Donnerstag, 23. Januar 2003

ZdK-Präsident Meyer besorgt über Mehrheitsvotum des Ethikrates zur begrenzten Zulassung von PID

Mit großer Sorge hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, am Donnerstag, dem 23. Januar 2003 das Mehrheitsvotum des Nationalen Ethikrates für eine begrenzte Zulassung der PID zur Kenntnis genommen. Zugleich dankte er den Mitgliedern des Ethikrates, die sich gegen eine begrenzte Zulassung der PID ausgesprochen haben.

Der ZdK-Präsident brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass es nach einem verantwortungsbewußten öffentlichen Diskurs zu einer parlamentarischen Entscheidung komme, die sich an dem geltenden Embryonenschutzgesetz orientiert und dabei am Verbot der PID festhält. Eine solche gesetzliche Entscheidung solle sich ausdrücklich auf die Empfehlungen der Enquetekommission „Recht und Ethik der modernen Medizin“ aus der vergangenen Legislaturperiode beziehen.

Meyer betonte in diesem Zusammenhang, es sei selbstverständlich, dass Eltern sich ein gesundes Kind wünschten. Dies dürfe jedoch nicht dazu führen, dass Embryonen, bei denen eine genetisch bedingte Erkrankung prognostiziert werde, vernichtet würden.

Eine große Gefahr besteht für den ZdK-Präsidenten darin, dass mit der Zulassung der PID - entgegen der erklärten Absicht der Befürworter einer solchen Zulassung - faktisch Tendenzen zur Selektion menschlichen Lebens Vorschub geleistet wird. Die Praxis in Ländern, in denen die PID zugelassen sei, zeige, dass es unrealistisch sei, eine Eingrenzung auf wenige Indikationen zu halten. Zu bedenken sei auch, dass das der PID vorhergehende Verfahren der Invitrofertilisation mit erheblichen körperlichen und psychischen Belastungen für die Frau, der die Eizellen entnommen würden, verbunden sei.

Nachdrücklich verwies Meyer darauf, dass die Befürworter einer bedingten Zulassung der PID nicht definieren, was unter einer schwerwiegenden genetischen Belastung der Eltern zu verstehen sei. Man wage es nicht, auf die Frage, wann eine solche Belastung vorliege, mit einer Liste der dafür in Frage kommenden Krankheiten zu antworten. Dies deute auf die Unmöglichkeit einer strikten Begrenzung von Fällen für die Zulassung von PID hin und mache deutlich, dass die Praxis eine erhebliche Ausweitung mit sich bringen würde.