Salzkörner

Donnerstag, 27. Juni 2019

„Uns schickt der Himmel“

Die 72-Stunden-Aktion des BDKJ

Wenn sich in ganz Deutschland Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene vornehmen, in drei Tagen die Welt ein bisschen besser zu machen, dann ist wieder die 72-Stunden-Aktion des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ): Dann werden Insektenhotels gebaut, Müll gesammelt, Nachbarschaftsfeste organisiert und Barfußpfade angelegt.

Die Frage des Ursprungs der Aktion ist nicht ganz geklärt. Allerdings gab es schon lange in den katholischen Jugendverbänden ein großes Interesse an Aktionen, die das Engagement der jungen Menschen in wenigen Tagen sichtbar machen: So organisierte die KLJB Oldenburg bereits 1993 eine regionale 72-Stunden-Aktion. 2001 gab es dann im Erzbistum Freiburg eine ähnliche Aktion. Nachdem 2009 die Südwest- und Westdiözesen eine gemeinsame Aktion durchführten, beschloss die Hauptversammlung des BDKJ, zum ersten Mal ein bundesweites Projekt anzustoßen. Und diese 72-Stunden-Aktion im Jahr 2013 war ein voller Erfolg! In allen Diözesen und allen Bundesländern, von Hamburg bis Freiburg und von Dresden bis Aachen wurden zwischen dem 13. und 16. Juni 2013 soziale Projekte umgesetzt. Das alles unter dem Motto „Uns schickt der Himmel“. Infolgedessen beschloss das höchste Gremium des BDKJ, dass 2019 eine weitere Aktion stattfinden sollte.

Im Mai 2019 gaben wieder zehntausende Engagierte ihrem Glauben Hand und Fuß. Über 85.000 junge Menschen initiierten rund 3.400 soziale, politische und ökologische Projekte, insgesamt beteiligten sich schätzungsweise über 160.000 Menschen aller Generationen in ganz Deutschland.

Die unterschiedlichen Projekte spiegelten die Vielfältigkeit wider, die die alltägliche Arbeit in den katholischen Jugendverbänden auszeichnet. Eine Gruppe im Bistum Aachen führte eine U18-Wahl durch und machte so auf die Europawahl am 26. Mai aufmerksam. Andere Gruppen veranstalteten einen Second-Hand-Flohmarkt, markierten in ihrer Gemeinde Barrieren für Menschen mit Behinderung oder nahmen sich vor, in 72 Stunden die Bibel einmal durchzulesen. Ganz hoch im Kurs standen in diesem Jahr Insektenhotels. Viele Gruppen beschäftigten sich im Vorfeld der Aktion mit dem Artensterben und insbesondere dem Insektensterben. Um dem entgegenzuwirken, wurden in ganz Deutschland regelrechte Luxushotels für Insekten aufgebaut. Die bundesweite Wohnungsnot sollte so zumindest bei Insekten für die kommenden Monate gelindert sein. „So viel Engagement in 72 Stunden zeigt, dass junge Menschen in unserer Gesellschaft nicht abwarten, sondern aktiv eine tragende Rolle einnehmen. So sieht Kirche aus, wenn man junge Menschen machen lässt“, sagte der BDKJ-Bundesvorsitzende Thomas Andonie zum Abschluss der Sozialaktion.

Einzige Anmeldebedingung für die Gruppen war der Wunsch, die Welt in drei Tagen ein bisschen besser zu machen. Auf der Internetseite www.72stunden.de hatte sich die erste Gruppe bereits beim Katholikentag 2018 in Münster angemeldet. Während der Aktionstage waren nicht nur verbandliche Gruppen aktiv, sondern auch Schulklassen, Ministrant*innen und Gruppen aus Jugendverbänden verschiedener Religionen.

Auch wenn die Bibel nicht ganz durchgelesen werden konnte, wird nach der Aktion deutlich, dass die meisten Gruppen ihre Aufgabe erfolgreich beenden konnten. Und viele Projekte werden auch in den kommenden Monaten und Jahren noch wirken. Die Kontakte zum Altenheim bleiben bestehen, die gelernten Informationen über Insekten können weitergegeben werden und bald steht die nächste Wahl an, bei der einige Jugendliche dann auch in offiziellen Wahlkabinen mitbestimmen können. Die 72-Stunden-Aktion wird jetzt wissenschaftlich ausgewertet. Auf dieser Grundlage entscheidet die Hauptversammlung des BDKJ, ob eine weitere bundesweite Aktion stattfinden wird. Das Motto „Uns schickt der Himmel“ wird bis dahin tagtäglich in der Arbeit der katholischen Jugendverbände weitergelebt.

 

 

 

Autor: Jonas Zink Projektreferent für die 72-Stunden-Aktion bei der BDKJ-Bundesstelle

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