Donnerstag, 16. Januar 2003

ZdK-Präsident begrüßt Note der Kongregation für die Glaubenslehre

Zu der “Lehrmäßigen Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben” der Kongregation für die Glaubenslehre erklärt Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), am Donnerstag, dem 16. Januar 2003:

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat die Lehrmäßige Note der Kongregation für die Glaubenslehre vom 16. Januar 2003 mit großer Aufmerksamkeit zur Kenntnis genommen und fühlt sich in seinem Wirken durch dieses Dokument ermutigt und bestätigt. Die Note bekräftigt und erläutert die Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils über den eigenverantwortlichen Dienst der Laien auf dem Boden des Glaubens und der Lehre der Kirche sowie in rechter Kenntnis der entsprechenden autonomen Sachverhalte. Wie das Konzil anerkennt die Note die sich daraus ergebende legitime Möglichkeit von Meinungsverschiedenheiten unter katholischen Laien in der Beurteilung und Ordnung irdischer Dinge.

Auch das ZdK sieht die Gefahr eines ethischen Pluralismus, der zwar keine Bedingung von Demokratie ist, wohl aber ein Faktum, das sich aus der Notwendigkeit der geistigen und gesellschaftlichen Freiheit ergibt. Um so mehr fühlen wir uns verpflichtet, in der geistigen Pluralität der freiheitlichen Demokratie jeder Gefahr einer ethischen Relativierung entgegenzutreten und im ständigen öffentlichen Wertediskurs katholische Positionen entschieden zu vertreten.

Der schlechthin unaufgebbare Grundsatz im gesellschaftlichen Engagement katholischer Christen ist, wie die Note mit Recht betont, das richtige Verständnis der Person, die Achtung vor ihrer Würde und der Schutz ihrer Rechte. Deshalb wird sich das ZdK weiterhin für den Schutz des Lebens einsetzen, der in der konkreten Gesellschaft auch tatsächlich wirksam ist, und für den Schutz und den Rang von Ehe und Familie. Es wird den Tendenzen zum Verbrauch von Embryonen für Zwecke der Therapie oder der Forschung weiterhin entschieden entgegentreten und sich unbeirrbar für die Achtung der Menschenwürde, die Bewahrung oder Wiederherstellung des Friedens sowie für die Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit engagieren. Besonders wichtig sind uns dabei die Freiheit der Eltern in der Erziehung, der Schutz - insbesondere von Kindern und Frauen - vor modernen Formen der Sklaverei, die Eindämmung der aktuellen Kriegsgefahr und die Entwicklung einer internationalen Wirtschaftsordnung, die den Armen der Welt eine faire Chance gibt.

In diesem Zusammenhang sind wir wirklich froh darüber, dass die Note jedem privatistischen Verständnis christlicher Existenz eine klare Absage erteilt, den Öffentlichkeitsanspruch des christlichen Glaubens unterstreicht und sich deutlich gegen die heute übliche Fixierung auf individualistische Selbstverwirklichung und persönlichen Erfolg als einzige Antriebskräfte der gesellschaftlichen Entwicklung wendet.

Das ZdK unterstreicht den aktuellen Wert der in der Note getroffenen Unterscheidung zwischen einer Laizität, die einerseits die religiöse und die politische Sphäre nicht vermischt, zugleich aber am Recht und der Pflicht der Katholiken festhält, bei ihrem öffentlichen Handeln von den Werten und Wahrheiten des christlichen Glaubens auszugehen, und einem intoleranten Laizismus, der die religiösen Überzeugungen und ethischen Positionen der Christen aus der öffentlichen Entscheidungsfindung ausgrenzen will. Für die gegenwärtigen Debatten über das zukünftige Gesicht Europas ist diese Feststellung von besonderem Wert.
Das ZdK ist sich der Notwendigkeit bewusst, sich ständig um die Einbringung katholischer Werte in das kulturelle Leben zu mühen, um so die Gefahr einer kulturellen Diaspora der Katholiken zu vermeiden.

In unserer gegenwärtigen Gesellschaft ist das Verhältnis von Wahrheit und Freiheit von zentraler Bedeutung. In unserem Denken und Handeln sind wir uns stets dessen bewusst, dass es die Wahrheit Gottes ist, die wirkliche Freiheit schenkt, dass jedoch die Menschen nur dann zu dieser Freiheit gelangen, wenn sie sich frei für den Glauben entscheiden. Deshalb ist die Feststellung der Note wichtig, dass die Religions- und Gewissensfreiheit nicht aus der Relativierung der Überzeugungen von der rechten Wahrheit folgt, sondern aus der Achtung vor der ontologischen Würde der menschlichen Person.

Aus allen diesen Gründen ist die Note ein hilfreicher Beitrag zur öffentlichen Wertedebatte.