Sonntag, 1. Dezember 2019

Predigtelemente zum Gottesdienst am 1. Advent 2019 im Dom zu Aachen, anlässlich der Eröffnung des Synodalen Weges

Geistlicher Rektor des ZdK, Christoph Stender

 

• Starke Worte, verwurzelt in der jüdischen Lebenswelt unserer älteren Geschwister im Glauben, und uns überliefert im Buch Jesaja im 9. Kapitel, durchtönen auch diese Adventszeit: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht. (Jesaja Kapitel 1,1)

Diese starke Botschaft vernommen heute als Ecclesia, als Versammelte im Namen Jesu, eben als Kirche, bezeichnet alle die in dieser Kirche auf dem Weg sind, egal welche Dienste, Ämter und Anwesenheiten sie bekleiden. Sie sind miteinander ein Volk, das gemeinschaftlich ein großes Licht sieht.  „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.

 

 

• Dieses Volk, das heute - nicht nur – aber auch im Finstern wandelt, sind wir, Kirche aktuell.

Dunkel in unserer Kirche hat werden lassen der von ihr zu verantwortende Skandal des sexuellen und geistigen Missbrauchs, und der damit einhergehenden Vertuschungen durch dieselbe Kirche. Der Missbrauch an Menschen durch Personen im kirchlichen Amt, hat Dunkelheit in das Leben vieler Betroffenen gebracht, in ihre Herzen und Seelen. Kirche, die von ihrem Auftrag durch Jesus Christus Lichtspenderin sein sollte, hat tiefe Dunkelheit gebracht, in der sich viele Menschen bis heute verloren haben.

Dunkelheit bringt unsere Kirche aber auch dort, wo in ihr Geld veruntreut wird, die Macht Lügen deckt, und sie in unterschiedlicher Gewandung

- andere erniedrigend - selbstherrlich daherkommt.

 

 

• In diesen Dunkelheiten auch orientierungsschwach geworden, sind Bischöfe der Deutschen Bischofskonferenz auf die Laien zugegangen, vertreten im Zentralkomitee der deutschen Katholiken, und haben sie hinzugebeten einen Synodalen Weg gemeinsam zu gehen, der Licht in das Dunkel bringen kann.

Ein starkes Miteinander, ein in Entscheidung und Verantwortung füreinander Kirche sein zu können, haben Laien in ihren Organisationen, Verbänden und Räten in der Vergangenheit immer wieder eingefordert. Auch vor diesem Erwartungshorizont haben die Laien im ZdK zugestimmt sich mit den Bischöfen nun auf diesen Weg zu machen, einen Synodalen Weg.

 

 

• Reinhard Kardinal Marx unterstreicht schon mit den ersten Überlegungen zum  Synodalen Weg: „Wir werden Formate für offene Debatten schaffen und uns an Verfahren binden, die eine verantwortliche Teilhabe von Frauen und Männern aus unseren Bistümern ermöglichen. Wir wollen eine hörende Kirche sein. Wir brauchen den Rat von Menschen außerhalb der Kirche“[1]

 

 

• Für die inhaltliche Arbeit des Synodalen Weges sind vier Synodalforen eingerichtet zu den Themen: „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilhabe und Teilhabe am Sendungsauftrag“, `Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“, „Priesterliche Existenz heute“ und „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“. 

 

 

•  Ein gemeinsam, mit allen Beteiligten auf dem Weg zu sein, hat in der Kirche Tradition:

-        Das Apostelkonzil zwischen 44 und 49 in Jerusalem klärte die Frage wer zur Gemeinde der Christen gehören konnte

-        Das 2. Vatikanische Konzil (1962-1965) war ein großer Sprung zu einer neuen Offenheit in der Welt, und damit befreit zu einer neuen Kommunikationsbereitschaft

-        Die Würzburger Synode (1971 bis 1975) hat das 2. Vaticanum als Kirche in Deutschland in eine aktuelle Sprech- und damit die Handlungsfähigkeit hineingestellt. Ebenso die „Pastoralsynode der Katholischen Kirche in der DDR“ (1973 – 1975).

-        Der Gesprächsprozess „Im Heute glauben“ (2011–2015) war eine weitergehende Vergewisserung und Bestärkung des Miteinanders in der Verkündigung.

Diese Wege haben auch ermöglicht diesen Synodalen Weg nun zu gehen.

