Salzkörner

Samstag, 3. Juli 2010

Unsichtbares Kloster – sichtbare Werkstatt

Ein schönes Bild für die Ökumene hat der scheidende Präsident des Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, dem (nicht nur) die Katholiken in Deutschland und weltweit zu großem Dank verpflichtet sind, in diesen Tagen in Erinnerung gerufen. Man könne die Ökumene als "unsichtbares Kloster" bezeichnen. "In einem sichtbaren Kloster lebt und betet man gemeinsam; im unsichtbaren Kloster lebt und betet man über alle Welt verstreut – aber vereint im Glauben." Und Kasper fragt: "Ist das nicht schon eine intensive und tiefe kirchliche Einheit?"
Nach dem großen Erfolg des 2. Ökumenischen Kirchentags im Mai in München möchte man das Bild des Kardinals ergänzen. So sehr die Ökumene einem "unsichtbaren Kloster" gleichen mag, so sehr wird sie immer stärker zu einer "sichtbaren Werkstatt" der Gemeinschaft im Glauben, aus der ein entschiedenes Christsein in der Gesellschaft und Christsein für die Gesellschaft folgt. München hat das überzeugend gezeigt: Die Christen engagieren sich aus ihrem gemeinsamen Glauben heraus für unser Land, für mehr Gerechtigkeit in der Einen Welt, für die Bewahrung der Schöpfung, für Gerechtigkeit und Frieden.
Mit 130.000 Dauer- und weiteren 40.000 Tagesteilnehmenden war der 2. ÖKT noch größer als alle Katholikentage und Kirchentage der letzten 20 Jahre. Diese Ausgabe der Salzkörner enthält einen ersten zusammenfassenden Bericht, der freilich ausschnitthaft bleibt: Von jedem unserer Großereignisse gibt es so viele "Auswertungen", wie es Menschen gibt, die an ihnen teilnehmen. Sie alle werden geprägt und angespornt in ihrem Christsein – und auch das gehört zur "sichtbaren Werkstatt".
Tief bewegt haben viele von uns die Worte des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler, die er in seinem Grußwort nach dem Eröffnungsgottesdienst sagte: "Wir dürfen heute uns selbst und alle, die uns zuhören, daran erinnern, wie viel an gelebter Barmherzigkeit, an tatkräftiger Solidarität, an Dienst am anderen durch gläubige Menschen in dieser Gesellschaft lebendig ist. Das braucht unsere Gesellschaft. Das hat Dank und Anerkennung verdient." Gut, dass Unsichtbares von Zeit zu Zeit sichtbar wird.

Autor: Dr. Stefan Vesper, Generalsekretär des ZdK

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