Salzkörner

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Eine Frau geht ihren Weg

120 Jahre Sozialdienst katholischer Frauen

Am 1. Advent vor 120 Jahren gründete die sozial enga­gierte Zentrums-Politikerin Agnes Neuhaus den Verein vom guten Hirten, den Vorgänger des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF). Aufgewachsen in Dortmund, widmete sich Agnes Neuhaus nach Studium, Heirat und den Geburten dreier Kinder zunächst intensiv der Ar­menfürsorge. Ihr Engagement weitete sie schnell aus. So richtete sie ihr Augenmerk zunehmend auf Mädchen und Frauen in der Prostitution, widmete sich ledigen Müttern und Schwangeren und gründete Ausbildungsstätten für Pflegerinnen und Fürsorgerinnen. Zudem war sie vor 100 Jahren eine der ersten Frauen im Deutschen Reichstag

„Herr Propst, das können wir beide auf die Dauer nicht leisten, wir müssen einen Verein gründen." (Zitat Agnes Neuhaus)

In der Überzeugung, dass man sich bei den vielen Aufgaben zusammenschließen muss, sich austauschen und in Kirche und Welt engagiert auftreten muss, gründete Agnes Neu­haus 1899 zunächst den Verein vom Guten Hirten. Sie schuf weitere Zusammenschlüsse von Wohlfahrts- und Fürsorge­vereinigungen und wirkte u. a. im Zentralvorstand des Deut­schen Caritasverbandes, im Zentralkomitee der deutschen Katholiken und an der Gründung des Katholischen Deut­schen Frauenbundes mit.

„Die moderne Frauenbewegung verlangt für das weibliche Geschlecht mehr Wissen, mehr Verantwortlichkeitsge­fühl, mehr Gelegenheit, die Kräfte zu regen, mehr Lebens­inhalt.“ (Zitat Agnes Neuhaus)

Als eine der ersten Frauen war Agnes Neuhaus politisch sehr engagiert. So war sie neben ihrem Mandat in der Wei­marer Nationalversammlung und im Deutschen Reichstag auch Vorstandsmitglied der Zentrumspartei in Westfalen und auf Reichsebene.

„In dem Augenblick, wo die Behörde bestimmt, ob wir existieren dürfen oder nicht, wo wir unter die behördli­che Beaufsichtigung kommen, ist es mit der Reinheit und Feinheit des Klanges vorbei. Sie beruht auf der absolut freien Zusammenarbeit.“ (Zitat Agnes Neuhaus)

Als Reichstagsabgeordnete war Agnes Neuhaus maßgeblich an der Entstehung und dem Zustandekommen des Reichs­jugendwohlfahrtsgesetzes beteiligt. Ihr großes Anliegen war dabei, die konfessionelle Jugendhilfe eigenständig zu gestalten, da sie sie als effizienter ansah als die staatliche Fürsorge. Dem Staat sollte lediglich die Aufsicht übertragen werden. Dieser subsidiäre Ansatz sowie weitere Grundpfei­ler prägen noch heute die Sozialgesetzbücher, z. B. das Kin­der- und Jugendhilfegesetz.

1944 starb Agnes Neuhaus und hinterließ einen tatkräftigen Frauenfachverband der Sozialen Arbeit, der sich mittlerweile auf ganz Deutschland ausgeweitet hatte und nach mehre­ren Namensänderungen 1968 zum Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) wurde.

„Jede liebevolle Tat wirkt irgendwie weiter, ob wir es be­obachten oder nicht.“ (Zitat Agnes Neuhaus)

Heute engagieren sich an 138 Standorten in ganz Deutsch­land zahlreiche ehrenamtlich und beruflich engagierte Frauen und Männer im SkF. Auf dem Fundament der Grün­derinnen aus den ersten Jahren, sind sie heute weiterhin in wichtigen sozialen Feldern aktiv. Die Jugendhilfe, die Schwangerschaftsberatung, Betreuungsvereine, Adoptions- und Pflegekinderdienste, Frauenhäuser, Mutter-Vater-Kind-Einrichtungen, Einrichtungen der Behindertenhilfe, Schu­len, Sozial- und Erziehungsberatung, Hilfen für Prostituierte, Schuldner-, Straffälligen- und Wohnungslosenberatung sind die Dienste, die heute im SkF geleistet werden. Natürlich hat sich in den Jahrzehnten viel verändert, und der SkF ent­wickelt seine Dienste und Aufgaben immer weiter, um den aktuellen Herausforderungen begegnen zu können. Der Leit­spruch von Agnes Neuhaus bleibt:

„Es ist unendlich viel zu machen und zu helfen, wenn nur jemand da ist, der es tut“.

 

 

 

 

Autor: Hildegard Eckert SkF-Bundesvorsitzende

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