Salzkörner

Donnerstag, 27. April 2017

Wohlstand durch Welthandel – für uns und für diejenigen, die unserer Solidarität bedürfen!

Für einen fairen Interessensausgleich

Peter Kardinal Turkson, der aus Ghana stammende Präsident des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, wurde auf einer Konferenz in Osteuropa gefragt, wo die Katholische Soziallehre am weitgehendsten verwirklicht sei. Seine Antwort: Deutschland! Und dann verwies er sachkundig auf die Soziale Marktwirtschaft. Diese ist sicher nicht perfekt und im Sinne eines "semper reformanda" stets weiterzuentwickeln, aber sie ist die Grundlage für unseren Wohlstand. Dass dieser stark auch auf der Leistungsfähigkeit und den Exporterfolgen unserer Industrie beruht, ist allgemein anerkannt, teilweise werden die Exporterfolge auch kritisiert.

Ein wesentlicher Aspekt der Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft ist die hohe Spezialisierung vieler Unternehmen. Die durch Arbeitsteilung erhöhte Produktivität ist ein Grund, warum in den vergangen drei bis vier Jahrzehnten auch weltweit die Armut in einem Maße zurückgegangen ist, das in der Menschheitsgeschichte einmalig ist. Auf dem Misereor-Unternehmerforum hat Prof. Dirk Messner vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik dazu vor einiger Zeit eine eindrucksvolle Graphik präsentiert. Ohne den Ab- bau von Zollschranken und anderen Handelshemmnissen in den vergangenen Jahrzehnten gäbe es weder diese starke Reduzierung der weltweiten Armut noch den enormen Wohlstand in Deutschland in diesem Maße.

Klar ist dabei aber auch: Arbeitsteilung und weltweiter Handel sind nur eine notwendige, aber keine hinreichen- de Bedingung für Wohlstand für alle. Rechtsstaatlichkeit und soziale Sicherungssysteme in den einzelnen Ländern sowie klare Regeln und ein Ordnungsrahmen für Handel und Wettbewerb – national und weltweit – müssen hinzu- kommen. Hier ist noch viel zu tun, allzu oft gilt immer noch mehr das Recht des Stärkeren, als dass das Recht auch für den Stärkeren gilt. Eigentlich gibt es einen breiten Konsens, dass eine faire Ordnung des Welthandels auf internationaler Ebene möglichst weltumfassend etabliert werden soll, also multilateral – und nicht bilateral. Leider ist die sogenannte "Doha-Verhandlungsrunde" im Rahmen der Welthandelsorganisation gescheitert. Wir hätten die Kontroversen über die transatlantischen Handelsabkommen TTIP und CETA oder über die Abkommen zwischen der EU und den Entwicklungsländern (EPA) nicht, wenn wir statt dieser bilateralen Abkommen ein multilaterales Abkommen hätten bzw. anstreben würden. Mit einem solchen Abkommen, das weltweit alle Länder und Handelsblöcke umfassen und ihre jeweiligen Interessen berücksichtigen und zum Ausgleich bringen würde, wäre dem globalen Gemeinwohl am besten gedient. Dies ist natürlich eine Herkulesaufgabe, und das Scheitern der Doha- Runde liegt neben den unterschiedlichen Interessen auch an der enormen Komplexität weltweiter Handelsbeziehungen. Doch auch eine Vielzahl bilateraler Abkommen hat diese und weitere Probleme, wie das (vorläufige) Scheitern der trans- pazifischen und transatlantischen Handelsgespräche zeigt.

National(istisch)e Lösungen sind der völlig falsche Weg. Die Vertreter dieses Lösungsansatzes müssen sich fragen lassen, ob sie an einem fairen Interessensausgleich interessiert sind, oder ob es ihnen um das Durchsetzen des Rechts des (vermeintlich) Stärkeren geht. Für unsere mittelständisch geprägte Exportwirtschaft ist es ebenso wie für die Entwicklungsländer von Vorteil, wenn nicht das Recht des Stärkeren, sondern das Recht auch für den Stärkeren gilt. In Europa haben wir uns zu einem gemeinsamen Markt zusammengeschlossen, in dem nach innen für alle die gleichen Regeln gelten und der durch diese Gemeinschaft nach außen stark ist. Diese Stärke nach außen ist ein unschätzbarer Vorteil gegenüber anderen 'Starken' auf der Welt. Wir sollten aber die Erfahrung, dass die Stärke nach außen auch den Schwachen innerhalb der Gemeinschaft zugutekommt, immer mitdenken, wenn es um die 'Schwachen' außen geht, vor allem die Entwicklungsländer auf unserem Nachbarkontinent Afrika. 'Wohlstand für alle' ist das Versprechen der Sozialen Marktwirtschaft.  Wenn die Rahmenordnung stimmt, dann sind weltweite Arbeitsteilung, Weltoffenheit und eine die ganze Welt umspannende multilaterale Handelsordnung das, was der Katholischen Soziallehre entspricht. Katholisch im Wortsinn heißt ja auch: die ganze Welt umspannend!

 

 

 

Autor: Martin Wilde Geschäftsführer Bund Katholischer Unternehmer e. V.

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