Freitag, 6. April 1990

Umweltschutz als erzieherische Aufgabe

Umweltschutz als erzieherische Aufgabe

Thesen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken zur Umwelterziehung

I. Umweltprobleme und Umweltschutz

Die Erhaltung einer intakten und lebenswerten Umwelt für uns und unsere Kinder ist zu einer der zentralen Fragen unserer Zeit geworden. Der oft unmäßige Griff nach den Ressourcen der Erde sowie die Belastung von Boden, Luft und Wasser mit Schadstoffen haben den Naturhaushalt an die Grenzen seiner Belastbarkeit gebracht, seine Funktionen zum Teil empfindlich gestört oder teilweise schon unwiderruflich geschädigt. Die Folgen für Menschen, Tiere und Pflanzen als Teile des Ökosystems können lebensbedrohend sein, wenn diese Entwicklung nicht korrigiert wird. Daher haben die deutschen Bischöfe bereits 1980 in ihrer Erklärung "Zukunft der Schöpfung - Zukunft der Menschheit" von einer neuen Grenzsituation der Menschheit gesprochen.

Umweltbelastungen und Umweltkatastrophen hat es zwar schon immer gegeben, doch bestehen zwischen der jetzigen Entwicklung und den früheren Ereignissen entscheidende Unterschiede. Die heutige Krise ist zeitlich und regional entgrenzt und sie ist existentiell. In der gemeinsamen Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz "Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung" von 1985 heißt es dazu:

- Ausmaß und Intensität der Eingriffe in natürliche Wirkungszusammenhänge sind bedrohlich angestiegen;

- die dadurch ausgelösten Prozesse gewinnen an Schnelligkeit;

- Anzahl und Konzentration von Giftstoffen nehmen ständig zu;

- der Entscheidungsspielraum für ökologisches Handeln wird immer enger.

Viele Menschen sind von diesen Entwicklungen zutiefst betroffen, wissen um die bedrohliche Situation und sind zum persönlichen Engagement bereit. Einzelne und Gruppen in unserer Gesellschaft haben auf die Probleme hingewiesen und Lösungsvorschläge unterbreitet. Der Staat, die Wirtschaft und die Bürger haben in ihren Anstrengungen, die akuten Gefährdungen zu bewältigen, erste Erfolge erzielt. Umweltschutz ist im persönlichen Bereich, in Gesellschaft, Kirche und Politik zu einem wichtigen Schwerpunkt des Handelns geworden. Dabei hat sich aber nach Ansicht des Zentralkomitees der deutschen Katholiken folgendes gezeigt:

- Trotz vieler und fundierter Informationen über die Umwelt und der dabei aufgezeigten Notwendigkeit des Engagements besteht nach wie vor eine große Diskrepanz zwischen Wissen und Handeln, die im Anspruchsdenken und Egoismus, in der Bequemlichkeit oder in der Verharmlosung und Verdrängung von Umweltproblemen ihre Ursache hat.

- Die vielfältigen und komplexen Umweltproblemeerwecken bei vielen Menschen ein Gefühl der Unsicherheit und Resignation.

- Bessere Techniken leisten unverzichtbare Beiträge zum Umweltschutz, reichen aber zur Lösung der Probleme nicht aus.

- Mit einer Politik der Umweltreparatur und reaktiver Krisenbewältigung und Gefahrenabwehr - so notwendig sie auch sind - werden wir der Zunahme von Umweltproblemen nicht Einhalt gebieten können.

Immer dringender notwendig ist eine Umweltvorsorge, die die ökologische Dimension, d.h. die Regenerationsfähigkeit des Naturhaushaltes, die Gesamtheit der Ressourcen und die Belastungsgrenzen für Boden, Wasser und Luft in alle politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Entscheidungen von vornherein miteinbezieht. Wir müssen uns dabei bewußt sein, daß das erforderliche "Umsteuern" nicht ohne  tiefe Schnitte und Eingriffe in gewachsene Strukturen und Besitzstände ablaufen wird.

