Wahlrede der ZdK-Präsidentin Dr. Irme Stetter-Karp

Wahlrede der ZdK-Präsidentin im Rahmen der ZdK-Vollversammlung vom 28. bis 29. November 2025 in Berlin - es gilt das gesprochene Wort

Liebe Mitglieder des ZdK! 

Vor vier Jahren haben Sie mir das erste Mal Ihr Vertrauen geschenkt. Ich war damals überwältigt von Ihrem kraftvollen Applaus und ihrem starken Votum, das mich als neue Präsidentin des ZdK beflügelt hat. 

Seither sind die Tage in Windeseile vergangen. Gemeinsam mit Ihnen und einem wunderbaren Präsidiumsteam konnte ich Manches bewegen. Ich bin dankbar für das, was wir zusammen geschafft haben! 

Als ZdK sind wir in Berlin angekommen. Wir haben uns vernetzt und positioniert. Dank unseres Generalsekretärs und eines engagierten Teams konnten wir viele politische Gespräche führen: im Bundeskanzleramt, im Bundespräsidialamt und mit den Parteispitzen. Nahezu täglich führen wir Gespräche mit MdBs, mit Netzwerkpartnern – auch dank Ihnen, die SIE in Politik und Gesellschaft unterwegs sind! Ich bemerke immer wieder neu: Unser Einsatz für Gerechtigkeit wird gesehen und gehört!

Im Frühjahr habe ich Ihnen gesagt: Ich möchte weiter dafür einstehen, dass unser Engagement zählt. Und deshalb bin ich bereit, mit der gleichen Energie und Leidenschaft weiterzumachen! 

Hier stehe ich also mit der Bitte um Ihre Unterstützung für eine zweite Amtszeit! 

Ich habe vier gute Gründe, warum ich mit Leidenschaft weitermachen möchte. 

 

Erstens: Zusammen mit diesem ZdK stehe ich dafür ein, dass Demokratie und Christsein zusammengehören! Wir alle wissen: Frieden ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Nicht in unserer Gesellschaft – und auch nicht auf der Weltbühne. Wir müssen dafür kämpfen, dass die Demokratie nicht untergeht. Nicht in unserem Land – und nicht in der Welt. Wer hätte gedacht, dass Europa seit 2022 durch einen Krieg in der Ukraine erschüttert wird? Dass Gefahr für die westliche Welt und ihre Werte droht? Wer hätte gedacht, dass im Oktober 2023 ein grausamer Terrorangriff die Lage im Nahen Osten eskalieren lässt? Und dass bei unseren transatlantischen Freunden die Demokratie mit der Brechstange bearbeitet wird? Die globalen Herausforderungen gehen uns alle an! In so einer Phase – gerade in so einer Phase (!) – gibt uns unser Glaube Kraft, öffentlich für die Würde aller Menschen einzustehen. 

 

Zweitens: Zusammen mit diesem ZdK will ich in Zeiten großer Herausforderungen Haltung zeigen – für eine gerechte Gesellschaft! Wir dürfen uns nicht aus dem gesellschaftlichen Diskurs zurückziehen – gerade jetzt sind Solidarität und Zusammenhalt dringend geboten!  Wir stehen auf für soziale Gerechtigkeit und Zusammenhalt! Für eine humane Migrationspolitik, eine gerechte Pflegeversorgung, für Wirtschaftsförderung, für Bildungschancen, für Klimaschutz, für Familienpolitik! Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Kirche sich in den Dienst einer diakonischen, solidarischen Gesellschaft stellen muss. Einen Rückzug halte ich für ausgeschlossen!

Zugleich sehe ich beunruhigt. Hass wächst! Auseinandersetzungen werden zunehmend aggressiv geführt, antisemitische und rassistische Übergriffe haben einen neuen Höchststand erreicht. Wir werden dem weiterhin entschlossen entgegentreten. In dieser Lage dürfen wir nicht schweigen. Wir müssen uns einmischen! 

 

Drittens: Zusammen mit diesem ZdK sorge ich mich um unsere Kirche. Wo ist sie geblieben – die Kirche, der Menschen überall im Land vertrauten? Wo ist sie geblieben – die Kirche, die als Ort der Geborgenheit galt? Der Missbrauchsskandal hat alles erschüttert. Wir müssen heute die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs konsequent voranbringen. Betroffene haben unendlich gelitten und leiden noch. Ich bin erschrocken über die Erschöpfung, die sich in diesem Themenfeld ausbreitet! Es ist noch zu viel zu tun. Mein Signal ist klar: Ich bleibe an diesem Thema dran!

 

Viertens: Zusammen mit Ihnen allen im ZdK streite ich für eine Erneuerung unserer Kirche. Wir wollen eine synodale, eine dienende, eine geschlechtergerechte Kirche sein. Der Reformwille lebt - weltweit! Gemeinsam zu beraten – und gemeinsam zu entscheiden – das ist der Weg der Kirche im 21. Jahrhundert!  Mein Anliegen bleibt, dass unsere Kirche das Leben der Menschen ernst nimmt und ihnen dient. 

Aus diesen vier Gründen für meine erneute Kandidatur leite ich ab, dass wir uns auch als ZdK erneuern können: 

 

Zunächst gilt: Wir müssen die Ergebnisse der Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung ernstnehmen. Die Zahlen sind alarmierend; ich werde dafür kämpfen, dass wir, gemeinsam mit den Bischöfen, daraus Konsequenzen ziehen. Auf Zeit zu spielen, ist keine Option! 

Dann müssen die überdiözesanen Aufgaben der Kirche finanziell gesichert und transparenter gestaltet werden! Dafür müssen wir als ZdK streiten. Denn von allein geschieht nichts. 

Und schließlich müssen wir uns noch stärker mit den Räten auf Bistumsebene vernetzen, mehr voneinander wissen und uns gegenseitig unterstützen. Nur gemeinsam sind wir stark. 

 

Liebe Mitglieder, der Schatz im ZdK ist unsere Vielfalt an Erfahrungen und Fachkenntnissen. Lassen Sie uns diesen Schatz heben! Und mit ihm arbeiten! Wir müssen dabei experimentierfreudig sein. Wir haben im ZdK immer wieder bewiesen: Wir können das! 

Ich setze auf eine katholische Zivilgesellschaft, die beweglich ist, kreativ und lernfähig! Als Veranstalter des 104. Deutschen Katholikentags 2026 in Würzburg wird das ZdK einmal mehr seine ganze Kraft, seinen Mut und seine Leidenschaft für eine solidarische Gesellschaft zeigen. Der Katholikentag wird ein Kraftfeld sein. Für alle Menschen, die daran teilnehmen! 

Ich danke Ihnen nochmals für Ihr Vertrauen in den vergangenen Jahren. Ihr starkes Votum hat mich durch die vier Jahre getragen! Und das gilt auch für Ihre konstruktive Kritik.

Ich möchte weiterhin Ihre Präsidentin sein. Dafür will ich gemeinsam mit Ihnen – zusammen mit Euch – das richtige Zeichen setzen: 

Wir können Zukunft!

                                                                    

                                                                     Berlin, den 28.11.2025

Rede „Wahlrede der ZdK-Präsidentin Dr. Irme Stetter-Karp“ als PDF

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