Salzkörner

Montag, 5. November 2012

Zukunft einkaufen – glaubwürdig handeln

Der Weg zu einer Umwelterklärung des Generalsekretariats des ZdK

In einer eigenen Umwelterklärung verpflichten sich die Leitung und die rund 30 Mitarbeiter im Generalsekretariat des ZdK, sich bei ihrer Arbeit an ökologischen und sozialen Standards auszurichten. Ein Modell dafür, dass sich auch kleine Betriebe und Einrichtungen am Gedanken der Nachhaltigkeit orientieren können.

"Wir berücksichtigen in unserem Handeln und bei der Beschaffung für unser Haus ökologische und soziale Standards, die dem Erhalt der Natur und dem Einsatz für Frieden und globale Gerechtigkeit Rechnung tragen." Dies ist der wohl zentralste Satz der Umwelterklärung des ZdK-Generalsekretariats, weil er die umweltpolitischen Absichten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter widerspiegelt. Bis es zu den formulierten Absichtserklärungen kam, die in Kürze veröffentlicht werden, durchliefen sie zunächst einen ca. einjährigen Prozess.

Motive

Die Initiative für eine Umwelterklärung des Generalsekretariats erfolgte im Frühjahr 2011 durch die Referentin für Umwelt und Entwicklung des ZdK, Julia Felske, die bedingt durch ihren Aufgabenbereich das Projekt "Zukunft einkaufen – Glaubwürdig wirtschaften in Kirchen" kannte, das die Grundlage für die Umwelterklärung bildet. Der Vorschlag, dieses Projekt auch im Generalsekretariat umzusetzen, wurde von der Leitung sehr positiv aufgenommen.

Als Christinnen und Christen sind wir uns unserer sozialen Verantwortung gegenüber Mitmenschen und der Bewahrung der Schöpfung bewusst, die Lebensstile verbietet, die auf Kosten der Lebensmöglichkeiten anderer Gesellschaften oder zukünftiger Generationen gehen und deshalb zu Verteilungskonflikten führen, die den Frieden zwischen Völkern oder Generationen erheblich gefährden.  Als kirchliche Einrichtung möchten wir zur Glaubwürdigkeit von Kirche im Bereich Schöpfungs- und Gesellschaftsverantwortung beitragen.

Vorbereitung

Gründe genug, um als Generalsekretariat des ZdK mit der Einführung eines Umweltmanagementsystems eine Vorbildrolle einzunehmen.

Schnell war klar, dass das Projekt "Zukunft einkaufen" im Bereich Geschäftsführung zu verorten sein wird. Das sechsköpfige Projektteam setzte sich daher entsprechend aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bereiches sowie der inhaltlich zuständigen Referentin zusammen. Den Prozess begleiteten mehrere Sitzungen mit dem Mitglied der Steuerungsgruppe von "Zukunft einkaufen" und Vorstand der Umweltbeauftragten der deutschen Diözesen, Thomas Kamp-Deister, der uns in allen Schritten als Berater zur Seite stand. Er forderte unsere stetige Weiterarbeit an dem Thema ein, indem am Ende jeder Sitzung Aufgaben vereinbart wurden, die – das sollte hier nicht unerwähnt bleiben – zusätzlich zu den eigentlichen im Bereich Geschäftsführung existenten Arbeitsabläufen einen nicht unerheblichen Zeitrahmen in Anspruch nahmen. Ohne diesen externen Druck befände sich die Umwelterklärung jetzt vermutlich noch in der Formulierungsphase.

Umsetzung

Die konkrete Umsetzung des Projektes "Zukunft einkaufen" nahm im Generalsekretariat dann im Juli 2011 seinen Anfang, indem Herr Kamp-Deister das Projektteam über das Ziel des Projektes sowie die verschiedenen Schritte informierte. Im Anschluss daran galt es, in die konkrete Arbeit einzusteigen und anhand einer Checkliste eine Bestandsaufnahme durchzuführen, bei der die derzeitige Beschaffungspraxis systematisch erfasst wurde. Es wurden sämtliche Bereiche abgefragt (Einrichtungsprofil und bisherige Struktur der Beschaffung, Abfall und Recycling, Außenanlagen, Bewirtung in Sitzungen, Bürobedarf, Fahrzeuge und Dienstreiseverkehr, Finanzen, Strom, Wärme, Wasser). Im Rahmen der Bearbeitung der Checklisten wurden aus den erfassten Daten quantitative und qualitative Kennzahlen erhoben (z. B. Entwicklung des Verbrauchs und der Kosten sowie die Herkunft von Strom, Wasser, Papier, Heizung, Abfall im Vergleich der letzten drei Jahre) und in einer Kennzahlentabelle gesammelt aufgeführt und gegenübergestellt. Durch die anschließende Bewertung der dadurch ersichtlichen Tendenzen im Verbrauch über die Jahre sowie Stärken und Schwächen der bisherigen Praxis wurden erste Handlungsschritte abgeleitet und im Projektteam diskutiert. So wurden beispielsweise zentrale Quellen für den hohen Stromverbrauch eruiert und beseitigt.

