Freitag, 14. Juni 2002

ZdK-Präsident zur Debatte über Antisemitismus in Deutschland

Die in den letzten Wochen in Deutschland über Antisemitismus geführte Debatte hat nach Auffassung des Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, dem Anliegen, sich mit dem widerwärtigen Antisemitismus wirkungsvoll auseinanderzusetzen, nicht gedient. Sie sei vielmehr bestimmt gewesen von Profilneurose, Wahlkampfgetöse, Medienhysterie und mangelndem Willen zur differenzierten Argumentation.

Vor dem Hauptausschuss des ZdK, am Freitag, dem 14. Juni 2002, dankte Meyer dem Gesprächskreis Juden und Christen beim ZdK für die Erstellung der Broschüre über Auschwitz, die Ende vergangenen Monats in Berlin vorgestellt wurde. Diese füge sich ein in die jahrzehntelange beharrliche Arbeit der christlichen Kirchen in Deutschland, die wesentlich zu einem soliden Fundament für ein gutes Verhältnis zwischen Juden und Christen beigetragen habe.

Vor diesem Hintergrund brachte der ZdK-Präsident sein Erstaunen darüber zum Ausdruck, dass der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, es für richtig hielt, die christlichen Kirchen zu einer erneuten Stellungnahme gegen den Antisemitismus aufzufordern. Er teile die Auffassung von Kardinal Lehmann, dass die kürzlich geführte Debatte hierzu keine gute Gelegenheit gewesen sei.

In diesem Zusammenhang appellierte Meyer erneut dringlich an die Konfliktparteien im Nahen Osten, nicht nur die eigene Rechtsposition, sondern auch die vitalen Interessen des anderen zu sehen, dessen Geschichte verstehen zu wollen und in einer solchen Haltung den Weg der Verständigung und des Friedens zu gehen.

Meyer erinnerte daran, dass das ZdK für die sichere Existenz des Staates Israels eintrete und auch das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat anerkenne. Erneut verurteilte er aufs Schärfste alle Handlungen und Äußerungen von Antisemitismus sowie alle Angriffe auf muslimische Mitbürger und ihre Einrichtungen.

So sehr es das Recht von Bürgern eines freien Landes sei, die Politik und die Repräsentanten der israelischen und palästinensischen Führungen zu kritisieren, so sehr müsse gerade bei Debatten in Deutschland besondere Sorgfalt und Rücksicht bei der Wahl der Worte und Vergleiche walten, damit diese nicht missdeutet werden könnten.