Mittwoch, 19. September 2001

ZdK-Präsident warnt vor pauschaler Verurteilung muslimischer Mitbürger

In einem Brief an den Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Dr. Nadeem Elyas, hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, seiner Besorgnis über die nach den furchtbaren Terroranschlägen in den USA zunehmenden feindlichen Reaktionen gegenüber Muslimen in Deutschland Ausdruck gegeben.

Er erinnerte daran, dass führende islamische Verbände in Deutschland zusammen mit Vertretern der christlichen und jüdischen Religionsgemeinschaften eindeutig ihr Entsetzen und ihre Abscheu über diese menschenverachtenden und grausamen Taten geäußert haben.

„ Es darf jetzt nicht zu einer pauschalen Verurteilung muslimischer und arabischer Menschen in der Bundesrepublik Deutschland kommen," forderte Meyer wörtlich.

In der jetzigen Situation gelte es vielmehr, der Versuchung des Hasses und der Gewalt zu widerstehen. Statt Gräben des Hasses auszuheben, sei von allen Seiten Besonnenheit und Dialogbereitschaft erforderlich. Dabei dürfe die Grenzziehung nicht zwischen den drei monotheistischen Religionen verlaufen, sondern zwischen dem Respekt vor der unbedingten Würde des menschlichen Lebens und einem politisch motivierten Fundamentalismus, der sich der Religion bediene. „ Wir wissen," so der ZdK-Präsident, „dass die Muslime in ihrer übergroßen Mehrheit diese schrecklichen Terrorakte nicht befürworten."

Meyer ermutigte den Zentralrat der Muslime in Deutschland dazu, den eingeschlagenen Weg der Öffnung und der Transparenz fortzusetzen. Er begrüßte deshalb die Initiative des Zentralrates der Muslime, in den rund 1500 muslimischen Gemeinden in Deutschland zu einem "Tag der offenen Moschee" Muslime und Nicht-Muslime zum gemeinsamen Gebet einzuladen und dabei auch die Predigt auf deutsch zu halten. Dadurch könnten Vertrauen wachsen und Ängste abgebaut werden.

„Der Dialog auf der Ebene der drei monotheistischen Religionen ist heute wichtiger denn je. Insofern werden die furchtbaren Ereignisse vom 11. September mit Sicherheit auf die Beziehungen zwischen unseren Religionen und die weitere Entwicklung des interreligiösen Dialoges spürbare Auswirkungen haben," schloss Meyer seinen Brief.