Samstag, 2. Oktober 2021

Zweite Synodalversammlung des Synodalen Weges in Frankfurt am Main beendet

„Synodalität – Zusammenarbeit ist möglich“
Zweite Synodalversammlung des Synodalen Weges in Frankfurt am Main beendet

Die zweite Synodalversammlung des Synodalen Weges der katholischen Kirche in Deutschland ist heute (2. Oktober 2021) zu Ende gegangen. Während der dreitägigen Veranstaltung wurden neben zwei Texten des Präsidiums des Synodalen Weges insgesamt zwölf von 16 Texten aus den vier Synodalforen diskutiert und abgestimmt, um sie in den Synodalforen für die nächste Lesung fortzuschreiben. Einen Schwerpunkt bildeten auch Fragen der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen im Bereich der katholischen Kirche und die Einrichtung einer Verwaltungsgerichtsbarkeit. Während der Synodalversammlung hatten drei der rund 20 internationalen Beobachterinnen und Beobachter das Wort ergriffen.

Die Abstimmungsergebnisse der Texte zeigen, dass die Synodalen kontinuierlich und mit Engagement an den Texten weiterarbeiten wollen, die zur ersten Lesung in die Synodalversammlung gegeben worden sind, so das Präsidium des Synodalen Weges. „Einzelne Änderungsantrage gingen im Schnitt mit Zweidrittelmehrheiten durch. Die zwölf Schlussabstimmungen der Versammlung darüber, die Texte insgesamt zur Weiterarbeit zu empfehlen, hatten eine Zustimmung zwischen 76 und 92 Prozent.“ Längere, engagierte Debatten gab es insbesondere zu den Fragen, wie Synodalität nachhaltig zu stärken sei und wie das priesterliche Leben heute für morgen neu bestimmt werden könne.

„Wir üben die Synodalität ein, die der Papst als konstitutiv für die Kirche bezeichnet“, so der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Präsident des Synodalen Weges, Prof. Dr. Thomas Sternberg. „Ich bin mit großen Bedenken nach Frankfurt am Main gefahren, aufgrund der unterschiedlichen Positionen von Synodalen und der Menge von Beratungsgegenständen. Aber: Frankfurt II hat gezeigt: Synodalität – Zusammenarbeit ist möglich. Es waren faire Debatten und konstruktive Auseinandersetzungen. Ich bin froh, dass wir eine ruhige Darstellung auch von kontroversen Positionen erlebt haben“, so Prof. Sternberg.

Bischof Dr. Georg Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Präsident des Synodalen Weges, betonte: „Es sind Texte debattiert worden, die nicht nur Texte sind, sondern in Worte gefasste Träume, wie wir die Kirche in Deutschland verändern wollen: eine Kirche, die partizipativ, geschlechtergerecht und mit den Menschen auf dem Weg ist. Hier haben wir gezeigt, dass wir in ruhiger Arbeit und in guter und sachlicher Auseinandersetzung einander zuhören. Hier in Frankfurt sind Texte verbessert worden. Nun haben die Foren den Auftrag, die Vorlagen so weiterzuentwickeln, dass sie beim nächsten Mal zur Verabschiedung beschlussfähig sind.“ Jetzt gehe es mit großen Schritten weiter. „Die Foren haben die Aufträge, weiter zu arbeiten. Wir warten auf die Inhalte, die in der dritten Synodalversammlung eingebracht werden und wir ahnen: Wir brauchen noch ein gutes Stück Zeit“, so Bischof Bätzing.

Bischof Dr. Franz-Josef Bode, Bischof von Osnabrück und Vizepräsident des Synodalen Weges, betonte die faire und konstruktive Atmosphäre des Ringens um wichtige Zukunftsfragen der Kirche. „Diese zweite Synodalversammlung ist ein entscheidender Schritt für die wachsende Synodalität. Wir haben Richtungsentscheidungen gefällt, die auch in den weltweiten Synodalen Weg einzubringen sind. Deshalb hoffe ich sehr auf einen baldigen realen Dialog mit den synodalen Institutionen in Rom und auch mit dem Papst. Der gute Geist der ersten Synodalversammlung in Frankfurt weht kräftig weiter.“ Bischof Bode fügte hinzu: „Besonders intensiv und eindrucksvoll war, wie wir über die Vorlage ‚Leben in gelingenden Beziehungen‘ beraten und abgestimmt haben. Wir haben in aller Offenheit und auch Kontroverse gesprochen und miteinander gerungen. Inhaltlich haben wir damit sehr wichtige Weichen gestellt: Der Text würdigt Sexualität als positive Kraft und erkennt an, dass alle Menschen in ihrer Sexualität von Gott geschaffen und geliebt sind; Sexualität und Identität gehören zusammen. Die Konsequenz aus dieser Grundlegung ist, dass wir das Forum beauftragen, den Weg weiter zu gehen, der zu einer Weiterentwicklung der Sexualmoral führt. Damit haben wir auch damit begonnen, ins Wort zu bringen, dass in der Vergangenheit unsere Position Menschen verletzt hat.“

