Freitag, 21. November 2008

Bericht zur Lage (Prof. Dr. Hans Joachim Meyer)

Vollversammlung des ZdK am 21./22. November 2008
Die Finanzkrise und unser geistiger und politischer Auftrag

Selten hat sich die politische und wirtschaftliche Situation in der Zeit zwischen zwei Vollversammlungen des ZdK so tiefgreifend verändert, wie wir dies in den letzten Wochen erlebt haben. Die Krise auf dem Finanzmarkt hat Grundannahmen, welche in den knapp zwei Jahrzehnten seit der revolutionären Wende von 1989 das öffentlich maßgebliche Denken zunehmend beherrschten, radikal in Frage gestellt. Und was waren das für Grundannahmen: Die Globalisierung galt als ein unaufhaltsamer Selbstläufer, der sich jeder gestalterischen Einflussnahme entzieht. Sein geschichtliches Pendant, die Individualisierung, würde immer weiter voranschreiten und mithin auch jede Art von überindividueller und gemeinschaftsstiftender Identität entwerten. Eine andere Sprache als Englisch hätte künftig allenfalls noch im Familienleben eine gewisse Bedeutung. Der Staat müsse sich auf seine Kernaufgaben zurücknehmen (was das auch immer heißen mag). Jedenfalls solle sich der Staat aus dem Bildungswesen und aus dem kulturellen Leben zurückziehen und jede Art von Fürsorge und Lebenssicherung dem freien Wettbewerb überlassen. Bildung und Forschung würden am besten als Markt organisiert. Auch jede Art von öffentlicher Infrastruktur gehöre in die Hand der Privatwirtschaft. Deregulierung war die Losung des Tages. Denn alles, was dem freien Spiel der Marktkräfte entgegensteht, sei von Übel. Der einzige Maßstab wirtschaftlichen Handelns könne nur der höchstmögliche Gewinn in kürzester Frist sein. Dafür brauche es den flexiblen und unbegrenzt mobilen Menschen, weltweit einsetzbar und nirgendwo zu Hause. Und falls mit ethischen Grundsätzen, dann mit solchen, die sich rechnen.
Das war nicht mehr der freie Westen, der im Wettstreit der Systeme erfolgreich gewesen war. Denn dieser Erfolg beruhte ja nicht auf dem Versprechen grenzenloser Freiheit, sondern auf der erfolgreich praktizierten Einsicht, dass Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität zusammengehören, damit eine Gesellschaft menschenwürdig ist. Diese Einsicht des Westens verdankte sich den bösen Erfahrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und es waren Einsichten, die sich praktisch bewährten. Der Kommunismus scheiterte, weil die Menschen, denen er eine klassenlose Gesellschaft versprochen hatte, sahen, dass die freiheitliche Gesellschaft nicht nur wirtschaftlich erfolgreicher war, sondern auch mehr Gerechtigkeit und Solidarität bot, als sie unter kommunistischen Herrschaftsbedingungen je erhoffen konnten. Allerdings verlor diese Wahrheit bald immer mehr an Einfluss. An ihre Stelle trat der Anspruch auf grenzenlose Marktherrschaft, unterstützt von postmoderner Wahrheitsrelativierung und modischer Verachtung von Staat und Politik. Die Geschichte war angeblich an ihr Ende gekommen; es gäbe keine gesellschaftlichen Perspektiven mehr, für die Menschen sich gemeinsam einsetzen können.

Wir im ZdK haben solchen Meinungen und Ansprüchen beharrlich widersprochen. Wir haben dabei die Reformbedürftigkeit des Sozialstaats nicht geleugnet, aber wir haben konkret und sachlich darüber nachgedacht, wie dieser den neuen Herausforderungen entsprechen kann. Wir haben uns auch nicht zu einer realitätsfremden Verdammung der Globalisierung verführen lassen, sondern ernst zu nehmende Vorschläge erarbeitet, wie die internationalen Finanzmärkte gerechter zu gestalten sind. Dazu bedarf es eines ordnungspolitischen Rahmens als Ausdruck sozialer Verantwortung und des verantwortlichen Handelns der Akteure. Wir haben Modelle vorgestellt, wie Ökologie und Ökonomie zusammengeführt werden können. Wir treten dafür ein, das ethische Investment auszuweiten – und zwar durch private wie durch öffentliche Anleger. Dafür bietet die gegenwärtige Krise auch eine Chance. Wir haben Tendenzen zu einer Ökonomisierung von Bildung und ihrer Reduktion auf Ausbildung kritisiert. Wir haben vor allem immer wieder vor der Gefahr gewarnt, dass unsere Gesellschaft in Reiche und Arme zerfällt und eine wachsende Zahl von Menschen aus dem gesellschaftlichen Leben ausgegrenzt wird.

