Gesichter und Geschichten - Oktober 2026
mit Yvonne Willicks
öffnet größere Variante in Lightbox
(Foto: privat)
Menschen verändern die Welt. Im Zentralkomitee der deutschen Katholiken kommen Sie zusammen – Christ*innen aus Leidenschaft, ehren- und hauptamtlich engagiert, zuhause in ganz verschiedenen Regionen Deutschlands. Wir stellen sie Ihnen vor. „Gesichter und Geschichten“ heute mit Yvonne Willicks, Fernsehmoderatorin und Buchautorin, Einzelpersönlichkeit im ZdK.
Frau Willicks, welcher Moment in Ihrem Leben hat Sie jüngst ins Herz getroffen?
Das war das Liborifest in Paderborn im Sommer. Dort habe ich eine tief gelebte Frömmigkeit erlebt – und gleichzeitig die Sehnsucht vieler Menschen nach Verbundenheit im Glauben, auch wenn sie längst nicht mehr jeden Sonntag in der Kirchenbank sitzen. Das Motto „mittendrin“ konnte man dabei ziemlich wörtlich nehmen: Der Schrein des heiligen Liborius wird durch die Stadt getragen, vorbei an Bratwurstbuden, Pfannen und Suppengewürz. Heiliger und höchst weltlicher Alltag direkt nebeneinander. Mich hat das sehr angerührt. Vielleicht brauchen wir genau solche Glaubensinseln: Orte und Momente, an denen wir spüren können, dass wir mit unserem Glauben nicht allein sind.
Warum engagieren Sie sich im kirchlichen Bereich?
Weil es meine Kirche ist. Und mit der eigenen Familie ist es ja ähnlich: Man liebt sie nicht deshalb, weil man immer einer Meinung ist. Manchmal gerade im Gegenteil.
Ich mag auch das Streitbare an Kirche und die Reibungsfläche. Es gibt vieles, worüber wir reden und streiten müssen – über Macht und Hierarchien, über Missbrauch und darüber, wie Kirche glaubwürdig bleiben oder wieder glaubwürdig werden kann. Weggehen und die anderen machen lassen ist für mich aber keine Lösung. Wenn mir etwas wichtig ist, mische ich mich ein.
Und dann erlebe ich immer wieder das große Geschenk dieser Weltkirche. Auf meiner Reise mit dem Bonifatiuswerk in Island habe ich neulich fünf Messen mitgefeiert – alle auf Isländisch. Verstanden habe ich sprachlich herzlich wenig. Und trotzdem wusste ich in der Liturgie immer, wo ich gerade bin. Da wird plötzlich ganz konkret erfahrbar, was katholisch im ursprünglichen Sinne bedeutet: weltweit verbunden zu sein.
Was wollen Sie bewegen?
Ich möchte dazu beitragen, dass Kirche nah bei den Menschen bleibt – bei ihrem wirklichen Leben. Bei Familien, Arbeit, Sorgen und Freude, bei Glauben und Zweifel. Wir sollten Menschen nicht danach sortieren, wie häufig sie sonntags in der Kirchenbank sitzen. Ich erlebe eine große Sehnsucht nach Glauben, Ritualen, Gemeinschaft und Orten, an denen Menschen Trost und Hoffnung finden. Das habe ich bei Libori erlebt und auch in Kevelaer, wo ich eine Kolping-Pilgergruppe aus Bremerhaven begleiten durfte. Solche Orte und Gemeinschaften brauchen wir. Und gleichzeitig eine Kirche, die sich verändern lässt von den Menschen, die in ihr leben.
Was macht Sie an Ihrer Arbeit glücklich?
Menschen. Ganz eindeutig. Wenn aus einer Begegnung plötzlich ein echtes Gespräch wird. Wenn jemand sagt: „Darüber habe ich noch nie so nachgedacht.“ Oder wenn etwas, das ich gesagt, geschrieben oder angestoßen habe, bei einem anderen weiterarbeitet.
Und ich mag es, wenn Glaube dabei ganz selbstverständlich zum Leben gehört. Nicht mit ständig gefalteten Händen und bedeutungsschwerem Blick. Glauben darf auch fröhlich sein. Er darf am Küchentisch stattfinden, auf einer Wallfahrt, beim gemeinsamen Essen – und meinetwegen auch zwischen Bratwurstbude und Liborischrein.
Woher kommt Unterstützung für Ihre Projekte?
Von Menschen, die nicht lange darüber reden, sondern einfach machen. Ich erlebe das bei Kolping, kfd und KAB, beim ZdK und beim Bonifatiuswerk – und bei den unzähligen Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren.
Gerade dieses Ehrenamt beeindruckt mich immer wieder. Da wird nicht erst gefragt, ob etwas in eine Stellenbeschreibung passt. Da sieht jemand, was gebraucht wird, und packt an. Ohne diese Menschen sähe unsere Kirche – und übrigens auch unsere Gesellschaft – ziemlich alt aus.
Wo machen Sie am liebsten Pause von der Arbeit?
Bei meiner Familie. Am liebsten mit Kindern und Enkeln um mich herum, etwas Ordentlichem zu essen auf dem Tisch und dem Gefühl, dass jetzt gerade nichts erledigt werden muss. Wobei Letzteres in unserer Familie eher ein theoretisches Konzept ist.
Die Kirche der Zukunft ist für Sie…
…eine Kirche mittendrin. Nicht über den Menschen und nicht neben ihrem Leben, sondern mittendrin. Eine Kirche, die weiß, woher sie kommt, und trotzdem den Mut hat, sich zu verändern. Die zuhört, streitet, Trost spendet, Gemeinschaft ermöglicht und auch Widerspruch aushält. Eine Weltkirche, in der ich mich in einer isländischen Messe genauso zu Hause fühlen kann wie in Kevelaer oder beim Liborifest in Paderborn. Und eine Kirche, in der Nächstenliebe nicht nur gepredigt, sondern gelebt wird.
Yvonne Willicks, geboren 1970, ist Fernsehmoderatorin, Journalistin und Autorin. Sie moderiert die „Servicezeit“ im WDR Fernsehen und das Primetime-TV-Format „Der Haushaltscheck mit Yvonne Willicks“. Nebenher engagiert sie sich im ZdK, bei Kolping, für die kfd und als Schirmherrin der KAB; auch Projekte von Bonifatiuswerk und Misereor unterstützt sie immer wieder gern. In ihren Büchern beschäftigt sie sich mit Glauben, Familie und der Frage, was Menschen und Generationen zusammenhält.
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