Salzkörner

Donnerstag, 27. Juni 2019

Frauen an die Spitze II

Ergebnisse der Befragung „Frauen in Leitungspositionen im ZdK, in den Diözesanräten und in den Organisationen der AGKOD“

Längst ist das Gesicht der katholischen Kirche in vielen Bereichen ein weibliches oder, wie es Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), treffend auf der letzten ZdK-Vollversammlung formulierte: „(…) ohne die Frauen läuft nichts“. Auch wenn die Übernahme kirchlicher Ämter wahrscheinlich noch in weiter Ferne liegt, stehen den Frauen im Bereich des organisierten Laienkatholizismus grundsätzlich alle Positionen offen. Doch wie gestaltet sich die Gleichberechtigung der Geschlechter im Bereich der kirchlichen Leitungsverantwortung in der Realität? Für das ZdK ist die gleichberechtigte Übernahme von Führungspositionen in der Kirche bereits seit vielen Jahren ein zentrales Anliegen. Im Jahr 2014 wurden die ZdK-Mitglieder dazu befragt, wie es um die Teilhabe von Frauen an Leitungsaufgaben im Bereich des Laienkatholizismus bestellt ist. Das Ergebnis fiel ausgesprochen positiv aus: Der Anteil der Frauen an den Führungspositionen lag bei einem guten Drittel. Da ein Drittel jedoch noch keine Parität darstellt, ließ das Ergebnis der Befragung Luft nach oben. Um mögliche Entwicklungen festzustellen, wurde die Umfrage nun – fünf Jahre später – erneut durchgeführt und wieder zeigt sich: Das Ergebnis ist nicht schlecht, doch nach wie vor kann es noch besser werden.

Um einen Vergleich der Daten herstellen zu können, wurde für die aktuelle Befragung der gleiche Fragebogen verwendet wie bereits 2014, konzipiert in Zusammenarbeit von ZdK und dem Büro für Evaluation und wissenschaftlichen Service. Auch die adressierten Verteiler entsprachen den Verteilern der vorherigen Umfrage: Befragt wurden das ZdK und der Katholikentag sowie die Bundesebene der direkten Mitgliedsorganisationen der Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands (AGKOD) und die im ZdK vertretenen Laienräte (Diözesanräte auf Diözesanebene, der Katholikenrat beim katholischen Militärbischof für die deutsche Bundeswehr und der Bundespastoralrat der Katholiken anderer Muttersprachen auf Bundesebene). Insgesamt betraf der Versand somit 129 Organisationen.

Erneut große Beteiligung

Im Zeitraum vom 14. November 2018 bis 28. Januar 2019 konnte eine Rücklaufquote von 87 Prozent erzielt werden. Aufgeschlüsselt nach Organisationen lag die Rücklaufquote bei den Diözesanräten sogar bei beeindruckenden 100 Prozent, während auf AGKOD-Ebene 83 Prozent erreicht werden konnten.

Die Fragen der quantitativen Untersuchung bezogen sich hauptsächlich auf die Geschlechterzusammensetzung der Vorstände und Leitungsgremien, der Vorsitzenden, der Geschäftsführung und der Bundesgeschäftsstellenleitung. Außerdem wurde abgefragt, ob sich Aussagen zur Geschlechterverteilung in Statuten oder Geschäftsordnungen finden und ob Frauenförderung im Allgemeinen ein Thema in der jeweiligen Organisation ist.

Hohe Frauenanteile in den untersuchten Leitungsgremien

Die Ergebnisse der Befragung zeigen, dass die Frauenanteile in den untersuchten Leitungsgremien nach wie vor außergewöhnlich hoch sind: In nahezu allen abgefragten Positionen ließ sich ein Frauenanteil zwischen 35 und 40 Prozent feststellen. Gleichzeitig fällt jedoch auch auf, dass die Anteile seit der letzten Befragung 2014 größtenteils – wenn überhaupt – nur minimal gesteigert werden konnten.

Die Betrachtung der Gesamtergebnisse zeigt, dass der Frauenanteil in den Leitungsgremien aller befragten Organisationen und Diözesanräte von 37 auf 39 Prozent leicht erhöht werden konnte, während der Anteil der weiblichen Vorsitzenden im Vergleich zu 2014 um sechs Prozentpunkte von 39 auf 36 Prozent fiel.

Ergebnisse der Diözesanräte

Bei den Diözesanräten stieg der Frauenanteil unter den stimmberechtigten Vorstandsmitgliedern nur gering von 36 auf 39 Prozent. Der Anteil weiblicher Vorsitzender fiel hingegen von 37 auf 35 Prozent.