Sich dieser Entwicklung entgegenzustellen und sie umzukehren, ist ein Projekt, das Mut braucht und Mut macht. Rufen wir alle Katholiken auf, sich für Gerechtigkeit und Solidarität einzusetzen – in ihrer Pfarrei und in ihrer Kommune, am Arbeitsplatz und in ihrem persönlichen Umfeld, in unseren katholischen Verbänden, in Gewerkschaften und in demokratischen Parteien. Wir alle müssen mehr Verantwortung übernehmen für das, was in unserer Gesellschaft geschieht und wohin sie sich bewegt!

Unser Einsatz für die freiheitliche Demokratie und die soziale Marktwirtschaft

In diesem Sinne werden wir uns auch in Zukunft in der öffentlichen Debatte engagieren. Zugleich werden wir jenen widersprechen, die aus der gegenwärtigen Krise die falschen Schlussfolgerungen ziehen. Es ist wahr: Wettbewerb und Konkurrenz brauchen den klaren Rahmen verbindlicher Normen und fester Strukturen. Dafür zu sorgen, ist die Aufgabe demokratischer Politik. Aber unsere Orientierungsgröße bleibt die soziale und ökologische Marktwirtschaft. Nichts deutet darauf hin, dass die Übernahme wirtschaftlicher Aufgaben durch den Staat ein Gewinn wäre. Wir treten auch weiterhin jenen entgegen, die aus der gegenwärtigen Krise sozialdemagogisches Kapitel schlagen wollen, in dem sie die Notwendigkeit leugnen, den Sozialstaat zu erneuern, damit dieser leistungsfähig bleibt.

Was mir allerdings notwendig erscheint, ist eine andere Sicht unseres Staates, der ja, nach den Erwartungen vieler, nun die Dinge wieder richten soll. Dieser Staat ist eine freiheitliche Demokratie. In der öffentlichen und vor allem in der veröffentlichten Meinung wird er weithin behandelt wie ein finsterer Schurke, der auf nichts anderes sinnt als darauf, die Freiheit seiner Bürger einzuschränken. In der bundesdeutschen Gesellschaft gehört es zum guten Ton, nicht viel vom Staat zu halten – auf der linken wie auf der rechten Seite des Meinungsspektrums. Die einen sehen ihn voller Misstrauen, was sie allerdings nicht daran hindert, ihn mit Ansprüchen und Forderungen zu überhäufen; die anderen meinen, Leute ihres Standes brauchten den Staat eigentlich nicht. Populär ist die geschichtliche Legende, es gäbe die Gefahr eines schleichenden Übergangs von der Demokratie zur Diktatur. Die Geschichte der Weimarer Republik zeigt etwas ganz anderes. Eine Demokratie scheitert, weil sie nicht handlungsfähig ist und weil sie sich nicht gegen ihre Feinde wehrt. Sie scheitert, weil sich ihre Bürger nicht zu ihr bekennen, sondern sie schmähen und verachten. Und wenn die Demokratie scheitert, dann tritt an ihre Stelle eine Diktatur. Die alte bundesdeutsche Gesellschaft hat so lange in Wohlstand und in von anderen garantierter Sicherheit gelebt, dass viele vergessen haben, was die wichtigste Bedingung jeder Art von individueller Freiheit ist. Die wichtigste Bedingung ihrer Freiheit ist die gemeinsame Freiheit, genauer gesagt der Staat, der eine gemeinsame Freiheitsordnung ist. Wer seine persönliche Freiheit gegen die freiheitliche Demokratie und deren Bestand in einen Gegensatz setzt, der zerstört die einzige Garantie, die es in dieser Welt für seine Freiheit geben kann.