Aus den gewonnenen Erkenntnissen aus Checkliste und Kennzahlentabelle entwickelte das Team die Umwelterklärung und das Umweltprogramm. Die Umwelterklärung gibt Auskunft über Rahmendaten des Generalsekretariats, den Aufbau des Umweltmanagementsystems, die Handlungsfelder in ihrem Ist- und Soll-Zustand sowie die dahinter stehende Handlungsmotivation. Das Umweltprogramm führt als Verbesserungsprogramm die Entwicklungsziele für die nächsten Jahre auf – jeweils mit einem definierten Zeitpunkt der Umsetzung (z. B. die Nutzung ökozertifizierter Lieferanten für den Bürobedarf, Recyclingpapier beziehen, derzeitige Leuchtmittel durch energiesparendere Produkte ersetzen).

Beteiligung

Nachdem die erste Fassung der Umwelterklärung erstellt war, wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer dafür anberaumten Versammlung im Frühjahr 2012 über das Projekt informiert und hatten die Möglichkeit, Anregungen und Ergänzungsvorschläge für die Umwelterklärung einzubringen. Das Projektteam nahm die Anmerkungen gerne auf und bezog sie in die Erklärung mit ein, um neben der Verwirklichung von wirklich guten inhaltlichen Ideen auch eine möglichst hohe Akzeptanz und Identifikation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den hier formulierten umweltpolitischen Absichten zu schaffen. Die Umwelterklärung wurde nach mehrmaligem Überarbeiten von allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angenommen. Außerdem wurde ein neues Umweltteam gebildet, das nunmehr nicht fast ausschließlich aus Vertreterinnen und Vertretern des Bereichs Geschäftsstelle besteht, sondern auch die anderen Abteilungen des Hauses in der Zusammensetzung mit berücksichtigt.

Im weiteren Prozessverlauf haben wir bereits einige Maßnahmen im Sinne unserer Umwelterklärung durchgeführt. Dazu gehören u. a. die Anschaffung von abschaltbaren Steckdosenleisten und Thermometern für alle Räume zur Sensibilisierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für stromsparendes Verhalten sowie die optimale Raumtemperatur, die Beschaffung von recycelten Briefumschlägen, dauerhaftes bzw. zeitweises Abschalten von nicht benötigten Elektrogeräten.

Zertifizierung

Am 22. November 2012, dem Vortag der ZdK-Vollversammlung, findet der Arbeitsprozess sein vorläufiges Ende. Im Beisein des Generalsekretärs Dr. Stefan Vesper sowie des umweltpolitischen Sprechers des ZdK, Dr. Michael Lentze, wird den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Generalsekretariat durch Herrn Kamp-Deister das Zertifikat "Zukunft einkaufen" verliehen. Anschließend wird die Umwelterklärung auch auf der Homepage des ZdK zu finden sein.

Danach geht es für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Generalsekretariat an die Umsetzung der Selbstverpflichtungen aus der Umwelterklärung. Durch regelmäßige E-Mails werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über aktuelle Entwicklungen informiert, mit Umwelt-Tipps versorgt und über die das Generalsekretariat betreffenden umweltpolitischen Fragen auf dem Laufenden gehalten. Auch die Öffentlichkeit wird einmal jährlich über die Entwicklungen informiert.

Wir wünschen uns – das haben wir in unserer Umwelterklärung formuliert –, dass auch unsere Mitglieder sich unseren Zielen anschließen und beispielsweise möglichst umweltfreundlich zu Gremiensitzungen anreisen. Erstrebenswert ist darüber hinaus, mit unserer Umwelterklärung diözesanen Räten, Verbänden, Organisationen und Gemeinschaften einen Anstoß zu geben, es uns gleichzutun und durch ein nachhaltiges Kauf- und Konsumverhalten die Umsetzung der Menschenrechte weltweit und den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen zu fördern.

Als einen wichtiger Schritt auf diesem Wege ist hier der Antrag "Verantwortung für die Umsetzung der Menschenrechte und Bewahrung der Schöpfung – öffentliche und kirchliche Beschaffung nach sozialen und ökologischen Kriterien" zu nennen, der in die Herbstvollversammlung des ZdK am 23./24.11.2012 aus der Mitte der Vollversammlung eingebracht wurde und dort beraten wird.

 

 

 

 

Autor: Dorothee Barenbrügge Assistentin in der Geschäftsführung im Generalsekretariat des ZdK

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