie großartig es für sie war, zum ersten Mal zu einer freien Wahl zu gehen. Sie machen deutlich, dass der Wahlakt keine lästige Pflicht ist, sondern eines der wichtigsten Rechte in der Demokratie.

Eine manchmal entscheidende Möglichkeit ist die persönliche Ansprache im Freundeskreis, in der Nachbarschaft. Durch solches Ansprechen kann jeder, der das Glück empfindet, eine Wahl zu haben, einen kleinen Beitrag zur Stärkung der Demokratie leisten.

 

 

 

 

Autor: Stefan Vesper

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