Dabei werden wir auf entschiedene Widerstände stoßen, Konflikte müssen gelöst werden.

Wir brauchen eine koordinierte und integrierte Umweltvorsorge und Umweltschutzpolitik, die sich leiten läßt von der Verantwortung gegenüber der Natur und den Menschen aller Länder und der nachfolgenden Generationen.

Diese Verantwortung ist für die Christen nicht nur ein Gebot menschlicher Daseinsvorsorge, sondern zugleich Ausdruck der Achtung vor der Schöpfung, Ausdruck einer Rückbesinnung auf den Auftrag des Menschen zum "Bebauen" und zum "Bewahren" der ihm anvertrauten Welt.

II. Umwelterziehung und ihre Grundlagen

Umweltvorsorge läßt sich aber konsequent nur verwirklichen, wenn die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung deren Zielsetzung und Maßnahmen im Grundsatz nachvollziehen kann, wenn sie sich daraus zu eigener Verantwortung bekennt und auch bereit ist, aktiv zur Erreichung der Ziele beizutragen. Dazu sind Informationen und Aufklärung, vor allem aber eine langfristig angelegte Umwelterziehung unabdingbare Voraussetzungen.

Der Umwelterziehung kommt bei der Bewältigung der Umweltkrise somit eine wesentliche Bedeutung zu. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur wirksamen Umweltvorsorge und Zukunftssicherung. Somit ist sie eine Chance für Ökonomie und Ökologie und steht im Dienste des Gemeinwohls. Umwelterziehung kann jedoch kein Politikersatz sein, ebensowenig umgekehrt.

Die heutige Umweltkrise betrifft uns Menschen in unserer ganzen Existenz und stellt unsere Weise zu wirtschaften und zu konsumieren, letztlich unsere gesamte Art zu leben, in Frage. Deshalb ist Umwelterziehung nicht nur ein Instrument der Umweltvorsorge, sie ist zugleich wesentlicher Bestandteil einer gegenwarts- und zukunftsbezogenen Allgemeinbildung, d.h. unverzichtbarer Bestandteil von Erziehung überhaupt Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken will mit dieser Erklärung Anregungen zu einer Umwelterziehung aus christlicher Sicht geben und zugleich einen Beitrag leisten zu dem seit längerer Zeit bestehenden öffentlichen Diskurs zu diesen Fragen. Umwelterziehung soll zukünftig in Familie, Kindergarten, Schule, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung und Pfarrgemeinde einen höheren Stellenwert erhalten.

1. Die Inhalte kirchlicher Verlautbarungen zur Bewahrung der Schöpfung sind in den Pfarrgemeinden, vor allem aber in der breiten Öffentlichkeit noch zu wenig bekannt. Verkündigung, Jugend- und Erwachsenenbildung müssen sich dieser notwendigen Aufgabe verstärkt annehmen.

Wesentliche, grundsätzliche und praktische Impulse für eine Umwelterziehung enthalten.

- die Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz "Zukunft der Schöpfung - Zukunft der Menschheit" aus dem Jahre 1980,

- die Gemeinsame Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz und des Rats der Evangelischen Kirche Deutschlands "Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung" von 1985, - die Erklärung der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen "Gottes Gaben - unsere Aufgabe" (Die Erklärung von Stuttgart) von 1988,

- das Schlußdokument der Europäischen Ökumenischen Versammlung "Frieden in Gerechtigkeit" von 1989 in Basel, - die Gemeinsame Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz "Gott ist ein Freund des Lebens" von 1989,

- die Botschaft von Papst Johannes Paul II. zur Feier des Weltfriedenstages am 1. Januar 1990 "Friede mit Gott dem Schöpfer

- Friede mit der ganzen Schöpfung".

2. Ausgangspunkte unserer Überlegungen sind die biblischen Grundlagen der Schöpfungsverantwortung des Menschen. Er ist Beauftragter Gottes in der Schöpfung, die er nur für eine bestimmte Zeit zum Lehen bekommen hat. Er ist Teil der Schöpfung. Der Auftrag, sich die Erde untertan zu machen, ist im engen Zusammenhang mit dem Auftrag zu sehen, die Erde zu bebauen und zu behüten. Der Mensch hat demnach nicht nur eine Gestaltungsaufgabe, sondern auch eine Schutzfunktion gegenüber der Natur. Beidem muß er in seiner Verantwortung für die Schöpfung gerecht werden. Aus der Orientierung menschlichen Gestaltens innerhalb der Schöpfung am Willen des Schöpfers ergibt sich, Grenzen des eigenen Tuns anzuerkennen (durch Askese, Verzicht, Rücksicht, Sparsamkeit) und in Ehrfurcht mit Menschen, Tieren, Pflanzen und allem Geschaffenen zusammenzuleben. Damit sind auch wesentliche Aspekte des christlichen Menschenbildes angesprochen, das ja die Sorge um das Leben im umfassenden Sinn einschließt und sich des schonenden und behutsamen Umgangs mit der Natur verpflichtet weiß. Das christliche Menschenbild sieht das Leben, das menschliche wie auch das der anderen Teile der Schöpfung, als Geschenk und Gabe Gottes.

3. Die biblische Sicht vom Menschen und seinem Umgang mit der Natur und das christliche Menschenbild geben uns eine Antwort auf die grundlegende Frage nach dem "Warum" unserer Verantwortung für die Umwelt (besser: Mitwelt).

Die Frage nach dem "Warum", nach der Grundlage unseres Handelns, wird heute leider viel zu wenig gestellt, auch im Blick auf unser Wirtschaften, auf Wissenschaft und Technik, auf den Fortschritt, auf den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen.

4. Umwelterziehung soll ein dem jeweiligen Alter und Lernvermögen entsprechendes ökologisches Grund-, Orientierungs- und Handlungswissen vermitteln. Dabei geht es nicht nur um vertiefte und möglichst ausdifferenzierte Kenntnisse über ökologische Tatbestände und Wirkungszusammenhänge. Informationen über das komplexe Beziehungs- und Wirkungsgeflecht vonÖkonomie, Ökologie, Politik und Gesellschaft gehören ebenso dazu wie die damit verbundenen Ziel- und Interessenkonflikte. Nicht zuletzt geht es auch um die Einsicht in die Rolle des einzelnen als Verursacher und Betroffener von Umweltschäden in den verschiedensten Lebenssituationen.

5. Umwelterziehung betrifft den ganzen Menschen, seine kognitiven wie auch seine affektiven und psychomotorischen Kräfte, den Menschen mit Verstand und Herz. Sie hat aus christlicher Sicht deutlich zu machen, daß Schöpfungsverantwortung weit mehr ist als wichtige Einzelbeiträge, wie z.B. "schonende" Putzmittel zu benutzen, durch ein rationelleres Heizungssystem Energie einzusparen oder ein Auto mit geregeltem Katalysator zu fahren.

Umwelterziehung hat Wissen zu vermitteln, neue Grundeinstellungen zu fördern und zu entsprechend verändertem Handeln zu ermuntern. Wesentliche Zielsetzung der Umwelterziehung muß das Einüben eines verantwortungsvollen Umgangs mit den Gütern dieser Welt sein. Diese Güter sind uns geschenkt und anvertraut, sie sind endlich und nicht unendlich. Gerade als Christen sind wir dazu aufgefordert, unserem Bekenntnis zur Schöpfungsverantwortung durch unser Tun Überzeugungskraft zu geben.

6. Umwelterziehung hat im Blick auf gesellschaftliches Handeln ein Denken in Zusammenhängen, im ursprünglichen Sinn ein ökologisches Denken zu vermitteln. Dazu gehört in Verbindung mit dem Solidaritätsprinzip die Vermittlung der Einsicht, daß wir über den eigenen Lebensbereich hinaus Verantwortung für die nachfolgenden Generationen und für die Menschen in den Ländern der Zweiten und Dritten Welt übernehmen müssen.

7. Umweltprobleme, aber auch unterschiedliche Lösungsansätze bei politischen Zielkonflikten (z.B. zwischen wirtschafts- und umweltpolitischen Zielen) führen in unserer Gesellschaft nicht selten zu heftigen Auseinandersetzungen und Konfrontationen. Eine wichtige Aufgabe der Umwelterziehung ist es deshalb, nicht nur Lösungsansätze bei Konflikten und unterschiedlichen Positionen aufzuzeigen, sondern auch die Bedeutung und die Notwendigkeit von Güterabwägung und Kompromiß, von politischer Auseinandersetzung und Überwindung von Interessenkonflikten bewußt zu machen und einzuüben.

8. Eine Umwelterziehung, die die Kluft zwischen postulierten Zielen und realen Wirkungen möglichst gering halten will, muß schließlich Menschen befähigen, mit der Komplexität und den Spannungen des Handlungsfeldes "Umwelt" umzugehen und diese zu ertragen, sich nicht von der Faszination einfacher Lösungen verführen zu lassen und Unsicherheit und Vorläufigkeit als wesentliche Handlungsbedingungen von Umweltschutz anzuerkennen. Dazu gehört auch die Vermittlung des Wissens um die Endlichkeit und die Begrenzung menschlichen Seins und Tuns. Dieses Wissen kann dazu helfen, mit Gelassenheit die Widersprüche und Unzulänglichkeiten umweltpolitischen Handelns auszuhalten.

III. Umwelterziehung - konkret

1. Zentralkomitee der deutschen Katholiken will nachfolgend Anregungen geben für die Umwelterziehung in Familie, Kindergarten, Schule, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung und Pfarrgemeinde.

Umwelterziehung in der Familie ist Erziehung zur Achtung vor allem Lebendigen. Dabei muß einem altersspezifischen inneren Zugang zur Natur Rechnung getragen werden. Die Interessen der Erwachsenen dürfen nicht in den Vordergrund gestellt werden. Auch Kinder und Jugendliche wissen um die Bedrohungen der Umwelt und sind genauso davon betroffen.

In erster Linie kommt es jedoch darauf an, daß Kinder die Tiere, die Pflanzen, die Natur lieben lernen. Denn was sie lieben, werden sie auch behüten und beschützen, dafür werden sie auch Verantwortung übernehmen. Dabei muß der personale Zugang und Umgang mit der Natur im Vordergrund stehen, muß Einflüsse der Natur (Wind, Sonne, Regen) auf Mensch und Tier erlebbar werden. Diese Erfahrungen sind freilich für Kinder im großstädtischen Wohnumfeld nicht so leicht zu machen.

Wichtige Naturerfahrungen sind mit den fünf Sinnen möglich (Geruchssinn, Tastsinn, Geschmackssinn, Gehörsinn, Sehsinn). Damit eng verbunden sind Staunen und Bewundern, Haltungen, die uns in einer Zeit der scheinbar totalen Machbarkeit weitgehend verlorengegangen sind. Durch eine solche Umwelterziehung wird die Schönheit der Schöpfung erlebbar und deutlich.

Umwelterziehung in der Familie beginnt beim vorbildlichen Verhalten der Erwachsenen. So ist das praktische Umwelthandeln das beste Beispiel für die Kinder. Umgekehrt sind auch die Fragen der Kinder nach unserem Umgang mit der Natur eine wichtige Herausforderung für die Erwachsenen.

Umwelterziehung in der Familie wird unterstützt durch Vorträge und Bildungsseminare. Hier kommt der Erwachsenenbildung und der Arbeit in Familienbildungsstätten eine wichtige Aufgabe zu.

2. Umwelterziehung im Kindergarten begleitet und unterstützt die familiäre Erziehung und gibt auch Impulse und Anregungen für die Familie selbst. Kinder erleben in der Gemeinschaft des Kindergartens oft ganz unterschiedliche Umgangsweisen mit der Natur, je nach der bisherigen familiären Erfahrung der einzelnen. Dies kann einen sehr wichtigen Lernprozeß in Gang bringen, der in der Familie so nicht möglich ist.

Der Kindergarten bietet ein weites Feld, im Tun praktische Erfahrungen zu sammeln für einen sorgsamen Umgang mit der Natur, z.B. unnötigen Abfall vermeiden und Abfall sammeln, natürliche Abfälle kompostieren, wo es geht, auch selbst anbauen, behutsam mit Tieren und Pflanzen umgehen.

Die kirchlichen Fachverbände bitten wir, Materialien für die Umwelterziehung im Kindergarten zu erarbeiten und zusammenzustellen und entsprechende Fortbildungsmaßnahmen anzubieten.

3. In den schulischen Lehrplänen hat Umwelterziehung in den verschiedenen Jahrgangsstufen und Schularten schon Aufnahme gefunden, muß jedoch noch intensiver zur Geltung kommen. Wir sehen hier gerade eine wichtige Aufgabe auch für die freien Schulen in katholischer Trägerschaft. Umwelterziehung in der Schule kann sich nicht nur auf die Fächer Biologie, Erdkunde oder Physik beschränken, sie kann auch nicht nur Wissensvermittlung sein, so wichtig dies auch ist. Umwelterziehung muß fächerübergreifend, gewissensbildend und handlungsorientiert sein. Umwelterziehung muß durchgehendes Unterrichtsprinzip werden, was selbstverständlich mit einschließt, daß jedes einzelne Unterrichtsfach im Rahmen seiner Möglichkeiten seinen Beitrag zu leisten hat. Und: Umwelterziehung braucht auch in der Schule Vorbilder.

Als eine wesentliche Aufgabe schulischer Umwelterziehung benennen beispielsweise die neu erarbeiteten Leitsätze für den Unterricht und die Erziehung nach gemeinsamen Grundsätzen der christlichen Bekenntnisse an Grund-, Haupt- und Sonderschulen in Bayern "bei den Schülern die Ehrfurcht vor der Schöpfung Gottes zu wecken und zum verantwortlichen Handeln zu erziehen".

Die Ehrfurcht vor der Schöpfung zu wecken ist insbesondere Auftrag des Religionsunterrichts. Dabei ist die enge Kooperation mit den anderen Fächern sehr wichtig, damit Schüler und Schülerinnen auch den Gesamtzusammenhang von Schöpfungsverantwortung, Umweltwissen und praktischem Naturschutz erkennen. Denn alle Fächer haben eigene Erkenntnisse und Aspekte zu Umwelt und Schöpfung beizutragen.

Im Religionsunterricht können auf der Grundlage der christlichen Schöpfungslehre grundlegende Anstöße für den rechten Umgang des Menschen mit seiner Mitwelt gegeben werden; hier ist der Ort für Gewissensbildung und umweltethische Impulse. In der inhaltlichen Gestaltung der Religionsbücher wie auch in der Aus- und Fortbildung der Religionslehrer muß dieses Anliegen zukünftig noch stärker zum Tragen kommen. Den Lehrern sollten entsprechende Handreichungen zur Verfügung gestellt werden.

In diesem Zusammenhang hat auch die berufliche Aus- und Weiterbildung eine wichtige Funktion. Eine große Zahl kirchlicher Träger sind in diesem Bereich tätig. Ihnen sollte es vor allem um die Abwägung zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Interessen und Notwendigkeiten gehen.

4. In der Jugendarbeit hat die Thematik "Umwelt" schon seit längerer Zeit einen hohen Stellenwert.

Jugendliche erleben Umweltprobleme oft als sehr bedrängend und für sie existentiell, vor allem im Blick auf ihre Zukunft. Viele von ihnen machen aus ihrer großen Betroffenheit heraus durch Aktionen und Diskussionen auf ihre Sicht der Umweltprobleme aufmerksam und wollen in ihren Anliegen von den Erwachsenen ernstgenommen werden. Die Pfarrgemeinde sollte für dieses Anliegen der Jugendlichen offen sein und es als einen wichtigen Beitrag für das pfarrliche Leben betrachten.

5. Auch in der Erwachsenenbildung hat die Thematik "Umwelt" einen hohen Stellenwert. Umwelterziehung geschieht dort meist in Seminaren und Vorträgen, weniger durch Aktionen. Gerade die kirchliche Erwachsenenbildung sollte verstärkt die Grundlagen unserer Schöpfungsverantwortung verdeutlichen, wie sie uns Christen in den Texten des AT und NT, in vielen Texten unserer kirchlichen Tradition, in kirchlichen Dokumenten von Päpsten, Bischöfen, Laiengremien und Verbänden dargelegt sind.

Die Erwachsenenbildung darf sich nicht alleine in der Wissensvermittlung erschöpfen. Ebenso wichtig sind Angebote der unmittelbaren Naturerfahrung (naturkundliche Wanderungen) und die Auseinandersetzung mit Umweltfragen, z.B. Besichtigung einer Müllverbrennungsanlage, eines Kraftwerkes oder eines landwirtschaftlichen Betriebes.

Erwachsenenbildung müßte insgesamt die Verbindung suchen zwischen konkret zur Lösung anstehenden Problemen, der Erörterung der politischen Möglichkeiten, ihrer Lösung, der dabei auftretenden Ziel- und Wertkonflikte und der theologischen Grundorientierung.

6. Umwelterziehung als Hinführung zur Schöpfungsverantwortung findet auch ein weites Feld in unseren Pfarrgemeinden. Grundlegende Impulse können liturgische Texte, Meditationen, Besinnungen wie auch alle Formen der Verkündigung geben.

Einen guten Zugang vermittelt die Deutung religiösen Brauchtums, das eng mit der Natur verbunden ist (z.B. Palmweihe, Kräuterweihe, Erntedankfest). Einen wesentlichen Beitrag leistet auch das umweltbewußte und umweltfreundliche Handeln. Durch einen "Umwelt-Tag" oder eine "Umweltwoche" können z.B. mit Vorträgen, Ausstellungen, Aktionen, der Blick auf unsere Schöpfungsverantwortung gelenkt und entsprechende Anregungen gegeben werden. Es ist ferner wichtig und könnte beispielgebend sein, wie Flächen in kirchlichem Eigentum gestaltet und gepflegt werden, wie in kirchlichen Einrichtungen Abfallvermeidung bzw. Abfallbeseitigung geschieht, wie dort Energieeinsparung praktiziert wird. In jeder Pfarrgemeinde, in jedem katholischen Verband sollte es Verantwortliche für die "Umweltfragen" geben, am besten eine(n) Umweltbeauftragte(n) oder einen Umweltausschuß des Pfarrgemeinderats.

Schlussbemerkung

Trotz aller unserer vielfältigen Bemühungen für den Schutz der Umwelt erleben wir immer wieder unser eigenes Versagen. Mutlosigkeit und Resignation möchten oft die Oberhand gewinnen. Als Christen sollten wir unser Tun getragen und gestützt sehen von der Hoffnung, die wir auch anderen vermitteln sollen. Christliche Hoffnung meint immer aktive Hoffnung, sie vertröstet nicht, sondern sie ist ein Impuls zur Mitgestaltung unserer Umwelt. Wir wissen uns dabei getragen vom Glauben, daß Gott die Schöpfung in seinen Händen hält. Der Glaube will uns Mut machen, die Spannung zwischen den großen Aufgaben der Bewahrung der Schöpfung und unserer kleinen Kraft auszuhalten.


Beschlossen vom Geschäftsführenden Ausschuß des Zentralkomitees der deutschen Katholiken am 6. April 1990