Salzkörner

Dienstag, 5. November 2013

Zukunftswerkstatt

Ein Jubiläumskatholikentag in Leipzig

Vor wenigen Tagen hat der Bischof der Diözese Dresden-Meißen, Dr. Heiner Koch, das ZdK eingeladen, den 100. Deutschen Katholikentag vom 4. bis 8. Mai 2016 in Leipzig durchzuführen. Der Präsident des ZdK, Alois Glück, hat dem Bischof bereits ganz ausdrücklich dafür gedankt: "Wir freuen uns über diese Einladung in eine spannende und weltoffene Stadt und ein Bistum, mit dem wir bereits 1994 einen großartigen Katholikentag durchführen durften. Ich bin mir sicher, dass die Vollversammlung des ZdK am 22. November in Bonn-Bad Godesberg die Einladung mit großer Freude annehmen wird."

Das Zentralkomitee hat sich aktiv und ganz bewusst um eine Einladung nach Leipzig bemüht. Es ist eine spannende, weltoffene und gastfreundliche Stadt mit großer Tradition und gleichzeitig mitten in den Veränderungen und Herausforderungen unserer Gegenwart. Katholikentage sind aus ihrer Tradition heraus Orte der Begegnung von Kirche und Welt, des Dialogs über die gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen ihrer Zeit. Für den 100. Deutschen Katholikentag haben wir deshalb einen Ort gesucht, der für die Offenheit des Dialogs, des Zusammenlebens der Kulturen, Konfessionen und Religionen in unserem Land stehen kann, ein Ort, der gerade uns Christen herausfordert, unseren Glauben und die daraus erwachsenden Überzeugungen zu zeigen und mit interessierten und toleranten Menschen zu diskutieren. Ein Katholikentag in Leipzig kann nach unserer Überzeugung eine Zukunftswerkstatt für die Begegnung und das Zusammenleben von Christen und Menschen guten Willens sein.

Chancen und Herausforderungen

"Dieser Katholikentag wird inhaltlich, kommunikativ und gestalterisch für uns gemeinsam eine große Herausforderung und eine große Chance sein", schreibt Bischof Koch in seiner Einladung an das ZdK, "als 100. Katholikentag in kraftvoller Erinnerung an eine lange und wirkungsvolle Geschichte der Katholiken in Deutschland; in einer Stadt, in der 80 Prozent der Bevölkerung keiner Kirche angehören und der christliche Glaube in manchen Familien seit Generationen nicht mehr angesprochen wurde; in einer Stadt, in der im letzten Jahr über 1000 Katholiken neu zu uns gestoßen sind durch Zuzug und Taufen; in einer Stadt, in der die größte Gruppe der Katholiken die 20- bis 30-Jährigen bilden und in der die Gemeinden durch viele junge Familien geprägt sind; in einer Stadt, in der die Ökumene mit großer Selbstverständlichkeit und Verlässlichkeit gelebt wird und in der die konfessionellen Unterschiede mit Respekt geachtet werden; in einer Stadt voller Kultur und insbesondere voller Musik, auch mit einer reichen kirchenmusikalischen Geschichte und Gegenwart; in einer Stadt, die sich zum Wissenschafts-, Medien- und nicht zuletzt zum Finanz- und Wirtschaftszentrum entwickelt hat; in einer Diözese in der Mitte Europas, in der ein lebendiges Miteinander mit den Nachbardiözesen Polens und Tschechiens gelebt wird." Mit diesen Worten beschreibt Bischof Koch, was auch uns bewogen hat, auf die Stadt Leipzig und die Diözese Dresden-Meißen zuzugehen.

Fortsetzung einer Tradition

Das Bistum Dresden-Meißen hat in seiner Geschichte schon zwei große Ereignisse ausgerichtet, das einzige Katholikentreffen in der DDR 1987 in Dresden und den 92. Deutschen Katholikentag 1994 ebenfalls in Dresden. Beides waren wegweisende Treffen. Für den Katholikentag suchen wir immer wieder Orte, die schon in sich eine Art Zeitansage sind. Das Katholikentreffen 1987 hatte sicher einen ganz eigenen, zeit- und situationsbedingten Charakter. Es war für die Katholiken in der DDR von allergrößter Bedeutung. Mehr dazu müssen aber die sagen, die damals nach Dresden eingeladen und die, die teilgenommen haben. Naturgemäß war das ZdK, das die Katholikentage seit mehr als 160 Jahren veranstaltet, an dieser Entscheidung nicht beteiligt, weil sein Wirken sich auf das Gebiet der alten Bundesrepublik beschränken musste. 1994 aber konnten wir dann in Dresden wieder einen großartigen Deutschen Katholikentag veranstalten, der unter seinem Leitwort "Unterwegs zur Einheit" ganz im Zeichen der jungen deutschen Einheit stand und gleichzeitig stellvertretend für das Ende der DDR und ein besonderes Kapitel deutscher Geschichte. Jetzt möchten wir uns, mehr als 25 Jahre nach der friedlichen Wende, in Leipzig der neuen deutschen und europäischen Gegenwart stellen.