Eingedenk dieser geschichtlichen Erfahrung ist 1949 das Grundgesetz formuliert worden. Sein Fundament sind die Grundrechte, die, wie jeder nachlesen kann, stets beides sind: Individualrechte und Grundpfeiler unserer freiheitlichen Demokratie. Für das Grundgesetz gibt es keine Freiheitsrechte außerhalb der gemeinsamen Freiheitsordnung. So ist jedes einzelne Grundrecht formuliert; so ist es in Artikel 18 noch einmal generell festgehalten. Im vorherrschenden Verständnis sind daraus jedoch allein Abwehrrechte gegen den Staat geworden, also fast so etwas wie eine Charta des unbeschränkten Individualismus. Wenn der Staat der freiheitlichen Demokratie keine Achtung mehr genießt, dann darf man auch seine Symbole in den Dreck ziehen. Jedenfalls war das offenbar die Auffassung von Bundesverfassungsrichtern, als sie das Urteil des Landgerichts Köln gegen einen NPD-Funktionär aufhoben, der die Fahne der deutschen Republik als "schwarz-rot-senf" geschmäht hatte. Das war schon die Sprache der Feinde der Weimarer Demokratie und der Nazis gewesen. Was mich am meisten schockiert, ist die Tatsache, dass dieser Vorgang in der deutschen Öffentlichkeit nur auf wenig Kritik gestoßen ist. Können wir ernsthaft glauben, ein Staat, den man anspucken darf, wäre in der Lage, einer mächtigen Wirtschaft Regeln für den Wettbewerb vorzugeben und wirkungsvoll für soziale Gerechtigkeit zu sorgen? Demokratie ist mehr als interessegeleitete Partizipation. Demokratie lebt von der Verantwortung aller für das Gemeinwohl.

Zum deutschen Engagement in Afghanistan

Eine doppelte Herausforderung unserer Demokratie ist das Engagement der Bundesrepublik in Afghanistan, damit dieses Land nicht wieder zur Operationsbasis islamistischer Terroristen wird in ihrem Kampf gegen den freiheitlichen Westen. Das übergeordnete Ziel muss es sein, den Menschen in diesem Land ein menschenwürdiges Leben und die dafür notwendige wirtschaftliche Grundlage zu sichern. Das erfordert Augenmaß für das real Mögliche und Respekt vor dem, was die Menschen dort selbst für richtig halten. Dieses Ziel ist nicht zu erreichen ohne militärischen Einsatz gegen die Taliban, die in Afghanistan erneut ihre Herrschaft errichten wollen. Es ist ein Krieg gegen den Terror. Und wer in diesem Krieg fällt, gibt sein Leben für die Menschen in Afghanistan und für unsere Freiheit. Viele im Land bezweifeln jedoch ganz generell den Sinn des militärischen Einsatzes der Bundesrepublik. Das ist für eine Demokratie eine ernste Sache. Darum ist es dringend notwendig, dass alle, die diesen Einsatz beschlossen haben, so einmütig wie möglich den deutschen Bürgerinnen und Bürger sagen, was unser politisches Ziel in Afghanistan ist und wie dieses in der Realität erreicht werden kann. Und sie müssen dazu stehen, dass diese Aufgabe bewaffneten Kampf gegen jene bedeutet, die in diesem Land wieder ihre Terrorherrschaft errichten wollen. Das muss mit klaren und ehrlichen Worten geschehen, welche die Wahrheit nicht scheuen. Alles andere ist einer Demokratie unwürdig.

Zur Berliner Bürgerinitiative "Pro Reli"

