Salzkörner

Samstag, 15. Februar 2003

Ermutigung zum politischen Engagement

Die römische Note über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben
Am 16. Januar 2003 wurde die "lehrmäßige Note zu einigen Fragen über den Einsatz und das Verhalten der Katholiken im politischen Leben" von der Kongregation für die Glaubenslehre veröffentlicht. Sie stellt eine Ermutigung für Katholiken dar, die sich in Politik und Gesellschaft engagieren und ist eine unmissverständliche Absage an jedes privatistische Verständnis christlicher Existenz.
Der Text beruft sich in seiner Anlage auf das II. Vatikanische Konzil und fordert für die in der Politik engagierten Katholiken die "Einheit und Kohärenz zwischen Glauben und Leben, zwischen Evangelium und Kultur" und "enthält die Aufforderung an die Gläubigen, nach treuer Erfüllung ihrer irdischen Pflichten im Geiste des Evangeliums zu streben".

Kein politisches Programm

Aus dem christlichen Glauben ergibt sich kein politisches und soziales Programm. Vielmehr bleibt eine Spannung zwischen den zeitlos gültigen Werten und Wahrheiten der Frohen Botschaft Jesu Christi und der sich stetig wandelnden Wirklichkeit. Die christlichen Werte und Wahrheiten bedürfen stets der lebendigen Vermittlung in eine konkrete Wirklichkeit hinein. Zentraler Bezugspunkt für ein kohärentes Handeln in Politik und Gesellschaft ist dabei, , die Achtung vor der menschlichen Person. Dass dieses Grundverständnis des Laienapostolats in Gesellschaft und Politik durch die Note nachdrücklich zum Ausdruck gebracht wird, ist eine wichtige Unterstützung für die konkrete Arbeit katholischer Politiker und nicht zuletzt des ZdK.

Achtung der menschlichen Person

Bedenkenswert sind die Ausführungen des Textes zur Komplexität und Kontextualität, in denen unter den heutigen Gegebenheiten politische Entscheidungen getroffen werden müssen. Die viel zitierte Autonomie der irdischen Sachbereiche ist anerkannt, und von daher der Boden für die Verpflichtung bereitet, in der faktischen Pluralität freiheitlicher Demokratien den Gefahren einer ethischen Relativierung entgegenzutreten und im ständigen öffentlichen Wertediskurs katholische Positionen entschieden zu vertreten. An diesem Punkt ist der schon erwähnte zentrale Bezugspunkt für ein kokärentes christliches Handeln in Politik und Gesellschaft die Achtung vor der menschlichen Person, vor ihrer Würde und dem Schutz ihrer Rechte.
Die in der Note genannten Tätigkeitsfelder, in denen Katholiken sich für die grundlegenden, unaufgebbaren ethischen Forderungen einsetzen müssen, lesen sich wie die Agenda der gegenwärtigen Arbeit des ZdK: Schutz vor Schwangerschaftsabbruch und Euthanasie, Schutz des menschlichen Embryos im Zusammenhang mit den neuen biomedizinischen Entwicklungen, Schutz von Ehe und Familie, Freiheit der Eltern in der Erziehung, sozialer Schutz der Minderjährigen, Schutz vor modernen Formen der Sklaverei, Recht auf Religionsfreiheit, Entwicklung einer gerechten Wirtschaftsordnung und nicht zuletzt das Thema Frieden.

Laizität, nicht Laizismus

Entsprechend "Gaudium et spes" (76) bringt die Note zum Ausdruck, dass die Kirche Laizität akzeptiert und als Errungenschaft der Zivilisation anerkennt, insofern sie verstanden wird als Autonomie der zivilen und politischen Sphäre gegenüber der religiösen und kirchlichen. Eine klare Absage erteilt die Note einem Laizismus, welcher den Öffentlichkeitsanspruch des Christlichen und des Kirchlichen in Frage stellt. Mit der Anerkennung der Religionsfreiheit und mit dieser inhaltlichen Bestimmung der Laizität ist für die gegenwärtigen Debatten über die zukünftige Verfassungsordnung Europas eine wichtige Festlegung getroffen.

Mitspieler, nicht Schiedsrichter

Christen sind in der rechtsstaatlichen Demokratie nicht Schiedsrichter, sondern Mitspieler. Sie müssen sich im Dialog und im politischen Wettstreit bewähren. Alle Erfahrungen im Nachkriegsdeutschland lehren, das wirkmächtige christliche Beiträge zur demokratischen Politik insbesondere von jenen erbracht werden, die sich in einer dem Grundgesetz verpflichteten Partei engagieren. Dass die römische Note zur Übernahme politischer Verantwortung motivieren, einer religiösen Re-Ideologisierung des Politischen sowie einem absoluten Wert-Relativismus vorbeugen will und katholische Politiker anmahnt, ihren Glauben und ihre kirchliche Bindung in ihrer Arbeit zur Geltung kommen zu lassen, macht sie zu einem ebenso notwendigen wie hilfreichen Beitrag zur öffentlichen Wertedebatte.

Autor: Dr. Rolf Schumacher, Leiter des politischen Referates und der Arbeitsgruppe Kirche und Gesellschaft im Generalsekretariat des ZdK

zurück zur Übersicht