Salzkörner

Montag, 25. Oktober 1999

Wer bestimmt das Bild des Katholizismus in der Öffentlichkeit?

Das Bild der Öffentlichkeit bestimmt, wer sich öffentlich äußert. Deshalb wird gelegentlich auch zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung unterschieden. Denn die Auffassung der Journalisten muss nicht die Auffassung der Mehrheit widerspiegeln. So werden beispielsweise die Seiten einer großen Tageszeitung, die auf ihre Liberalität und auf ihren intellektuellen Anspruch stolz ist, von einigen ihrer Mitarbeiter ungehemmt für den militanten Ausdruck einer bestimmten Richtung genutzt. Würde man ausschließlich die Texte dieser Meinungsmacher lesen, wäre die Wirklichkeit der katholischen Kirche in Deutschland nur noch entstellt wahrnehmbar. Aber nicht nur Journalisten bestimmen das Bild der Öffentlichkeit. Es ist auch möglich, dass sich eine kleine Minderheit mit lautstarker Aggressivität in den Vordergrund drängt. Die Mehrheit der deutschen Katholiken macht jetzt die Erfahrung, wozu es führt, wenn man sich nicht öffentlich engagiert, vielleicht sogar aus Frust auf Distanz geht und anderen das Feld des öffentlichen Auftritts überläßt. Dann bestimmen jene das Bild, die sich nicht zu schade sind, die gleiche Unwahrheit, ohne auf Fakten und Argumente zu hören, so lange zu wiederholen, bis tatsächlich das Zeugnis der katholischen Kirche in Deutschland verdunkelt ist – auf Leserbriefseiten und in römischen Kanzleien. Jeder, den die jetzige Situation der katholischen Kirche mit Zorn und Trauer erfüllt, möge sich fragen, was er getan hat, um diese unselige Entwicklung zu verhindern.

Autor: Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, Präsident des ZdK

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