Salzkörner

Montag, 8. März 2021

3. Ökumenischer Kirchentag

Digital und dezentral

Keine bunten Schals, keine Posaunenchöre, kein Kerzenmeer – wie kann da ein Ökumenischer Kirchentag gelingen? Die Verantwortlichen haben lange um eine Lösung gerungen und schließlich entschieden: Der 3. ÖKT findet statt. Nur anders.

.Fragt man Menschen, was sie an Kirchen- oder Katholikentagen so fasziniert, hört man oft: Es ist die Freude daran, sich als eine große Gemeinschaft zu erleben. Erst recht gilt das für einen Ökumenischen Kirchentag, das große Fest der Begegnung über Konfessionsgrenzen hinweg. Dieses nach 2003 und 2010 nun zum dritten Mal zu gestalten, dazu hatten sich vor knapp einem Jahr viele hundert Menschen auf den Weg gemacht. Gemeinsam stellte man sich der Aufgabe, im Mai 2021 mehr als 100.000 Teilnehmenden Programm und Quartier zu bieten. Doch dann kam die große Pandemie, und plötzlich musste alles auf den Prüfstand. Im Sommer folgte dann eine weitere, noch einschneidendere Neukonzeption. Als dann die zweite Corona-Welle kam, hieß es scheinbar unverrückbar: „Einen 3. ÖKT wird es 2021 nicht geben und wohl auch nicht so bald danach.“ Tatsächlich sprach kaum noch etwas für weitere Rettungsversuche. Doch ein Argument behielt seine Kraft: Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen sich so sehr nach Normalität sehnen, sollte man da nicht doch noch einmal kreativ werden? Und hatte man nicht in den letzten Monaten ganz neue Erfahrungen gemacht und gelernt, dass Begegnung, Kommunikation und Diskussion, aber auch gemeinsames Gottesdienstfeiern unter Pandemie-Bedingungen durchaus möglich sind? Anders zwar, aber möglich. Und sollte man nicht gerade jetzt alles tun, um öffentlich Präsenz zu zeigen und am gesellschaftlichen Diskurs weiter teilzunehmen? War den Kirchen nicht schon zu oft vorgehalten worden, dass sie in der Pandemie kaum mehr sichtbar seien? Sollte man deshalb nicht gerade jetzt einen mutigen Gegenakzent setzen? Die Antwort hieß Ja. Der 3. ÖKT soll stattfinden, wenn auch ganz anders. Seit Jahresbeginn entsteht die vierte Version für den ÖKT, die Version D.

D wie digital und dezentral

Der 3. ÖKT wird am 13. Mai mit der Feier eines ökumenischen Gottesdienstes zu Christi Himmelfahrt beginnen – corona-konform als TV-Übertagung live aus Frankfurt. Zugleich startet das digitale Angebot des 3. ÖKT. Über die Homepage www.oekt.de kann man alle Programmteile miterleben. So etwa am Freitagvormittag das „Gedenken zu Beginn“ in Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und an die Gräuel des Holocaust. Oder abends eine Festveranstaltung in der Frankfurter Alten Oper – mit illustren Gästen, Musik und einer kurzweiligen Vorschau auf das Programm am folgenden Tag. In drei Themenfeldern kann man dort Fragen des Glaubens, des Zusammenhalts in der Gesellschaft und der globalen Verantwortung nachgehen. Klassische Diskussionsveranstaltungen und interaktive Workshops ermöglichen die digitale Teilnahme von zuhause aus. Mit Interviews, Filmeinspielern und Musik aus einem virtuellen Studio wird Interesse und Neugier auf mehr geweckt. Parallel dazu lädt ein virtueller Begegnungsort niederschwellig und kurzweilig zum Austausch mit anderen Teilnehmenden und von Zeit zu Zeit auch mit interessanten Persönlichkeiten ein. Gelegenheit zur Mitfeier von Gottesdiensten in verschiedenen konfessionellen Traditionen bietet dann am Abend ein Livestream aus drei Frankfurter Kirchen. Eine demnächst beginnende Kampagne will kirchliche Gruppen und Vereine motivieren, den ÖKT digital mitzuerleben und in die eigenen Räumlichkeiten zu holen. Vielleicht erlaubt die Corona-Situation es dann ja sogar, wieder kleinere Zusammenkünfte und Gemeindeaktivitäten anlässlich des ÖKT zu organisieren, z. B. um gemeinsam die aus Frankfurt übertragenen abendlichen Kulturveranstaltungen des ÖKT mitzuerleben. Und natürlich am Sonntag den Schlussgottesdienst. Wir freuen uns darauf!

 

Autor: Dr. Thomas Großmann Leiter der ZdK-Arbeitsgruppe Katholikentage und Großveranstaltungen und des Studienreferates

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