Mittwoch, 22. Mai 2013

ZdK- Präsident Alois Glück erwartet beim Katholikentag in Regensburg eine respektvolle und anregende Gesprächskultur

Alois Glück im Interview mit der Katholischen Nachrichten- Agentur (KNA)

 «Gepflegte Gesprächskultur, keine Harmonieveranstaltung» Was Alois Glück vom Katholikentag 2014 in Regensburg erwartet.

Von Christoph Renzikowski (KNA)

Traunstein (KNA) Noch ein Jahr bis zum Katholikentag 2014 in Regensburg. Im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur(KNA) spricht Alois Glück (73) über seine Erwartungen an das Christentreffen. Der einstige CSU-Spitzenpolitiker ist Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

 

KNA: Herr Glück, der nächste Katholikentag steht ganz im Zeichen des Brückenschlags. Brücken werden dort gebraucht, wo sich Gräben auftun. Welche sehen Sie da?

Glück: In unserer Gesellschaft und in unserer Kirche gibt es da viel zu tun. Die Spannungen und Polarisierungen in unserer Kirche sind nicht zu übersehen. Das ist einerseits unvermeidlich, wenn um den richtigen Weg gerungen wird. Es darf aber nicht zu wechselseitiger Ausgrenzung und Aburteilung kommen. Wir müssen eine Gesprächskultur pflegen, die den Respekt voreinander wahrt. Das soll in Regensburg ein zentrales Thema werden, das mir sehr wichtig ist.

 

KNA: Brücken verbinden getrennte Ufer. Sehen Sie für Regensburg ein Projekt, das zusammenbringen könnte, was bisher nicht zueinander gefunden hat?

Glück: So etwas muss wachsen. Wenn man das von oben organisieren würde, wäre das nicht fruchtbar. Bei der Behandlung kontroverser Themen kommt es darauf an, dass wirklich eine Bandbreite der Positionen, die in Kirche und Gesellschaft vertreten werden, präsent ist. Eine Harmonieveranstaltung wäre nicht anregend.

 

KNA: Gesellschaftspolitische Zeitansage ? Forum engagierten innerkirchlichen Streits. Katholikentage waren immer beides. Wird das auch in Regensburg so sein?

Glück: Brücken werden an vielen Orten gebraucht. Unsere Gesellschaft, ja ganz Europa driftet auseinander. Es ist höchste Zeit, endlich ernstzumachen mit Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit. Wir werden deutlich machen, dass mancher preisgünstige Konsum bei uns auf Kosten von Menschen in anderen Regionen dieser Welt geht, dass die Ausbeutung von Rohstoffen Lebensräume auch zerstört. Der Brückenschlag betrifft die Ökumene und darüber hinaus den Dialog zwischen Kulturen und Religionen. So werden wir selbstverständlich auch in Regensburg wieder ein Zentrum haben, in dem die Begegnung mit dem Islam eine besondere Rolle spielt.

 

KNA: Was wird anders sein als in Mannheim?

Glück: Regensburg und seine Umgebung sind anders geprägt als die Industrieregion am Rhein. Vor allem in den ländlichen Gebieten der Oberpfalz ist Volkskirche noch lebendig, das wird man auch beim Katholikentag spüren. Vielleicht sehen wir verstärkt traditionellere Formen der Frömmigkeit, wobei etwa der alte Brauch des Wallfahrens gerade wieder eine neue Blüte erlebt. Manche Fragestellungen ergeben sich unabhängig vom Ort.

 

KNA: Und welche bewährten Elemente werden bleiben?

Glück: Es wird wieder ein geistliches Zentrum geben. Es wird kleine Gesprächskreise geben zu Themen, bei denen Menschen eher den überschaubaren Raum suchen. Und es wird Großveranstaltungen geben, wobei wir da an räumliche Grenzen stoßen in Regensburg. Es wird Themenreihen geben, die mehr in den Bereich der Universität passen.

Und es wird natürlich auch Konzerte geben, die vor allem jüngeres Publikum anziehen. Regensburg soll auch wieder ein lebensbejahender Katholikentag werden und keine pessimistische oder gar ängstliche Veranstaltung. Die Zukunft der Kirche entscheidet sich an ihrer geistlichen Strahlkraft. Nur ein Bildungs- oder Sozialwerk zu sein, wäre zu wenig.

 

KNA: Wen würden Sie gern in Regensburg einmal treffen, ohne bisher die Gelegenheit dazu gehabt zu haben?

Glück (lacht): Natürlich fällt einem sofort Papst Franziskus ein, aber das ist natürlich völlig unrealistisch bei einem Katholikentag.

Ach? als besonders wertvoll erlebe ich bei solchen Gelegenheiten die Begegnung mit Menschen, die ein besonderes Charisma haben, die in schwierigen Situationen Außerordentliches leisten, etwa in Sozialprojekten. Oder die bei der Vermittlung des Glaubens ganz neue Wege gehen. Prominente kann ich auch woanders treffen.

 

Mit freundlicher Genehmigung der Katholischen Nachrichten- Agentur (KNA)