Salzkörner

Montag, 5. November 2018

Teilhabe, Lebenswelt und Digitale Mündigkeit

Blog des BDKJ-Bundesverbandes gibt Praxistipps

Seit Sommer 2017 ist der Blog digitalelebenswelten.bdkj.de online, initiiert von der AG Digitale Lebenswelten des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ). Hier versammeln sich Blogeinträge zu aktuellen Themen wie Datenschutz, Uploadfilter, digitale Kirche und Mediennutzung – gelesen und kommentiert aus der Perspektive der (katholischen) Jugendverbandsarbeit. Die hohen Klickzahlen zeigen: Es kommt auf die lebensweltliche Übersetzung der digitalen Transformation an.

Als Ende Mai 2018 die Datenschutz-Grundverordnung und das Gesetz über den kirchlichen Datenschutz in Kraft traten, schienen zum ersten Mal die praktischen Auswirkungen der Digitalisierung in allen Bereichen der Seelsorge und damit auch der Jugendarbeit Effekte zu zeitigen: Wie kommunizieren wir künftig digital auf jenen Plattformen, auf denen sich Kinder und Jugendliche befinden, wenn WhatsApp nicht mehr in Frage kommt? Dürfen wir Fotos von Zeltlagern, Freizeiten und Diözesanversammlungen digital veröffentlichen? Und wie informieren wir über unsere Angebote, wenn schon die Anmeldung für einen Newsletter mehr als drei Klicks benötigt? Dass es hier nicht nur um technische bzw. juristische Fragen geht, sondern vielmehr um eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit den Orten und Zeiten einer jungen und digitalen Kirche, hat die BDKJ-Hauptversammlung schon 2016 erkannt, als sie eine Arbeitsgruppe zu diesem gesellschaftspolitischen Querschnittsthema einsetzte. Aus dieser Arbeitsgruppe ist der Blog digitalelebenswelten.bdkj.de hervorgegangen, dessen Ziel es ist, neue Ideen, Ansätze und Herausforderungen der digitalen Alltagspraxis der Jugendarbeit vorzustellen. Die Beiträge decken dabei eine große Bandbreite an Fragestellungen ab: Tools für kollaboratives Arbeiten oder für das digitale Storytelling werden ebenso wie Good-Practice-Beispiele für Skype-Frühschichten, Kirchenführungen mit QR-Code oder als #instawalks vorgestellt; digitalpolitische Positionen aus Kirche und Gesellschaft werden auf ihre Relevanz und ihre Tragweite für die Jugendarbeit überprüft, Mediennutzungsstudien für die Milieus der Jugendverbände ausgelegt; Pro- und Contra-Argumente zur Smartphone-Nutzung im Zeltlager werden ausgetauscht. Nicht zuletzt wird von den zahlreichen BlogautorInnen kritisch reflektiert, wo unsere Kirche ihre eigene Haltung zu einer digitalisierten Welt schärfen muss, um auf die Anliegen und Bedürfnisse junger Menschen angemessene Antworten zu finden. Der BDKJ hat aber auch die eigene Haltung überprüft und als Positionspapier formuliert, auch um seinen Mitgliedsverbänden eine jugend- und kirchenpolitische Diskussionsgrundlage zu bieten, die weit über konkrete Fragen nach Bildrechten, WhatsApp-Kommunikation und Hate Speech hinausgeht. So fordert der BDKJ (und macht es sich gleichsam zur Selbstverpflichtung), im Rahmen der digitalen Transformation "besonderen Wert darauf [zu] legen, Teilhabe zu ermöglichen, die Lebenswirklichkeit von jungen Menschen ernst zu nehmen und sie in ihrer digitalen Mündigkeit zu unterstützen". Richtschnur für diese Aufgabe bilden zum einen das christliche Menschenbild und zum anderen die ethischen und sozialen Maßstäbe, die für ein gutes gesellschaftliches Miteinander sorgen. Dazu gehört aus Sicht des BDKJ u. a. auch, das Thema Datenschutz aus der Sicht von Kindern und Jugendlichen zu bedenken und eine angemessene Balance zwischen bewahrendem Schutzgedanken und Empowerment zu finden, statt den "kategorischen[n] Ausschluss bestimmter verbreiteter Dienste" durchzusetzen. Dass der Weg dorthin gemeinsam beschritten werden und der Austausch dazu gerade im Netz stattfinden muss, zeigt der Blog digitalelebenswelten.bdkj.de in der Vielfalt seiner Tipps und Positionen deshalb umso eindrücklicher.

 

 

 

 

Autor: Dr. Anna Grebe Medienwissenschaftlerin und Referentin im Bereich Jugendhilfe, bis Mai 2018 begleitete sie die AG Digitale Lebenswelten des BDKJ-Bundesverbandes als Referentin.

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