In der deutschen Hauptstadt gibt es zur Zeit einer Auseinandersetzung, die im direkten Zusammenhang steht mit unserem Verständnis von Freiheit und mit den geistigen Quellen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens in Freiheit. Bekanntlich ist in Berlin z. Zt. Ethik ein für alle Schüler verpflichtendes ordentliches Schulfach. Dazu kann man die Meinung hören und lesen, dass ein zu allen Religionen gleichermaßen Distanz haltender Ethikunterricht am ehesten Toleranz befördere. Religion ist in Berlin denn auch nur ein freiwilliges Zusatzangebot nach und neben dem schulischen Unterricht. Eine Bürgerinitiative, die Christen unterschiedlicher Konfession, Juden und Muslime vereint, fordert, dass Ethik und Religion gleichberechtigte Wahlpflichtfächer werden. Das entspricht unserer seit 1848 vertretenen Überzeugung, dass auf diesem Gebiet dem Entscheidungsrecht der Eltern ein besonderer Stellenwert zukommt. Das ist ein Freiheitsrecht. In der Berliner Debatte wird dieser Sachverhalt systematisch vernebelt. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, hat in einem Zeitungsinterview gesagt, für ihn sei das Wichtigste, dass beim Religionsunterricht die Freiwilligkeit der Teilnahme erhalten bleibt. In der Realität geht es jedoch darum, die freie Auswahl zwischen Ethikunterricht und Religionsunterricht überhaupt erst zu garantieren. Ich appelliere an alle unsere Verbände und Organisationen, die Berliner Initiative "Pro Reli" zu unterstützen und dabei durch die Wahl ihrer Worte und Argumente nicht in eine Falle zu tappen. Wer jetzt auf in sich zweifelsfrei richtige juristische Formulierungen setzt wie "Religion muss auch in Berlin ein ordentliches Schulfach werden", stiftet eher Verwirrung. Die politische Frage lautet: Sind Sie für oder gegen die Freiheit der alternativen Entscheidung für Religionsunterricht oder für Ethikunterricht? Darum muss die Auseinandersetzung geführt werden. Ich wiederhole es noch einmal in aller Klarheit: Ethik und Religion müssen gleichberechtigte Wahlpflichtfächer werden.

Das Pastorale Zukunftsgespräch

In unserem kirchlichen Engagement ist uns ein gemeinsames Pastorales Zukunftsgespräch von Bischofskonferenz und ZdK seit langem ein großes Anliegen. In den Gesprächen der vergangenen Monate zeigte sich, dass ein geeignetes Dialogforum auf diesem Weg der Ständige Rat der Bischofskonferenz und der Hauptausschuss des ZdK bilden könnten. Bei der jüngsten Tagung der Gemeinsamen Konferenz am 7. November haben wir uns erneut mit diesem Projekt beschäftigt und sind im Ergebnis eines konstruktiven Gedankenaustausches zu dem Schluss gekommen, einen guten Ausgangspunkt für eine erste Begegnung zwischen dem Ständigen Rat der Bischofskonferenz und dem Hauptausschuss des ZdK böten der Beschluss der Bischofskonferenz "Zeit zur Aussaat" und unser Beschluss von Osnabrück "Pastoral der Weite", an dem wir ja heute in Gesprächsgruppen weiter arbeiten wollen. Wir haben uns in Bezug auf den Termin und die Gestaltung einer solchen Tagung auf Varianten verständigt und hoffen, dass sich auf dieser Grundlage der Ständige Rat auf seiner nächsten Sitzung zu einem positiven Schritt entschließt. Darüber werden wir Sie umgehend informieren.

Osnabrück 2008 und München 2010

Wir alle stehen noch unter dem Eindruck des großartigen Katholikentages in Osnabrück. Spätere, nüchterne Analysen haben diesen Endruck bestätigt. Ganz herzlich danke ich allen, die zu diesem Ereignis beigetragen haben – Bischof Franz-Josef Bode und seinem ganzen Bistum, der Stadt und der Region Osnabrück und dem Land Niedersachsen, allen, die sich bei der Vorbereitung und Durchführung engagiert und die im Programm mitgewirkt haben. Osnabrück 2008 war ein gutes Kapitel in der Geschichte der Katholikentage.

Jetzt richten wir unsere Anstrengungen auf München 2010. Die Vorbereitungen für den 2. Ökumenischen Kirchentag, den wir in der Zeit vom 12. – 16. Mai 2010 in München feiern wollen, sind inzwischen in vollem Gange. Ende Oktober hat sich das Gemeinsame Präsidium zum dritten Mal getroffen. Seine wichtigste Aufgabe bestand dieses Mal in der Entscheidung über ein Leitwort. Nach langer und intensiver Beratung, die in einem ausgesprochen kollegialen, ja man kann sagen geschwisterlichen Geist geführt wurde, haben wir uns schließlich einvernehmlich für "Damit ihr Hoffnung habt" ausgesprochen. Zusammen mit der schon vor einem Jahr festgelegten Thematik des 2. ÖKT "Christsein in der Gesellschaft – Christsein für die Gesellschaft" ist dieses Leitwort, das dem 1. Petrusbrief entlehnt ist, nun zugleich Ausgangs- und Zielpunkt aller weiteren Programmplanungen. Einige Projektkommissionen sind bereits ins Leben gerufen worden. Andere werden in den ersten Monaten des kommenden Jahres folgen.

