Gesichter und Geschichten - April 2026

mit Marie von Manteuffel

Menschen verändern die Welt. Im Zentralkomitee der deutschen Katholiken kommen sie zusammen – Christ*innen aus Leidenschaft, ehren- und hauptamtlich engagiert, zu Hause in ganz verschiedenen Regionen Deutschlands. Wir stellen Sie Ihnen vor. „Gesichter und Geschichten“ heute mit Marie von Manteuffel, Trägerin des Preises „Frau Europas 2025“, Einzelpersönlichkeit im ZdK und Sprecherin des Sachbereichs „Internationales und Nachhaltigkeit“.

Frau von Manteuffel, welcher Moment in Ihrem Leben hat Sie jüngst ins Herz getroffen?  

Mich beschäftigt sehr, wie selbstverständlich und mit welch technischen Vokabular derzeit über Krieg gesprochen wird, wie wenig Platz es zu geben scheint für die praktische, tagtägliche Lebensrealität der Menschen, die davon betroffen sind.  

Vor ein paar Wochen konnte ich mit anderen ZdK-Mitgliedern im Rahmen von IXE nach Lviv in die Ukraine reisen. Dort haben sich mir vor allem zwei Bilder ins Herz gebrannt: Eine Fußballmannschaft von Veteranen, die all ihrer Kriegsverletzungen zum Trotz, größtenteils auf Krücken gestützt und hochengagiert, Fußball spielen. Und zum anderen, wie jeden Abend auf dem zentralen Marktplatz in Lviv die Porträts der gefallenen Soldat*innen aufgestellt werden, deren Beerdigung am kommenden Vormittag anstehen. Jeden Abend neue Porträts, jeden Morgen neue Beerdigungen.

Warum engagieren Sie sich im kirchlichen Bereich? 

Bei Reisen und Begegnungen in humanitären Projekten habe ich erleben können, welches Potenzial Kirche als Bindekraft für die lokalen Gemeinschaften entwickeln kann. Die Motivation und Kraft, die Menschen aus dem Glauben ziehen, gerade unter widrigsten Umständen, hat mich immer wieder tief berührt. In einer zunehmend fragmentierten Gesellschaft gilt es für mich umso mehr, diese bindende Kraft zu stärken – auch bei uns. Dazu möchte ich meinen Beitrag leisten. 

Was wollen Sie bewegen?

In der humanitären Arbeit geht es zunächst um die ganz konkrete Verbesserung für Menschen in Notsituationen und Krisen. Das ist meine Arbeit. Mich bewegt dabei, dass es auch immer die übergeordnete Dimension gibt, in die sich alle konkrete humanitäre Arbeit einbettet. Das ist der universell – also für jede*n gleichermaßen – geltende Kanon der Menschenrechte und das internationale humanitäre Völkerrecht, auf das sich nahezu alle Staaten weltweit eingeschworen haben als Antwort auf die Gräuel zweier Weltkriege. Zwischen diesen Ebenen Brücken zu bauen ist mein Ansporn.

Was macht Sie an Ihrer Arbeit glücklich?

Glücklicherweise darf ich immer wieder erleben, wie viel Gutes das Engagement jede*s Einzelnen bewegen kann. Konkrete Verbesserungen für Menschen in Not gemeinsam erreichen zu können, das macht mich glücklich.

Woher kommt Unterstützung für Ihre Projekte? 

Seit anderthalb Jahren arbeite ich hauptamtlich für Caritas international und erlebe das Netzwerk der verschiedenen Caritas Strukturen weltweit als engagierten lebendigen und unglaublich vielfältigen Organismus, in dem wir uns gegenseitig bestärken und unterstützen können. Durch den weltweiten Austausch kommen immer wieder Ideen und Projekte zustande, die jede*r für sich so nicht hätte ausdenken können.

Wo machen Sie am liebsten Pause von der Arbeit?

Alles was mit Musik, v.a. klassischer Musik zu tun hat empfinde ich als unglaublich erholsam. Am liebsten natürlich live im Konzert oder der Oper, was leider zeitlich nicht oft genug möglich ist. Zur Not singen meine kleine Tochter und ich uns gegenseitig lauthals unsere Lieblingslieder vor.

Die Kirche der Zukunft ist für Sie…

… ein Raum der Vielfalt, mit Platz für Zweifel, Fragen und Hoffnung. 

Und eine Gemeinschaft, die unserer Gesellschaft zu aktuellen Fragen Orientierung gibt. Denn gerade jetzt, mit so überwältigend scheinenden globalen Herausforderungen wünsche ich mir Kirche als einen verbindenden Ort und als eine Verteidigerin elementarer Menschenrechte.

Marie von Manteuffel arbeitet hauptamtlich als Policy Lead für Caritas international. Sie ist Trägerin des Preises „Frau Europas 2025“, Einzelpersönlichkeit im ZdK sowie Sprecherin für den Sachbereich „Internationales und Nachhaltigkeit“.

Haben Sie Fragen?

Telefon: +49 (0) 30 166380-630
E-Mail: presse(at)zdk.de

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