Salzkörner

Montag, 28. Juni 1999

ZdK-Stellungnahmen

In einem Schreiben vom 3. Juni 1999 hat der Papst den Bischöfen in Deutschland seine Entscheidung zur Schwangerschaftskonfliktberatung mitgeteilt.

Das ZdK hat am 17. Juni nach dem Bekanntwerden des Briefinhaltes und am 23. Juni nach Bekanntwerden der Beschlüsse des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz mit Stellungnahmen reagiert, die wir im folgenden dokumentieren:

Stellungnahme des Präsidiums des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) zum jüngsten Ersuchen des Heiligen Vaters, die gesetzliche Schwangerschaftskonfliktberatung in Deutschland zu verlassen

Betroffen und tief enttäuscht nimmt das Präsidium des ZdK das jüngste Ersuchen des Heiligen Vaters, die gesetzliche Schwangerschaftskonfliktberatung zu verlassen, zur Kenntnis. Es stellt fest, daß der Brief des Papstes die Argumentation der Kirche in Deutschland zum Verbleib in der gesetzlichen Schwangerschaftskonfliktberatung nicht trifft. Zum Vorgang insgesamt nimmt das Präsidium des ZdK wie folgt Stellung:

1.Das Präsidium des ZdK dankt der Deutschen Bischofskonferenz, daß sie den von der überwältigenden Mehrheit der deutschen Bischöfe für erforderlich gehaltenen Verbleib der kirchlichen Beratungsstellen in der gesetzlich geregelten Schwangerschaftskonfliktberatung unbeirrt in Rom vertreten hat. Besonderen Dank schuldet die Kirche in Deutschland dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof DDr. Karl Lehmann, der sich für das Leben ungeborener Kinder und gleichzeitig für ein glaubwürdiges Zeugnis der Kirche in einer Weise eingesetzt hat, die höchste Anerkennung und Dankbarkeit verdient. Das ZdK bittet die Deutsche Bischofskonferenz, ihre Antwort auf das jüngste Ersuchen des Heiligen Vaters ohne Zeitdruck gründlich zu beraten und das ZdK an diesen Beratungen in der gewohnten Weise zu beteiligen. Das ZdK hegt die Hoffnung, daß die bisherige Eindeutigkeit und die große Einmütigkeit der Bischofskonferenz in dieser Lebensfrage gewahrt bleibt.

2.Das Präsidium des ZdK stellt mit Bedauern fest: Trotz vielfältiger Bemühungen der Kirche in Deutschland ist es bisher offensichtlich nicht gelungen, in Rom deutlich zu machen,
-daß das Verfassungsgericht und der Gesetzgeber in Deutschland ein Konzept zum Lebensschutz vertreten, das in der Unbedingtheit des Ziels, ungeborenes Leben zu schützen, im Weltvergleich singulär ist;
-daß im Unterschied zu manchen anderen Ländern in Deutschland Gesetzgeber, Regierung und Verfassungsgericht darin übereinstimmen, daß es sich bei dem ungeborenen Leben um individuelles, in seiner genetischen Identität und damit in seiner Einmaligkeit und Unverwechselbarkeit bereits festgelegtes Leben handelt, das sich im Prozeß des Wachsens nicht erst zum Menschen, sondern als Mensch entwickelt, so daß das ungeborene Kind allein aufgrund seiner Existenz – nicht erst durch die Annahme seitens der Mutter – ein Lebensrecht hat;
-daß das deutsche Konzept des Lebensschutzes sich weder mit einer bloßen Strafdrohung zufrieden gibt, noch völlig auf Strafandrohung verzichtet, sondern sich um die Entwicklung eines breit angelegten Schutzinstrumentariums bemüht, bei dem die Strafdrohung auch zur Sicherstellung lebensrettender Beratung eingesetzt wird; daß das ungeborene Kind sich selbst nicht schützen kann, daß sein Leben vielmehr der Mutter anvertraut ist, so daß ein Schutzkonzept notwendig ist, daß das Leben des ungeborenen Kindes vor allem mit der Mutter und nicht gegen sie schützt;
-daß in einem solchen Schutzkonzept die obligatorische Schwangerschaftskonfliktberatung von wesentlicher Bedeutung ist, daß allerdings eine obligatorische Beratung nur möglich ist, wenn insoweit die Strafdrohung zurückgenommen wird, so daß die Schwangerschaftskonfliktberatung zwar mit dem strafrechtlichen Tötungsverbot verbunden bleibt, aber gleichzeitig eine von mehreren gleichrangigen Voraussetzungen dafür ist, daß Abtreibungen straffrei bleiben;
-daß die Tötung des ungeborenen Kindes nach der deutschen Rechtsordnung grundsätzlich auch dann rechtswidrig und verboten bleibt, wenn sie unter bestimmten Bedingungen nicht bestraft wird;
-daß schließlich Tausende von Kindern den in der gesetzlich geregelten Schwangerschaftskonfliktberatung tätigen kirchlichen Beratungsstellen ihr Leben verdanken, gerade solche Kinder, deren Mütter vor der Beratung zur Abtreibung entschlossen waren, weil sie meinten, für sich und das Kind keine Perspektive zu sehen.

3.Mit Bitterkeit muß das Präsidium des ZdK feststellen, daß es ihm in den zwei zurückliegenden Jahren verwehrt war, dem Heiligen Vater die eindeutigen und immer einmütig gefaßten Beschlüsse des ZdK in der Frage der Schwangerschaftskonfliktberatung durch eine hochrangige Delegation in Rom zu erläutern. Diese Dialogverweigerung ist unerträglich. Die anstehende Frage gehört ganz überwiegend in die Verantwortung der Ortskirche. Für viele ist der Verbleib in der gesetzlich geregelten Schwangerschaftskonfliktberatung eine Gewissensfrage.

4.Das Präsidium des ZdK hat schon vor zwei Jahren sowohl im Zentralkomitee als auch in der Gemeinsamen Konferenz von Bischofskonferenz und Zentralkomitee eine Aktion zur Förderung der Schwangerschaftskonfliktberatung ins Gespräch gebracht, die auf der Basis des bürgerlichen Koalitionsrechtes und im Sinne der heute geltenden kirchlichen Richtlinien Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen dort fördert, wo die kirchlichen Beratungsstellen aus der gesetzlich geregelten Tätigkeit aussteigen müssen. Es bittet den Deutschen Caritasverband und den Sozialdienst katholischer Frauen, sich an den Beratungen des Hauptausschusses des ZdK zu solchen Überlegungen in der Sitzung am 3. September 1999 zu beteiligen.

ZdK-Präsident Meyer zum Beschluß des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz zum Verbleib der kirchlichen Beratungsstellen in der Schwangerschaftskonfliktberatung

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, hat die Erklärung des Ständigen Rates vom 22. Juni 1999 zum Verbleib der kirchlichen Beratungsstellen im System der gesetzlich geregelten Schwangerschaftskonfliktberatung zur Kenntnis genommen. Er begrüßt den einmütigen Willen der Deutschen Bischofskonferenz, in der gesetzlich geregelten Schwangerschaftskonfliktberatung zu bleiben. Prof. Meyer hofft, daß die Erwartung der Bischöfe, der vom Papst gewünschte Zusatz zum Text der Beratungsbescheinigung könne die Auseinandersetzungen der Vergangenheit beenden, in Erfüllung geht.
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