Freitag, 14. Juni 2002

ZdK-Sprecherin für Umweltpolitik Nickels: Überwindung der Armut sollte in Johannesburg vorrangig behandelt werden

Überwindung der Armut und Klimaschutz sollten auf der bevorstehenden UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg vom 26. August bis zum 4. September diesen Jahres vorrangig behandelt werden. Dies forderte die ZdK-Sprecherin des Sachbereichs 8 "Umwelt und Technik" Christa Nickels vor dem Hauptausschuss des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) am Freitag, dem 14.06.2002 in Bonn. Darüber hinaus sollten die Ermöglichung und die Stärkung zivilgesellschaftlichen Engagements sowie die Überwindung des einseitig aus wirtschaftlichen Interessen bestimmten Menschen- und Weltbildes als Themen auf dem Gipfel behandelt werden.

Auch zehn Jahre nach der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro stünde die Menschheit an einem entscheidenden Punkt ihrer Geschichte, betonte Nickels. So seien besorgniserregende Trends, die bereits vor zehn Jahren Auslöser der Rio-Konferenz waren, nach wie vor aktuell. Die alarmierenden Berichte aus dem südlichen Afrika, wonach mehr als zwölf Millionen Menschen vom Hunger bedroht sind, machten deutlich, dass jenes in der "Rio-Agenda 21" anvisierte Ziel, alle Menschen in die Lage zu versetzen, ihre Existenz nachhaltig zu sichern, noch längst nicht erreicht worden ist.
Trotz aller Ernüchterung bestünde aber kein Grund zur Resignation. Die Erfolge mit den lokalen "Agenda 21"-Projekten "stimmten zuversichtlich und motivierten uns", so Nickels in Bonn, an der Verwirklichung der in Rio vor zehn Jahren entworfenen Vision konstruktiv weiterzuarbeiten.

Mit Blick auf die Konferenz in Johannesburg betonte die Sprecherin, dass das in Rio angestrebte Ziel, alle Menschen in die Lage zu versetzen, ihre Existenz nachhaltig zu sichern, nur erreicht werden könne, wenn im Rahmen der Globalisierung diesen Ländern eine gerechte Teilnahme am wirtschaftlichen Handeln der Industrieländer ermöglicht wird. Dazu gehöre auch der Abbau von Subventionen auf Wirtschaftsgüter insbesondere auf Agrarprodukte in den Industrieländern und die Öffnung ihrer Märkte. Dies ließe sich laut Nickels jedoch nur dann erreichen, wenn die Industriestaaten endlich ihre vor mehr als dreißig Jahren eingegangenen Selbstverpflichtung umsetzen würden, 0,7 Prozent ihres Bruttosozialproduktes für die Entwicklungszusammenarbeit bereit zu stellen und wenn in den Entwicklungsländern rechtsstaatliche Verhältnisse verwirklicht würden.

Um das im Bereich des Klimaschutzes anvisierte Ziel zu erreichen, den CO2-Ausstoß der Industrieländer um 5,2 Prozent im Vergleich zum Jahre 1990 zu senken, bedürfe es der Verständigung über die Finanzierung dieses Ziels, damit es zu einer schnellen Ratifizierung und Umsetzung des Kyoto-Protokolls komme. Darüber hinaus würde eine globale Nachhaltigkeitsstrategie nur dann die Deklarationen und Programme in konkretes Handeln umwandeln, wenn es den Staaten auf der Konferenz in Johannesburg gelinge, zivilgesellschaftliches Engagement in Familien, Kleingruppen und auf kommunalen Ebenen nicht nur zu fordern, sondern auch zu fördern.

Von den Teilnehmerstaaten des Gipfels verlangte Nickels schließlich, das einseitig aus wirtschaftlichen Interessen bestimmte Menschen- und Weltbild zu überwinden. Mit der Reduzierung des Menschen auf die Kategorien "Leistung und Erfolg" ginge einher, dass das vorherrschende Weltbild zunehmend von den Naturwissenschaften bestimmt werde, und die Erkenntnisse der Geisteswissenschaften immer weniger berücksichtigt würden. Die immer noch zunehmende wirtschaftliche Ungleichheit zwischen den Völkern und innerhalb von Völkern, eine in vielen Ländern immer größer werdende Armut sowie eine fortschreitende Schädigung der Ökosysteme forderten ganz besonders den Einsatz der geistigen und kulturellen Ressourcen der Menschheit.

Nickels zeigte sich zuversichtlich, dass trotz aller Schwierigkeiten die Konferenz in Johannesburg Grund zur Hoffnung gebe. Die in Rio gesteckten Ziele könnten erreicht werden, wenn es gelinge, die Beschlüsse des "Rio+10"-Prozesses konsequent in die Tat umzusetzen.