Um deutliche 10 Prozent konnte der Frauenanteil an der Geschäftsführung der Diözesanräte gesteigert werden: Waren 2014 noch 44 Prozent der Geschäftsführungen weiblich besetzt, konnte in diesem Bereich nun mit 54 Prozent das Ziel der paritätischen Teilhabe mehr als erfüllt werden. Gleichzeitig ist an dieser Stelle jedoch auch darauf hinzuweisen, dass sich der Anteil der ehrenamtlich ausgeübten Geschäftsführungen von 7 auf 11 Prozent erhöht hat. Im Gegensatz zu 33 Prozent im Jahr 2014 stieg der Anteil der Diözesanräte, in denen die Förderung von Frauen ein relevantes Thema ist, auf 39 Prozent an.

Ergebnisse der Organisationen der AGKOD, ZdK und Katholikentag

Bei der Bewertung der Ergebnisse der Organisationen ist zu beachten, dass es sich bei 12 Prozent der Organisationen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, um Frauenorganisationen handelt, die dementsprechend den Anteil weiblicher Leitungskräfte zugunsten des Frauenanteils beeinflussen. Der Anteil der Männerorganisationen liegt bei 6 Prozent.

Der Frauenanteil unter den stimmberechtigten Mitgliedern der Leitungsgremien blieb innerhalb der letzten fünf Jahre nahezu gleich; er stieg unwesentlich von 40 auf 41 Prozent. Nimmt man die Frauen- und Männerorganisationen aus der Betrachtung heraus, liegt dieser Anteil heute jedoch lediglich bei 37 Prozent. Ebenso wie bei den Diözesanräten fiel der Anteil weiblicher Vorsitzender der Leitungsgremien der Verbände deutlich von 40 auf 32 Prozent. Ohne Frauen- und Männerorganisationen beträgt dieser Anteil heute sogar nur 25 Prozent.

Bemerkenswert ist bei der Befragung der Organisationen besonders die Besetzung der Bundesgeschäftsstellenleitungen: Eine differenzierte Aufschlüsselung der Ergebnisse nach Geschäftsstellengröße zeigt, dass der Frauenanteil hier sinkt, je mehr Mitarbeitende die Geschäftsstelle hat. Liegt der Frauenanteil bei den kleinen Geschäftsstellen mit 1 bis 10 Mitarbeitenden noch bei beachtlichen 53 Prozent, sinkt er bei den Geschäftsstellen mit 11 bis 70 Mitarbeitenden bereits auf 29 Prozent und erreicht bei den großen Geschäftsstellen mit 71 bis 464 Mitarbeitenden nur noch 19 Prozent. Auch bei den befragten Organisationen stieg der Anteil der Organisationen, für die Frauenförderung ein relevantes Thema darstellt, – wenn auch nur leicht – von 37 auf 41 Prozent.

Dennoch Veränderungsbedarf

Auch wenn sich die Anteile der Frauen in Führungspositionen nach wie vor auf einem stabilen Niveau befinden, zeigen die Ergebnisse doch auch, dass eine Steigerung dieses Anteils offensichtlich ein sehr zeitintensives Unterfangen darstellt. Innerhalb der letzten fünf Jahre konnten kaum erhebliche Erhöhungen der Frauenanteile erreicht werden. Bei den Vorsitzenden ist sogar ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen, und die Betrachtung der Bundesgeschäftsstellenleitungen zeigt, dass auch im Laienkatholizismus der Frauenanteil sinkt, je mehr Personalverantwortung mit der Leitungsposition einhergeht. Erfreulicherweise stieg zwar der Anteil der Organisationen und Diözesanräte, für die Frauenförderung ein Thema mit Relevanz darstellt, an. Jedoch wird dieser Anstieg von der Tatsache, dass immer noch nicht einmal die Hälfte der Befragten überhaupt die Notwendigkeit einer Förderung von Frauen erkennen, leider deutlich in den Schatten gestellt. Gleichzeitig ist zu beachten, dass es sich bei den untersuchten Leitungspositionen oftmals um ehrenamtlich ausgeführte Tätigkeiten handelt. Da auch gesamtgesellschaftlich betrachtet die meiste unentgeltliche Arbeit nach wie vor von Frauen geleistet wird und insbesondere in der katholischen Kirche im Bereich des Ehrenamtes „ohne die Frauen (nichts) läuft“, überrascht der relativ hohe Frauenanteil in der vorliegenden Untersuchung dann doch wieder nur in der Hinsicht, dass er eigentlich – entsprechend dem Engagement – wesentlich höher zu erwarten gewesen wäre.

Die Ergebnisse der Befragung machen deutlich, dass durch bloßes Abwarten keine Parität zu erreichen ist. Wie der Rückgang des Frauenanteils unter den Vorsitzenden zeigt, scheint sogar die Bewahrung des Ist-Zustandes nur mit Engagement und Einsatz für die Thematik möglich zu sein. Solange jedoch nicht einmal die Hälfte der befragten Organisationen Frauenförderung als Handlungsfeld für sich erkannt hat, ist bis zur Parität der Geschlechter in Leitungspositionen wohl noch ein weiter und mühsamer Weg zurückzulegen.

 

 

 

Autor: Judith Otterbach Master of Arts, Politikwissenschaftlerin und katholische Theologin

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