Ökumene

Für den Diözesanrat, das höchste Laiengremium des Bistums Dresden-Meißen, hat der Diözesanratsvorsitzende und ZdK-Mitglied Dr. Nikolaus Legutke die Einladung begrüßt und eine dabei eine weitere Dimension angesprochen, die bei unserer Entscheidung auf Leipzig zuzugehen eine wichtige Rolle gespielt hat: "Dass die Einladung zum 100. Katholikentag nach Leipzig erfolgt, ist auch ein Zeichen der Veränderungen in unserer Gesellschaft. Der erste Katholikentag fand 1848 in Mainz statt, im Zentrum traditionell katholischer Regionen Deutschlands. Dass Bischof Koch nun zum Katholikentag nach Leipzig in Sachsen einlädt, in ein Kernland der Reformation und im Zeitraum der Lutherdekade, ist Ausdruck gelebter Ökumene, die von vielen Christinnen und Christen getragen wird." Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung unterstreicht diese Dimension der Einladung in die Messestadt. "Mit Leipzig hat die katholische Kirche eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Der Kirchenneubau gegenüber dem Rathaus zeigt auch ganz real, dass die katholische Kirche im Zentrum der Gesellschaft verankert ist. Die Leipziger freuen sich und werden gerne Gastgeber sein. Und für mich persönlich ist ein Katholikentag 2016 – ein Jahr vor dem Reformationsjahr – ein weiterer, wichtiger Schritt in der Ökumene", so Oberbürgermeister Jung. Bischof Koch schreibt dazu in seinem Hirtenwort an die Gemeinden seiner Diözese: "Der Katholikentag 2016 wird stattfinden in einer Region, in der vor 500 Jahren die Reformation eingeführt wurde. Das die Konfessionen Verbindende und Trennende wird in diesen Tagen thematisiert werden. Wir werden auch von vielen guten Erfahrungen im ökumenischen Miteinander in Sachsen und Ostthüringen berichten können, weil hier auch nach meinen Erfahrungen eine Ökumene gelebt wird, die verlässlich ist und die zugleich auch die unterschiedlichen Sichtweisen mit Respekt achtet und nicht einem ökumenischen Minimalismus huldigt. Ich hoffe sehr, dass ein Jahr vor dem Reformationsgedenken 2017 auch dieser Katholikentag uns unsere gemeinsame Geschichte in den vielen hundert Jahren in lebendige Erinnerung ruft, den Schmerz der Trennung nicht verwischt und Ermutigung schenkt für unseren weiteren gemeinsamen Weg."

Den Glauben anbieten

Sehr bewusst wollen wir diesen Jubiläumskatholikentag in Leipzig auch der Begegnung mit den Gläubigen anderer Religionen und den Menschen widmen, die nicht an Gott glauben. Gerade Papst Franziskus fordert uns immer wieder dazu auf, die Nähe zu allen zweifelnden und suchenden Menschen zu suchen und darüber nachzudenken, wie wir unseren Glauben in der Welt von heute neu anbieten und vorleben können. In Leipzig gehören 80 Prozent der Einwohner keiner Konfession an, nur etwa 4 Prozent der Bevölkerung sind katholisch. "Vielen ist unser Glaube und unsere Kirche fremd. Und doch erlebe ich eine erstaunliche Offenheit den Christen und unserer Kirche gegenüber. Dieser Katholikentag wird deshalb versuchen, das Gespräch besonders mit diesen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu suchen", schreibt Bischof Koch in seinem Hirtenbrief. "Ich hoffe, dass es ein Katholikentag sein wird, in dem die Menschen, die keiner Konfession angehören, und Vertreter anderer Religionen sich angenommen erfahren, sich einbringen können und dann hoffentlich auch ein wenig von dem Reichtum des christlichen Lebens spüren. Dieser Katholikentag wird für uns eine große Herausforderung sein, unseren Glauben verständlich und in seiner tiefen Lebensbedeutsamkeit den Menschen nahe zu bringen."

Ort der Gegenwartskultur

Leipzig als Stadt der Wissenschaft, der Wirtschafts- und Finanzwelt und des Handels, im Herzen eines sich rasant verändernden Europas gelegen, ist ein Spiegel der Herausforderungen der Gegenwart. Als Stadt des Buches und der Musik ist sie ein anregender Ort der Begegnung mit der Gegenwartskultur. Auch davon wollen wir uns beim 100. Deutschen Katholikentag inspirieren lassen.

 

 

 

 

Autor: Dr. Stefan Vesper ZdK-Generalsekretär

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