Salzkörner

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Lobbyarbeit für Frauen aus katholischer Perspektive

Die Arbeitsgemeinschaft katholischer Frauenorganisatio­nen und Frauengruppen (AG Kath)

In der AG Kath sind 16 katholische Frauenverbände und Gruppen zusammengeschlossen, die überwiegend auch im ZdK vertreten sind. Somit bildet die AG Kath innerhalb und außerhalb des ZdK eine wichtige Plattform für die Artiku­lation von Fraueninteressen aus katholischer Perspektive.

Eine wesentliche Aufgabe der AG Kath ist die Vertretung der katholischen Frauenverbände im Deutschen Frauen­rat. Sie entsendet 13 Delegierte und gehört damit neben den Evangelischen Frauen in Deutschland (EFiD), den Frauen im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den Frauenorganisationen im DGB zu den größten Gruppen im Deutschen Frauenrat.

Bereits bei der Gründung des Deutschen Frauenrates Ende 1951 auf Initiative der Frauenabteilung der US-amerikanischen Militärregierung, die ein hohes Interes­se am Aufbau demokratischer Strukturen hatte, war die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Frauen mit delegierten Einzelpersonen dabei. Ab 1958 wurden dann Frauenver­bände und -gruppen, u. a. die AG Kath, Mitglied. Bereits die zweite Präsidentin (1960-1970) war die damalige Prä­sidentin des KDFB Dr. Gertrud Ehrle. Weitere katholische Präsidentinnen des Deutschen Frauenrates waren kfd-Präsidentin Irmgard Jalowy (1992-1996) und Marlies Bro­wers (2008-2012) vom KDFB. Aktuell ist mit der BDKJ-Vorsitzenden Lisi Maier wieder eine Vertreterin der AG Kath stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frau­enrates. Gerade in den letzten Jahren hat der Deutsche Frauenrat sich nach grundlegenden strukturellen Verän­derungen zu einer wichtigen Lobbyorganisation für Frau­en im politischen Berlin und auch in Europa und sogar im Rahmen der G7-Treffen entwickelt. Der Frauenrat wird gehört. Insofern macht es Sinn, dass die AG Kath sich im Deutschen Frauenrat für Positionen einsetzt, die dann in die Politik getragen werden.

Im Deutschen Frauenrat herrscht zwischen Berufsver­bänden, Gewerkschaftsfrauen und den katholischen und evangelischen Frauen in der Regel große Einigkeit über Themen der Gleichstellung von Frauen und Männern im Erwerbsleben. Schwieriger wird es bei ethischen Frage­stellungen. Hier bedarf es immer wieder kluger Strategi­en und guter Argumente. Die AG Kath konnte im Rah­men der Debatte um die Beihilfe zum Suizid zumindest verhindern, dass der Deutsche Frauenrat eine aus ihrer Sicht nicht tragbare Stellungnahme abgab. Erfolgreich setzt sich die AG Kath seit Jahren, oft in Gemeinschaft mit den Vertreterinnen der Behindertenverbände, für eine kritische Haltung gegenüber der Pränataldiagnos­tik ein. Im Juni erreichte sie so einen Beschluss, dass bei einer Einführung von Nichtinvasiven Pränataltests (NIPT) als Kassenleistung die im Gendiagnostikgesetz festgeleg­ten Rahmenbedingungen für genetische Untersuchungen eingehalten werden sollen.

Ein weiteres Thema, für das die AG Kath sich im Deut­schen Frauenrat einsetzt, ist die Förderung und bessere Anerkennung des Ehrenamtes insbesondere aus Frauen­sicht. Hier besteht ein sehr unterschiedliches Selbstver­ständnis der Verbände und Gruppen, obwohl formal die Mehrzahl der Delegierten der Mitgliederversammlung dort ehrenamtlich ist. Vielfach besteht noch das – längst überholte – Vorurteil, die AG Kath wolle das Ehrenamt von Frauen statt einer Erwerbstätigkeit fördern. Dabei geht es ja vielmehr um Rahmenbedingungen, die Frauen und Männern ehrenamtliches Engagement auch neben Erwerbstätigkeit und Familie ermöglichen. Die AG Kath hat deshalb 2018 die Einrichtung eines Fachausschusses Ehrenamt beantragt und arbeitet dort mit an einer Posi­tionierung des Deutschen Frauenrates zum Ehrenamt in bundesweiten Frauenverbänden. Dabei soll es u. a. auch um Frauen in ehrenamtlichen Führungspositionen gehen.

Die unterschiedlichen Verbandsprofile in der AG Kath tra­gen dazu bei, dass das breite Themenspektrum frauenpo­litischer Lobby innerhalb der Delegation abgebildet wer­den kann. Dies ermöglicht der AG Kath, sich im Frauenrat in unterschiedlichen Bündnissen breit aufzustellen und zu vernetzen, was dem Einsatz für eine gute Frauenpoli­tik sehr zuträglich ist.

 

 

 

 

 

 

Autor: Nadine Mersch Sozialdienst Katholischer Frauen (SkF) Dr. Heide Mertens Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd)

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