Sonntag, 2. Juni 2002

Erziehungspartner stärken - Wertschätzung der Erziehung fördern

Schutz der Kinder und Jugend geht über Gefahrenabwehr bei Computerspielen weit hinaus
Für eine Wertschätzung der Erziehungsarbeit und eine Stärkung der Erziehungspartner durch professionelle Hilfssysteme wirbt die Sprecherin für Soziale Fragen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Professorin Sylvia Kroll, mit Blick auf die morgen, Montag, den 3. Juni 2002 stattfindende Anhörung des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Vorlage des neuen Entwurfs zum Jugendschutzgesetz.

"Kinder- und Jugendschutz kann nicht ausschließlich durch Verbote in einem Jugendschutzgesetz gesichert werden, auch wenn die vorgesehenen Regelungen im Jugendmedienschutz in die richtige Richtung gehen, " so Kroll. Ausdrücklich unterstützt sie, dass für Kinder und Jugendliche der Zugang zu gewaltverherrlichenden Videos und Computerspielen versperrt werden soll.

Verlässliche Begleiter und Ansprechpartner

Erfolgreicher Kinder- und Jugendschutz und optimale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hingen entscheidend auch davon ab, dass diese im Prozess des Heranwachsens erwachsene Begleiter fänden, die sie bei der Suche nach Wegen selbstbestimmter Beteiligung als verlässliche Ansprechpartner unterstützten, so Kroll. "Eltern sind als Wegbegleiter ihrer Kinder in herausragender Weise gefordert. Sie müssen ihr Erziehungsrecht und ihre Erziehungspflicht in jedem Fall wahrnehmen, Grenzen setzen und Perspektiven aufzeigen."

Daneben sei im Prozess der Ablösung vom Elternhaus auch das Vorbild anderer Erwachsener unverzichtbar, um Jugendliche zu Verantwortungsbereitschaft, Verbindlichkeit und Entschiedenheit zu ermutigen. "Lehrer und Lehrerinnen können regelrecht zu Idolen Heranwachsender werden, wenn sie ihnen die Gewissheit vermitteln, dass sich das Erwachsenwerden lohnt und sie ihre Schüler spüren lassen, dass sie ihnen die Gestaltungsaufgabe des Lebens zutrauen," so die promovierte Kinder- und Jugendpsychologin.

Um das gewährleisten zu können, benötigten Erziehungspartner Anerkennung und Wertschätzung durch die Gesellschaft und Unterstützung bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsaufgaben. Um Kindern und Jugendlichen optimale Entwicklungsvoraussetzungen und eine "Kultur des Aufwachsens" zu sichern, sei es gleichermaßen wichtig, emotionale, soziale, geistige und materielle Voraussetzungen zu schaffen.

Verschärfte Selbstkontrolle und Alterskennzeichnung

Bezogen auf die umstrittenen Computerspiele teilt Kroll die Auffassung, die in der Begründung des neuen Entwurfs zum Jugendschutzgesetz zum Ausdruck kommt. In allzu vielen Fällen überschreiten die Hersteller solcher Spiele die Grenzen des guten Geschmacks. "Verschärfte Selbstkontrolle und allgemeine Alterskennzeichnung sind in jedem Falle wünschenswert," so Kroll. Für die Ausgestaltung neuer Kontrollinstanzen empfiehlt sie eine Orientierung an der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft. Weiter empfiehlt sie, in den Organen der Selbstkontrolle die Mitwirkung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen durch Entsendung von Fachleuten, unter anderem auch Psychologen, zu gewährleisten.

Suchtmittelprävention

Kroll warnt davor, den Kinder- und Jugendschutz auf die Frage der Mediennutzung zu verengen. Seit Erfurt spreche kaum noch jemand vom Drogenmissbrauch als Problem des Kinder- und Jugendschutzes. Tatsächlich sei aber der Konsum von Alkohol, Nikotin und harten Drogen für den Kinder- und Jugendschutz eine bleibende Herausforderung. Da gerade hier erwiesenermaßen das schlechte Vorbild der Eltern frühe Abhängigkeiten fördere, sei es in keinem Fall richtig, das Alter für den Konsum von Alkohol in der Öffentlichkeit herabzusetzen, auch wenn Kinder in Begleitung ihrer Eltern seien, so die ZdK-Sprecherin mit Blick auf einen Vorschlag, der in den vergangenen Monaten diskutiert, in den vorliegenden Gesetzentwurf erfreulicher Weise allerdings bislang nicht aufgenommen wurde.