Die Vizepräsidentin des ZdK und des Synodalen Weges, Karin Kortmann, erklärte zum Ende der Synodalversammlung: „Die Beratungen und Beschlüsse der Synodalversammlung haben uns viel Gepäck für die Zukunft mitgegeben. Der ehrliche Umgang der Synodalen miteinander und die sehr guten inhaltlichen Vorlagen aus den Foren sind dafür ein gutes Fundament. Die synodale Weggemeinschaft wägt verantwortlich die hohen Erwartungen an strukturelle Veränderungen im Konzert des weltkirchlichen Miteinanders ab. So können wir auch selbstbewusst unsere Anliegen in die Beratungen der von Papst Franziskus einberufenen Bischofssynode zum Synodalen Weg einbringen“, so Karin Kortmann.

Das Präsidium des Synodalen Weges zeigte sich erleichtert, dass die Synodalversammlung in Präsenz durchgeführt werden konnte. „Wir sind allen Beteiligten dankbar, gerade auch in den Foren, die viel geleistet haben.“ Das zentrale Ziel sei in Frankfurt erreicht worden: mit den vorliegenden Forentexten einen guten Schritt weiterzukommen. Das Präsidium fügte hinzu: „Synodale Wege gibt es in mehreren Ländern. Wir sind dankbar für die Präsenz der 20 Beobachterinnen und Beobachter aus der Ökumene und dem internationalen Kontext. Der Synodale Weg in Deutschland steht in der Tradition der synodalen Prozesse, wie wir sie seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil intensiv kennen. In Deutschland erinnert der Synodale Weg mittelbar an die Würzburger Synode und die Dresdner Pastoralsynode in den 1970er Jahren. Es geht darum, die katholische Lehre und das kirchliche Leben in der Gegenwart präsent zu halten.“

Gemeinsam warnte das Präsidium des Synodalen Weges vor überzogenen Erwartungen an den Reformprozess. „Auch wenn am Ende des Synodalen Weges eine Reihe von Reformen stehen sollten, werden damit nicht automatisch Kirchenaustritte gestoppt und Glaubenskrisen beendet. Aber ohne den Synodalen Weg und seinen Versuch, eine Erneuerung zu schaffen, wird es für viele Katholikinnen und Katholiken auf Dauer schwer. Sie werden kritisch auf die Missbrauchs-Problematik angesprochen. Sie werden nach Ursachen und Lösungswegen gefragt. Für viele verbindet sich die Glaubwürdigkeit der Kirche mit ihrer persönlichen Glaubwürdigkeit als Katholikinnen und Katholiken. Eine geschwisterliche, synodale Kirche ist deshalb eine Vision des Synodalen Weges. Alle Fragen, die auf dem Synodalen Weg angesprochen werden, haben mit der Dimension des Glaubens zu tun. Es geht also letztlich um die Existenz der Kirche. Deshalb ist der Synodale Weg nicht irgendeine Veranstaltung, sondern ein für die Kirche existentielles Geschehen aus dem Glauben des Gottesvolkes heraus.“

Das Präsidium bedauerte zum Abschluss der Beratungen, dass am Samstagnachmittag nicht alle Texte bearbeitet werden konnten, weil die Zeit zu knapp wurde und am Ende die Beschlussfähigkeit der Synodalversammlung nicht mehr gegeben war. Angesichts der Erfahrungen der zweiten Synodalversammlung und der Erkenntnis, dass die Abstimmungsprozesse Zeit brauchen, hat das Präsidium des Synodalen Weges den Vorschlag eingebracht, im Frühjahr 2023 eine fünfte Synodalversammlung zum Abschluss aller Beratungen durchzuführen. Damit werden sich das ZdK und die Deutsche Bischofskonferenz auf ihren nächsten Sitzungen befassen.

Hinweise:

Redetexte während der Synodalversammlung finden Sie ebenso wie kostenfreies Bildmaterial unter www.synodalerweg.de. Hier sind auch die Grundlagen- und Handlungstexte aller vier Foren bereitgestellt mit den Änderungsanträgen, die während der Synodalversammlung verhandelt wurden. In den Dateien finden Sie auch die Abstimmungsergebnisse.


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