Freitag, 24. Januar 2003

ZdK-Hauptausschuss zur Entwicklung des Irak-Konfliktes

Der Hauptausschuss des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) hat auf seiner Sitzung am Freitag, dem 24. Januar 2003, die folgende Erklärung zur Entwicklung des Irak-Konfliktes verabschiedet:

Viele Menschen überall in der Welt erfüllt in diesen Tagen eine große Sorge. Wird es zu einem Krieg gegen den Irak kommen oder nicht?

Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass das diktatorische Regime des Saddam Hussein nicht nur die Menschen im eigenen Land mit verbrecherischen Methoden unterdrückt, sondern auch nicht davor zurückschreckt, seine außenpolitischen Ziele mit militärischen Mitteln zu verfolgen und sich zu diesem Zweck in den Besitz von Massenvernichtungsmitteln zu setzen. Diese Politik stellt eine weltweite Bedrohung des Friedens dar. Mit vollem Recht haben daher die Vereinten Nationen scharfe politische Maßnahmen zur Eindämmung der Kriegsgefahr ergriffen und der irakischen Führung damit gedroht, notfalls militärische Mittel zum Einsatz zu bringen.

Auch eine solche Politik muss stets unter dem Grundsatz der Friedensbewahrung stehen. Jeder Krieg, auch der aufgezwungene und unvermeidliche Krieg, bedeutet Leid und Tod für Unschuldige. Der Einsatz militärischer Gewalt darf daher nur in jenem äußersten Fall erfolgen, dass auf keinem anderen Wege eine schwere Gefährdung des Weltfriedens oder des Friedens in einer Weltregion verhindert werden kann. Daher darf der Entschluss dazu auch nicht von einer einzelnen Macht, sondern er muss von den durch die UN-Satzung dafür vorgesehenen Repräsentanten der internationalen Gemeinschaft gefasst werden.

Die Notwendigkeit zum militärischen Handeln ist nach allem, was die internationale Öffentlichkeit weiß, nach unserer Überzeugung zur Zeit nicht erkennbar, auch wenn die Situation im Irak weiterhin äußerste Wachsamkeit verlangt und die glaubhafte Bereitschaft zum militärischen Handeln unmissverständlich erkennbar bleiben muss.

Es wäre eine verhängnisvolle Illusion anzunehmen, durch einen militärischen Schlag könnte die politische Situation im Irak grundlegend und dauerhaft verbessert werden. Die Erfahrungen der Geschichte machen genau das Gegenteil wahrscheinlich. Vor allem besteht die Gefahr, dass das Verhältnis des Westens zur muslimischen Welt schwer belastet wird.

Aus diesen Gründen unterstützen wir eindringlich die Erklärungen und Bemühungen des Heiligen Vaters, die auf den Erhalt des Friedens im Nahen und Mittleren Osten gerichtet sind. Wir appellieren an alle Verantwortlichen in der internationalen Politik, alles zu tun, damit jetzt der Friede, trotz seiner Gefährdung, bewahrt wird, und energische Schritte zu gehen, um zu einem stabilen und die Menschenwürde sichernden Frieden im Nahen und Mittleren Osten zu kommen.