 

 

• Der Synodale Weg hat eine hat eine Satzung und eine entsprechende Ordnung, ein Skelett also. Näheres dazu finden Sie im Internet unter: www.synodalerweg.de

Dieser Weg braucht ein solches Skelett, damit alle Beteiligten ihr miteinander verbunden sein auch spüren, die Konturen des Weges nicht beliebig verschwimmen, und in schwerer Gangart das Gleichgewicht auf dem gemeinsamen Weg nicht abhandenkommen kann.

Das Skelett selbst aber ist nicht der Synodale Weg, sondern es ermöglicht ihn zu gehen. Das Skelett regelt Verfahren aber nicht wie und in welchem Geist miteinander verfahren wird.

 

 

• Dieser Synodale Weg bedarf existentiell einer Kommunikationskultur des Verstehens, einer Ästhetik des aufeinander Achtens, und eines Handwerks für soliden Brückenbau.

Diese Badarfe müssen durchdrungen sein von gefeierten Liturgien mit allen Playern auf dem Synodalen Weg, die sich auf den hin ausrichten und durch ihn sich auch ausrichten lassen, der Grund ist warum die Beteiligten sich überhaupt auf diesem Weg befinden, auf Jesus Christus.

 

 

• Ob Befürworter des Synodalen Weges oder Verhinderer, ob konservativ oder progressiv, ob Vertreterin einer Kirche von oben oder Vertreter einer Kirche von unten, ob rechts oder links, alle verbindet eines, die Sorge um die Zukunft unserer Kirche.

Eine Sorge die mit der eigenen Identität und einer geistigen Beheimatung zu tun hat. Eine Sorge, die aus Verlustängsten herrührt oder sie nährt aus drohender Orientierungslosigkeit.

Dem anderen solche Sorge abzusprechen hat keiner das Recht. Weil die Sorge als solche aber untereinander verbindet, ist es wegweisend Möglichkeiten der Kommunikation zu schaffen sie einander auch mitteilen zu können.

 

 

• So entfaltet sich der Synodale Weg auf dem Weg seiner selbst, oder anders formulier (hier macht diese Aussage Sinn): „Der Weg ist das Ziel!“

Der ursprüngliche Begriff, von dem das Wort Synode sich herleitet, bezeichnet eine Reisegesellschaft, eine Karawane unterwegs. Sie kann allerdings ihr Ziel (damals wie heute) nur dann geschützt erreichen, wenn die Einzelnen auch mit ihren unterschiedlichen Interessen, Geschwindigkeiten und Erwartungen beieinander zu bleiben gewillt sind. Solch eine Gemeinschaft aber bedarf des Vertrauens und dieses fällt nicht vom Himmel. Vertrauen muss wachsen können. Der Synodale Weg ist also auch ein Wachstumsprozess des Vertrauens, und damit der gegenseitig wachsenden Akzeptanz.

 

 

• Der Prozess aktuell im Bistum lebendig „Heute bei dir“, von Bischof Dr. Helmut Dieser angestoßen, ist ein wichtiger Beitrag auch für den Synodalen Weg auf der Bundesebene, weil er aus der Analyse der Situation der Kirche im Bistum Aachen beiträgt den Blick auf die Kirche in Deutschland zu schärfen. Diesem Prozess voraus gingen im Bistum Aachen ja die von Bischof K. Hemmerle angestoßene Weggemeinschaft, sowie der intensive Dialog von Bischof Mussinghoff stark gemacht im interkonfessionellen und interreligiösen Dialog.

 

 

• Einem wachsenden Wir auf dem Synodalen Weg auch zukünftig zu trauen kann bedeuten, gemeinsam einem neuen „Findungsformat“ (nicht  Entscheidungsformat) Gestaltungsraum zu geben, das ein neues Verb in den Sprachschatz der Katholischen Kirche entlassen kann und das da heißt: bescheiden.

Dieses neue Verb bescheiden setzt sich zusammen aus dem „be“ derer die bisher beraten haben (Laien) und dem „scheiden“ derer die bisher entschieden haben (Bischöfe).

So könnte ein verbindender Satz, immer wieder neu auf dem Synodalen Weg in den Mund genommen werden: Wir haben beschieden, nicht die einen berieten und die anderen entschieden nur, nein, wir haben gemeinsam beschieden.

 

 

• Die heute hier entzündete Kerze des Synodalen Weg steht für den Wunsch aller, die wie auch immer diesen Synodalen Weg mitgehen, das unsere Kirche die Leuchtkraft wiederfindet das Leben der Menschen Hell zu machen.

„Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände.“[2]

 

Starke Worte durchtönen auch diese Adventszeit: „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht,

 



[1]  Kardinal Marx, Frühjahrs-Vollversammlung in Lingen am 14. März 2019

[2] Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute „Gaudium et Spes“, GS Nr. 1