Bei all dem gilt es zu beachten, dass unsere Partner vom Deutschen Evangelischen Kirchentag zunächst noch ein anderes Großereignis vor sich haben, denn sie werden zwischen dem
20. und 24. Mai 2009 den 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Bremen veranstalten. Trotzdem müssen wir die Planungen auf München hin zügig vorantreiben. Deshalb sind in diesen Tagen alle katholischen Organisationen, die in der AGKOD zusammengeschlossen sind, sowie alle diözesanen Räte schriftlich zur Mitgestaltung des 2. ÖKT eingeladen worden.

Ich möchte Sie auch herzlich bitten, diese Einladung zügig in den jeweiligen Gremien zu beraten und uns sodann hoffentlich zahlreich Ihre Vorschläge und Anregungen zur Programmgestaltung mitzuteilen. Der 2. ÖKT wird nur dann an den Erfolg des ersten anknüpfen können, wenn er aus der Breite des deutschen Katholizismus Unterstützung erfährt und nicht zuletzt durch Sie, die Mitglieder des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Ihre Organisationen, kompetent und engagiert mitgestaltet wird.

Eine der Arbeitsgruppen heute Nachmittag wird den Fragen um den 2. ÖKT gewidmet sein. Und nicht zuletzt können Sie immer auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Generalsekretariat zugehen, wenn Sie Fragen oder Anregungen haben.

Dank an die ausscheidenden Mitglieder

Für unsere diesjährige Herbstvollversammlung haben wir uns thematisch wieder viel vorgenommen. Zugleich werden die Mitglieder aus den Diözesanräten und aus der AGKOD die Einzelpersönlichkeiten neu wählen, die auf Grund dieser Wahl dann ebenfalls dem ZdK angehören. Damit ist der heutige Tag auch ein Tag des Abschieds von langjährigen und verdienten Mitgliedern des ZdK, die sich dazu entschlossen haben, nicht mehr erneut zu kandidieren.

Ich beginne mit Prof. Dr. Bernhard Vogel (Mitglied seit 1967), in der deutschen Öffentlichkeit hoch angesehen wegen seines Wirkens als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und als Ministerpräsident von Thüringen sowie als Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung. Bernhard Vogel hat die Geschichte des deutschen Laienkatholizismus in herausragenden Positionen mitgeprägt. Er war Präsident des bewegten und bewegenden Katholikentags 1968 in Essen, er war einer der Vizepräsidenten der Gemeinsamen Synode in Würzburg und er war von 1972 bis 1976 Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Vier Jahrzehnte hat er ohne Unterbrechung im ZdK aktiv mitgewirkt und unsere Arbeit unverkennbar mitgeprägt. Wir sehen ihn nur ungern ausscheiden, sind aber sicher, auf seinen Rat auch weiterhin zählen zu können.

Wir verabschieden heute ebenfalls Dr. h. c. Erwin Teufel (Mitglied seit 1983), den langjährigen und erfolgreichen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg. In diesem Amt hat er ein eindrucksvolles Beispiel gegeben für die ethische Verwurzelung politischen Handelns. Erwin Teufel war zweimal Gastgeber und zugleich prominenter Mitwirkender bei Katholikentagen in Baden-Württemberg, nämlich 1992 in Karlsruhe und 2004 in Ulm. Über viele Jahre hat er an der Arbeit des ZdK aktiv Anteil genommen und uns in unseren Anliegen unterstützt. Besonders erwähnen möchte ich sein europäisches Engagement, über dessen Prinzipien er eindrucksvoll vor unserer Vollversammlung gesprochen hat. Wir werden uns ihm auch in Zukunft verbunden fühlen und hoffen auf seinen guten Rat.

