Gesichter und Geschichten

mit Alfred Streib

Menschen verändern die Welt. Im Zentralkomitee der deutschen Katholiken kommen sie zusammen – Christ*innen aus Leidenschaft, ehren- und hauptamtlich engagiert, zu Hause in ganz verschiedenen Regionen Deutschlands. Wir stellen Sie Ihnen vor. „Gesichter und Geschichten“ heute mit Alfred Streib aus Aschaffenburg, Mitglied im Diözesanrat der Katholiken im Bistum Würzburg – und damit nah dran am kommenden Katholikentag.

Herr Streib, welcher Moment in Ihrem Leben hat Sie jüngst ins Herz getroffen?  

Innere Freude empfand ich zu Beginn des neuen Jahres, in meinem "Archiv" blätternd, bei der Feststellung, dass ich zum 23. Mal hintereinander mit der evangelischen Pfarrerin der Nachbarpfarrei St. Paulus im Stadtteil einen ökumenischen Jahresschluss-Gottesdienst an Silvester vorbereitet und gefeiert habe. Wir wechseln uns jährlich ab bei der Predigt.

Warum engagieren Sie sich im kirchlichen Bereich? 

Gründe könnte man seit meiner Kindheit finden: Christliches Elternhaus und Großeltern, eine Großmutter und mein bester Schulfreund waren evangelisch, in der Pfarrei tolle Kapläne, experimentierfreudige Lehrer, herausragende Theologieprofessoren. Beruflich hatte ich stets Kontakte zu verschiedenen Männer-Orden. Neun Jahre war ich "Bundes-Oberministrant", habe für den BDKJ die Sternsingeraktion und den Jugendkreuzweg mitgeleitet. Ich bin sehr dankbar für das, was ich in aller Freiheit mitgestalten durfte. Die Basis dafür legte mein Vater, der mich die Liebe zur Antike und Philosophie lehrte, zu Gerechtigkeit und Toleranz, Humor und Menschennähe, Latein, Theater und Fußball.

Bis heute lasse ich mich gern einbinden in dynamische Projekte – wir werden ja jetzt wieder eines erleben, den Katholikentag in Würzburg. Zum ersten Mal war ich bei so einem Ereignis als Student 1974 in Mönchengladbach dabei. Ab den 1980er Jahren haben mich diverse Aufgaben und Projekte ziemlich regelmäßig zu Katholikentagen geführt, auch zu mehreren Evangelischen Kirchentagen. 

Was wollen Sie bewegen?

Zunächst mich selbst! In Kirche, Politik und Gesellschaft, auch bei Demonstrationen für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung. Ich will auftreten für Vielfalt und gegen Volksverdummung. Ich möchte Menschen bewegen, ihnen zu Verständnis und Standpunkten verhelfen, zu einem gelingenden Leben. Das habe ich lange machen dürfen: bei Familienwochenenden und Freizeiten, bei LektorInnen-Schulungen, Fortbildungen für Pfarrgemeinderäte, durch Mitgründung der Notfallseelsorge, Vorträge zu biblischen Themen, liturgische Bildung, Sakramenten-Vorbereitung. Manches geht auch jetzt weiter, nach dem Ende meiner beruflichen Laufbahn, auf Einladung.

Was macht Sie an Ihrer Arbeit glücklich?

Vielleicht hatte ich tatsächlich Glück, immer wieder interessante Menschen zu treffen, mit ihnen zu arbeiten, auch zu feiern. Musiker, Künstler, Politiker, Bischöfe - ja, aber zuvorderst Erwachsene, Jugendliche und Kinder aus Kirchengemeinden. Und meistens war ich gerne mit ihnen unterwegs, ohne auf die Uhr zu sehen. Ich brauche keine ewigen Diskussionen. Einfach machen! Ohne sofort auf Erfolge zu schielen. Wie in den biblischen Gleichnissen: Die "Tun-Wörter" sind entscheidend.

Woher kommt Unterstützung für Ihre Projekte? 

Am Geld, an Zuschüssen und freiwilligen Leistungen ist eigentlich kein Mangel, wenn man mit den Willigen arbeitet oder sachdienlich und ideenreich Wünsche äußert. Nichts geht ohne gute Vorbereitung, Beratung, Fachwissen, Zielplanung. Zugeliefert von interessierten, wachen Menschen mit Lust auf "common sense".

Wo machen Sie am liebsten Pause von der Arbeit?

Als Rentner hat man andere Arbeit: Tagesprogramm in Ehrenämtern oder bei der Enkel-Betreuung. Es ist nicht mehr so pausenlos oder atemlos wie früher. Ich erhole mich und entspanne beim Wandern im Spessart und beim Pilgern, beim Lesen und Schreiben, durchaus bei sportlichen Übungen. Am liebsten im Sommer beim Schwimmen am Baggersee im Maintal.

Die Kirche der Zukunft ist für Sie…

... nur in ökumenischer Eintracht denkbar, auch mit den christlichen Kirchen des Ostens. Dabei hilft der Verzicht auf theologische Streitigkeiten, weil das Meiste geklärt ist. Einigkeit geht vor Einstimmigkeit und Engstirnigkeit und Einsamkeit. Und immer schön in der Nachfolge Jesu bleiben! Möge man es Evangelisierung nennen … Es geht um ein Miteinander auf dem irdischen Weg, der vor uns liegt.

Alfred Streib, geboren 1954, ist in einem Dorf nahe Kloster Münsterschwarzach aufgewachsen und verbrachte seine Schulzeit in Würzburg. Studium der Theologie und Philosophie in Würzburg und München, 1979-1988 Referent für Liturgie und Ministranten bei der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz im Jugendhaus Düsseldorf. 1988-1999 Bildungs- und Medienreferent im Martinushaus Aschaffenburg und anschließend bis 2020 Familienseelsorger am bayerischen Untermain. Alfred Streib ist im (Un)Ruhestand Mitglied des Diözesanrats der Katholiken im Bistum Würzburg und Delegierter im ZdK.

Haben Sie Fragen?

Telefon: +49 (0) 30 166380-630
E-Mail: presse(at)zdk.de

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