Salzkörner

Montag, 9. März 2015

Zusammenleben

Editorial

Tun wir genug, um das Zusammenleben mit unseren jüdischen Mitbürgern zu fördern? Muss es nicht bei uns zu tiefem Unbehagen führen, wenn unseren jüdischen Mitbürgern die Ausreise nach Israel empfohlen oder wenn ihnen geraten wird, in bestimmten Städten oder Stadtvierteln auf das Tragen der Kippa zu verzichten? Geben Untersuchungen über einen wachsenden Antisemitismus in verschiedenen Bevölkerungsgruppen nicht Anlass zu höchster Sorge?

Zum Zusammenleben gehört das Wissen von einander, gehört das Umsetzen gemeinsamer Projekte, der respektvolle Dialog, das Beten mit- und füreinander. "Kennt Ihr die Juden in Eurer Stadt?" möchte man in Abwandlung eines Wortes von Mutter Teresa auf einem Katholikentag fragen. Kennt Ihr ihre Fragen, ihre Sorgen, ihre Hoffnungen, ihre Ängste?

Soeben wurden der Gesprächskreis „Juden und Christen“ im ZdK und – ad personam – sein langjähriger Vorsitzender Hanspeter Heinz mit der angesehenen Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet. Damit wird ein über 4Ojähriges Engagement gewürdigt, das Ansporn für uns alle sein kann. Die zahlreichen Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in unserem Land wirken segensreich. Jeder Stadtverband, jede Pfarrei sollten Kontakte zum Judentum vor Ort haben. Gerade angesichts der aktuellen Debatten sollten wir unseren Mitbürgern jüdischen Glaubens neu die Hand reichen und auf sie zugehen, gerade jetzt, in diesen Tagen und Wochen. Deutschland ist unser gemeinsames Land und damit unsere gemeinsame Aufgabe.

 

 

Autor: Stefan Vesper

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