Gesichter und Geschichten
mit Johanna Beck
Menschen verändern die Welt. Im Zentralkomitee der deutschen Katholiken kommen sie zusammen – Christ*innen aus Leidenschaft, ehren- und hauptamtlich engagiert, zu Hause in ganz verschiedenen Regionen Deutschlands. Wir stellen sie Ihnen vor. „Gesichter und Geschichten“ heute mit der Publizistin Johanna Beck, Einzelpersönlichkeit im ZdK und ehemaliges Mitglied des Sprecher*innenteams des Beirats der Betroffenen von sexueller Gewalt bei der Deutschen Bischofskonferenz.
Frau Beck, welcher Moment in Ihrem Leben hat Sie jüngst ins Herz getroffen?
Im Dezember – mitten im Advent – ist mein Vater überraschend verstorben. Es war eine der schmerzvollsten Erfahrungen meines bisherigen Lebens, denn mein Vater und ich standen uns sehr nahe und waren uns wirklich ähnlich. Gleichzeitig bin ich voller Dankbarkeit für all die Dinge, die er mir als Tochter mitgegeben und geschenkt hat. So war er für mich beispielsweise ein großes Vorbild im Glauben und im ehrenamtlichen Engagement: Für ihn bedeutete Katholischsein eine untrennbare Verbindung von Herz und Verstand, von Spiritualität und kritischem Geist. Außerdem war er ein engagierter Zeitgenosse, der aus innerer Überzeugung in verschiedenen Verbänden aktiv war und sich für eine bessere Welt und Gesellschaft eingesetzt hat. Die Trauer wird bleiben, aber ich weiß, dass ich nun einen weiteren „guten Geist“ im Himmel habe, der besonders auf mich Acht gibt. Das tröstet und trägt mich.
Warum engagieren Sie sich im kirchlichen Bereich?
Im Grunde sind es drei „Motoren“, die mich antreiben: Der Glaube, die Liebe zum Evangelium und die schmerzvollen Missbrauchserfahrungen, die ich im Raum der Kirche erleiden musste. Der Glaube, die Glaubensgemeinschaft, die biblischen Texte und das Wissen um die hellen Seiten der katholischen Kirche geben mir Kraft und Motivation, mich für eine bessere und zukunftsfähigere Kirche einzusetzen. Mein Schmerz angesichts meiner eigenen Verwundungen und der dunklen Seiten der Kirche treiben mich wiederum an, mich für die Aufarbeitung der Missbrauchsabgründe einzusetzen und das Thema – auch gegen Widerstände – wachzuhalten. All diese Faktoren sind für mich untrennbar miteinander verbunden.
Was wollen Sie bewegen?
Ich setze mich für eine Reform der missbrauchsbegünstigenden Strukturen und Denkmuster in der katholischen Kirche ein. Zu diesen kritischen Punkten zählen vor allem die Machtfrage, die Sexualmoral, aber auch Aspekte wie die Geschlechterungerechtigkeit. Die Kirche hat schon einige gute Präventionsprojekte auf den Weg gebracht, aber die Neubuchstabierung dieser wunden Punkte ist AUCH eine Form der Missbrauchsprävention! Gleichzeitig ist es mir ein großes Anliegen, dass die vielen starken und hochkompetenten Frauen, die eine Berufung zur Diakonin oder Priesterin in sich verspüren, diese auch offiziell leben und damit die Kirche bereichern und beleben können. Aus diesen Gründen arbeite ich – zusammen mit vielen anderen Menschen – daran, die Kirche sicherer, partizipativer, geschlechtergerechter zu machen.
Was macht Sie an Ihrer Arbeit glücklich?
An meiner beruflichen Arbeit als Autorin und Journalistin liebe ich die Begegnung mit spannenden und inspirierenden Menschen jeglicher Couleur, mich in interessante Themen – vor allem im Bereich Spiritualität – „einzugraben“ und sie dann zu vermitteln und natürlich das Schreiben per se. Bei meinen ehrenamtlichen Tätigkeiten sind es ebenfalls die vielen tollen Menschen, mit denen ich mich austauschen, vernetzen und um Reformen ringen kann, die mich glücklich machen. Und meine ehrenamtlichen Aktivitäten geben mir das Gefühl, diesen ganzen katholischen Problemfeldern nicht einfach ohnmächtig ausgesetzt zu sein, sondern wirklich etwas tun und verändern zu können.
Woher kommt Unterstützung für Ihre Projekte?
Da muss ich natürlich als erstes meinen Mann nennen, der mir bei all meinen Projekte den Rücken freihält und meine Familie, die mich dabei immer unterstützt - vor allem meine frauenbewegte Tochter, die mich regelmäßig anfeuert: „Super Mama, dass du für Frauenrechte kämpfst!“. Daneben sind es vor allem die verschiedenen katholischen Verbände und Gruppierungen, die Frauennetzwerke (Stichwort: „Bildet Banden!“), die mir Rückenwind und Zuversicht geben. Nicht zuletzt stärkt mich die Solidarität, die ich immer wieder unter Betroffenen erleben darf.
Wo machen Sie am liebsten Pause von der Arbeit?
Zum einen in der Natur – denn sie ist meine große Auftank-Quelle! Immer, wenn ich ein kleines freies Zeitfenster habe, gehe ich in den Wald, laufe ein paar Runden, atme tief durch und genieße die heilsame Stille. Auch in unserem kleinen Garten genieße ich das Grün und das Herumwerkeln an meinen Hochbeeten. Zum anderen gehe ich tatsächlich sehr gerne in die eine oder andere Kirche, um eine Kerze anzuzünden, nachzudenken und in die Kontemplation zu gehen. Hier kann ich besonders gut zu mir, zur Ruhe und zu Gott kommen.
Die Kirche der Zukunft ist für Sie…
… evangeliumsgemäß, geschlechtergerecht, demütig, heilsam, relevant und ja, auch politisch! Eine Kirche, die offene Ohren und offene Arme für die Marginalisierten, Verwundeten und Ausgestoßenen unserer Zeit hat, die sich aktiv in die Welt einbringt und dafür sorgt, dass das Reich Gottes auch im Hier und Jetzt immer wieder aufleuchten kann. Und ich träume von einer Kirche, die ein „doppelter Safe Space“ ist: Ein Ort, an dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene sicher vor Missbrauch aller Art sind. Und ein Ort, an dem Menschen, die in anderen Kontexten Missbrauch erfahren mussten, Hilfe, Schutz und bestenfalls sogar Heilung erleben dürfen.
Johanna Beck, geboren 1983 in Würzburg, Literaturwissenschaftlerin, Autorin („Gottes erstaunliche Häuser“, „Mach neu, was dich kaputt macht“) und Journalistin (v. a. „Christ in der Gegenwart“), ist als Einzelpersönlichkeit im ZdK, ist Mitglied des Sachbereichs 4, war für mehrere Jahre Gastsynodale beim Synodalen Weg und Teil des Sprecher*innenteams des Betroffenenbeirats bei der Deutschen Bischofskonferenz. Sie ist verheiratet und Mutter von drei Kindern und lebt in Stuttgart.
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