Salzkörner

Freitag, 15. November 2019

Gegen den Hass!

Bistum Magdeburg stärkt Demokratie

Schon seit 20 Jahren engagiert sich die Katholische Erwachsenenbildung im Land Sachsen-Anhalt e. V. (KEB) gegen Rechtsradikalismus und Menschenfeindlichkeit. Teil dieses Engagements war und ist die Weiterbildung Ehrenamtlicher. Im KEB-Projekt „Kompetent für Demokratie. Beratung und Bildung für eine offene Kirche“ schlossen insgesamt 20 Menschen erfolgreich die Ausbildung als „Demokratieberater_innen“ ab. Ihre Aufgabe: Sensibilisierung für Ausgrenzung und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Sie lernten Grundlagen von Beratung und Gruppenleitung kennen und erhielten den Raum für Austausch, kollegiale Beratung und interkulturelle Begegnungen. Zunehmend beteiligten sie sich aktiv an der Projektumsetzung und führten eigene Veranstaltungen und Beratungen in ihrem jeweiligen Feld – von der „Flüchtlingshilfe“ über die Pfarrgemeinderäte bis zur Familienberatung – durch.

Ziel des im Rahmen des Bundesprogramms „Zusammenhalt durch Teilhabe“ umgesetzten Projekts, gefördert durch das Bundesministerium des Innern, ist es, die kirchlichen Institutionen im Bistum Magdeburg insgesamt zu stärken – als Teil einer demokratischen und offenen Gesellschaft. Der Rahmen hierfür ist herausfordernd, denn der Anteil der Katholik_innen liegt in Sachsen-Anhalt bei lediglich knapp vier Prozent der Gesamtbevölkerung. Zudem ist die katholische Kirche selbst nicht demokratisch organisiert und insbesondere wegen ihres Umgangs mit sexueller Gewalt stark im Blick öffentlicher Kritik. Sich in dieser Situation dennoch erfolgreich als Akteur zur Stärkung unserer Demokratie behaupten zu können, liegt auch im christlichen Menschenbild begründet:

Nächstenliebe

Als 2015 erstmals eine nennenswerte Zahl Geflüchteter Sachsen-Anhalt erreichte, war die Hilfsbereitschaft in vielen Gemeinden und Verbänden spontan sehr groß, und sie ist es noch.

Ebenbildlichkeit Gottes

Das christliche Menschenbild unterstützt die Unveräußerlichkeit der menschlichen Würde.

Interreligiöser Dialog

Christ_innen haben Verständnis für die Bedeutung religiöser Bräuche und Rituale. Das ermöglicht es, in einem von Konfessionsfreiheit geprägten Land Brücken zu bauen zu muslimischen, jüdischen und anderen religiösen Menschen.

Zunehmend wurde in den vergangenen Jahren die starke Belastung der Ehrenamtlichen durch die gesellschaftliche Polarisierung deutlich. Analog zu der hassgeleiteten Auseinandersetzung um Flucht und Migration wurden Ehrenamtliche für ihr Engagement angegriffen, und zwar so massiv, dass Familien und Freundschaften daran zerbrachen. Das zeigte sich vor allem auch bei den 60 in den Jahren 2015 und 2016 von der KEB gemeinsam mit der Caritas und der Migrantenselbstorganisation LAMSA ausgebildeten „Flüchtlingsseelsorger(n)_innen“. Die KEB entwickelte deshalb die Qualifizierungsreihe „Grundkompetenzen im Umgang mit Rechtspopulismus“. Diese umfasste intensive Trainings gegen Stammtischparolen in privaten und öffentlichen Begegnungen und im Internet. Immer wieder stellte sich hier die Frage, ob und wann es Ansatzpunkte geben könnte, mit Rechtspopulist(en)_innen zu sprechen. Die KEB hat entschieden, Funktionsträger_innen rechtspopulistischer Parteien grundsätzlich kein Forum zu geben. Zugleich stärkt die KEB so viele Menschen wie möglich, um in der Auseinandersetzung mit „Rechten“ bestehen und im öffentlichen Raum zu Diskriminierung Stellung beziehen zu können.

Leitlinie dafür ist das christliche Menschenbild, das Ausgrenzung und Hass nicht zulässt.

 

 

 

 

 

 

 

Autor: Susanne Brandes Projektleiterin bei der Katholischen Erwachsenenbildung im Land Sachsen-Anhalt e. V.

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