Freitag, 12. Oktober 2001

ZdK-Präsident Meyer befürwortet entschlossenes Handeln gegen Terrorismus

Für entschlossenes Handeln gegen Terrorismus, verbundem mit einem nachhaltigen Einsatz gegen Armut und Unrecht in der Welt, hat sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, vor dem Hauptausschuss des ZdK ausgesprochen. Wörtlich führte Meyer aus:

„Die terroristischen Anschläge vom 11. September waren ein Angriff auf die Würde und das Leben jedes Menschen. Wer für sich das Recht in Anspruch nimmt, unschuldige und unbeteiligte Menschen anzugreifen und zu ermorden, um damit politisch oder religiös motivierte Ziele zu erreichen, greift die ganze Menschheit an. Darum ist entschlossenes Handeln mit allen dafür erforderlichen Mitteln einschließlich militärischer Gewalt nicht nur gerechtfertigt, sondern notwendig, um die Täter und die Verantwortlichen zu bestrafen und die Wiederholung solcher Verbrechen zu verhindern. Mit folgenlosen Gesten, die vor allem Ausdruck eigener Angst sind und im Grunde oft nur dazu dienen, uns selbst ein gutes Gewissen vorzutäuschen, werden wir der Herausforderung nicht gerecht.

Nach unserer christlichen Überzeugung muss jedoch alles Handeln dem Ziel untergeordnet sein, dem gerechten Frieden zu dienen. Es gibt keinen gerechten Frieden, so lange Menschen hungern und ihrer Rechte beraubt werden. Elend und Unrecht sind der Nährboden für Hass und Verblendung, die zu Terror und Krieg führen. Dies zu sagen, heißt nicht, Verbrechen zu rechtfertigen, sondern erinnert an unsere Verantwortung für den Zustand der Welt und das Existenzrecht aller Menschen. Es ist leider nur zu wahr, dass wir oft erst dann massenhaftes Elend und Unrecht zur Kenntnis nehmen, wenn es unser eigenes Wohlsein bedroht.

Wer dem gerechten Frieden dienen will, muss die Menschen und die Völker einen wollen. Diese Einheit erwächst nur aus der Gemeinsamkeit in der Vielfalt. Daher müssen wir die anderen Kulturen und Religionen achten. Wer jetzt den Islam für die Verbrechen der Terroristen verantwortlich macht und muslimische Mitbürger beleidigt oder angreift, trägt zu der Kluft bei, die jetzt die Welt zu spalten droht, und vergisst, dass auch das Christentum für Kriege und terroristische Akte missbraucht worden ist.

Der 11. September hat den Wandel der Welt und die Bedrohung der freiheitlichen Gesellschaft offenbart. Die technologische Entwicklung hat es möglich gemacht, dass ein Netzwerk von zu allem entschlossenen Tätern die moderne Welt massiv bedrohen kann. Dagegen sind unsere hochgerüsteten Militärsysteme ohne Wirkung. Wir müssen wieder lernen, dass Freiheit nicht die Summe persönlicher Bequemlichkeiten ist, sondern eine Ordnung gemeinsamer Verantwortung, die nur von unserem persönlichen Einsatz lebt und nur durch unseren persönlichen Einsatz geschätzt werden kann. Nicht die massenhafte Verwendung militärischer Technologien wird die Freiheit bewahren, sondern nur die Bereitschaft, dafür notfalls auch sein Leben einzusetzen."