Leider hat sich auch Frau Prof. Dr. Annette Schavan (Mitglied seit 1991) dazu entschlossen, nicht mehr zu kandidieren. Sie fürchtet, durch ihre große Arbeitsbelastung nicht mehr im ZdK so mitarbeiten zu können, wie das ihrem Verständnis einer solchen Mitgliedschaft entspräche. Das müssen wir respektieren. Frau Schavan war längere Zeit Kultusministerin von Baden-Württemberg und ist jetzt Bundesministerin für Bildung und Forschung sowie stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU. Wir kennen und schätzen Frau Schavan aus ihrer langen aktiven Mitarbeit bei uns, insbesondere als Vizepräsidentin des ZdK. Bahnbrechend und unvermindert aktuell war ihre Leitung des Projekts "Dialog und Dialogverweigerung", das auch zu einer immer noch lesenswerten Buchpublikation geführt hat. Auf allen Katholikentagen der letzten Jahre und beim 1. Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin hat sie sich als Vortragende und Podiumsteilnehmerin engagiert. Auf solche Mitarbeit bei künftigen Ereignissen dieser Art und auf einen fruchtbaren Gedankenaustausch rechnen wir auch künftig. Für ihre verantwortungsvollen Aufgaben in der Politik wünschen wir Annette Schavan alles Gute und Gottes Segen.
Unser Dank begleitet auch Schwester Dr. Aurelia Spendel (Mitglied seit 1996), die ebenfalls nicht mehr kandidieren will. Mit ihrer großen theologischen Kompetenz und mit ihrer Fähigkeit zum prägnanten sprachlichen Ausdruck hat sie in vielfältiger Weise unsere Beratungen begleitet, an der Formulierung von Texten und bei der Vorbereitung und Gestaltung von Katholikentagen mitgewirkt. Wir hoffen, dass wir, auch wenn sie nicht mehr dem ZdK angehören wird, weiter mit ihrem Rat und ihren Beiträgen rechnen können.

Mit Bedauern, aber auch mit Verständnis für seinen Entschluss verabschieden wir Herrn Prof. Julius Berger (Mitglied seit 1997), der ebenfalls nicht mehr kandidieren möchte. Wir sind ihm sehr dankbar, dass ein Künstler seines Ranges über zehn Jahre im ZdK mitgewirkt hat. Sein Cello-Spiel bei Gottesdiensten und festlichen Veranstaltungen des ZdK wird uns in guter Erinnerung bleiben.

Irmgard Icking (Mitglied seit 2000) hat zunächst für Misereor und dann als Einzelpersönlichkeit im Sinne weltkirchlicher missionarischer Verantwortung in unserem Zentralkomitee mitgearbeitet. Wegen struktureller Terminkollisionen durch häufige Dienstreisen gerade im Mai und November hat sie sich nun entschieden, nicht wieder zu kandidieren. Dankbar sind wir für ihre Bereitschaft, uns für weltkirchliche Themen und Impulse weiter als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.

Ein wertvoller Mitstreiter aus der Politik war uns Herr Gernot Mittler (Mitglied seit 2004), langjähriger Finanzminister von Rheinland-Pfalz. In der Vollversammlung und im Hauptausschuss des ZdK bereicherte er unsere Debatten durch kompetente und engagierte Beiträge. Als Freund und Förderer der Benediktinerabtei Maria Laach, dem Ort unserer Politikereinkehrtage zu Beginn jedes Jahres, war er uns schon vorher gut bekannt. In dieser Aufgabe werden wir mit ihm sicherlich auch in Zukunft in wertvollem Kontakt bleiben und freuen uns darauf.

Eine Erweiterung des politischen Spektrums in der Vollversammlung brachte uns 2004 die Wahl von Hans-Michael Goldmann, Bundestagsabgeordneter und Mitglied der FDP. Mit Respekt verfolgten wir seinen mutigen und klaren Einsatz bei den bioethischen Kontroversen in der Stammzelldebatte. Bei der neuen Wahl der Einzelpersönlichkeiten wird er nicht mehr kandidieren. Wir hoffen, dass wir gleichwohl in Zukunft weiter mit ihm in gutem Kontakt bleiben.

Allen Ausscheidenden sage ich unseren herzlichen Dank!

Und nun wünsche ich uns eine gute und erfolgreiche Vollversammlung!

Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken