Donnerstag, 23. Mai 2019

Für eine Theologie der Beziehung

Hearing des ZdK zum Thema „Segensfeiern“

 

Am Freitag, dem 17. Mai 2019 fand auf Einladung der familienpolitischen Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Birgit Mock, in Köln ein Hearing zum Thema „Segensfeiern“ statt. Vorbereitet wurde die Veranstaltung von der gleichnamigen Arbeitsgruppe, die das ZdK im Januar 2019 unter Leitung der familienpolitischen Sprecherin eingesetzt hat.

Das Hearing war ein wichtiger Meilenstein in der Vorbereitung eines theologischen Argumentationstextes für die ZdK. Im Zentrum stand eine Theologie der Beziehung unter Einbindung des Segens für Paare, die derzeit von liturgischen Riten der Kirche ausgeschlossen sind. Die besonderen Fokusgruppen des Hearings waren die sog. „wiederverheiratet Geschiedenen“ und homosexuelle Partnerschaften.

„Als Katholikinnen und Katholiken erleben wir sowohl im ZdK als auch im privaten Umfeld lesbische und schwule Paare und Paare, die in einer zweiten Ehe verheiratet sind. Sie sehen sich mit der Frage konfrontiert, wie sie ihre Paarbeziehung mit ihrem Katholisch-Sein vereinbaren können. Und berührt sind von dieser Frage nicht nur die Paare selbst, sondern auch ihre Angehörigen. Gleichzeitig erleben wir Priester, auf die Paare zukommen mit der Bitte um Segen. Und wir erleben Bistümer, die in ihrer Ehe-Vorbereitung und Paar-Pastoral ihre Angebote für diese Paare öffnen. Nicht zuletzt erleben wir Katholikinnen und Katholiken als Angestellte der Kirche, die ihre Paarsituation nicht offenlegen, aus Sorge, ihren Arbeitsplatz zu verlieren“, so Birgit Mock. „Das ist für uns als ZdK Auftrag und Herausforderung zugleich. Wir wollen uns diesen Fragen stellen und theologisch herausarbeiten, wie wir Paarbeziehungen, die in Liebe, Würde, Selbstbestimmung und Fürsorge gelebt werden, (neu) wahrnehmen und uns auch von ihnen beschenken lassen können, wie Papst Franziskus schreibt. Für die moralische Bewertung von Sexualität sollte aus unserer Sicht die Qualität der Beziehung ein zentraler Ausgangspunkt sein. Wir wollen damit an Beratungen bei der Würzburger Synode anknüpfen, auf der in den 70er Jahren Sexualität bereits eine weitergehende Bewertung erfahren hat. Mit dem Gedanken der Polyvalenz von Sexualität, nach der Sexualität nicht nur lebensspendend, sondern auch identitätsstiftend und beziehungsstiftend sein kann, eröffnen sich neue Chancen für uns als Kirche. Wenn wir Sexualität über die Weitergabe des Lebens hinaus in diesen Wertigkeiten begreifen, können wir sie auch in Paarbeziehungen jenseits der Ehe von Mann und Frau verorten. Dann kann sich für Paare, die sich in Liebe und Treue verbunden sind und sich für die Zerbrechlichkeiten des gemeinsamen Weges Gottes Segen und Beistand wünschen, auch die Sehnsucht nach Segen erfüllen.“

Unter den 32 Teilnehmenden aus ZdK, katholischen Verbänden und Organisationen, Diözesanräten, pastoralen Arbeitsstellen, theologischer Wissenschaft und Initiativen war auch Dr. Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück und stellv. Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz (DBK). Ausgehend von einer Einführung in die bisherige Arbeit zu dieser Thematik im ZdK und persönlichen Lebenszeugnissen wurden acht Impulse aus Wissenschaft und pastoraler Praxis gehört, auf die abschließend Statements von Birgit Mock und Bischof Dr. Bode folgen.

Grundlagen dieser Arbeit sind die ZdK-Erklärung „Zwischen Lehre und Lebenswelt Brücken bauen – Familie und Kirche in der Welt von heute“ aus der Vollversammlung vom Mai 2015 sowie Impulse aus dem nachsynodalen apostolischen Schreiben „Amoris laetitia“ von Papst Franziskus vom März 2016