„Hans Maier war einer, der mit Gott gelebt hat“
Trauerrede der ZdK-Präsidentin Dr. Irme Stetter-Karp für Prof. Dr. Hans Maier am 17. Juni 2026 in München - es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrte, liebe Familie Maier,
sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
sehr geehrte Frau Landtagspräsidentin,
verehrter Kardinal Marx,
liebe Trauergemeinde,
wir stehen heute in Trauer zusammen – und zugleich in großer Dankbarkeit. Wir nehmen Abschied von Prof. Dr. Hans Maier, einem tief gläubigen Christen, einem klugen und wachen Geist und einem Mann, der sein Leben in den Dienst Gottes und der Menschen gestellt hat. Hier in München eröffnete er 1984 den Katholikentag unter dem Leitwort „Dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt“. Wahrlich: Hans Maier war einer, der mit Gott gelebt hat!
Mit Hans Maier verliert das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und mit uns die katholische Kirche in Deutschland eine herausragende Persönlichkeit der Nachkriegsgeschichte.
Hans Maier war ein großer Christ und ein bedeutender Intellektueller. Über viele Jahrzehnte war er das Gesicht des politischen Katholizismus weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Wie kaum ein anderer verband er universelle Gelehrtheit mit politischer Gestaltungskraft. Zugleich war er ein durch und durch unprätentiöser Mann. Dass wir rund um seinen Sarg keinen der unzähligen Orden sehen, mit denen er geehrt wurde, zeugt über seinen Tod hinaus von seiner Bescheidenheit, die ihn immer ausgemacht hat.
Hans Mayer zeigte Haltung und gab Orientierung. Er war Politiker, Wissenschaftler und Künstler in einer Person. Ein besonderes Anliegen war ihm der Dialog zwischen Kunst und Kirche.
41 Jahre lang war Hans Maier ein prägendes Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Von 1976 bis 1988 war er unser Präsident. Fünf Katholikentagen stand er in dieser Zeit vor.
Er trug maßgeblich dazu bei, den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Kirche in Deutschland lebendig werden zu lassen. Dafür übernahm Prof. Maier als führendes Mitglied der Würzburger Synode persönlich Verantwortung.
In seinem Buch „Keine Demokratie? Laienmeinung zur Kirche“ schrieb Maier: „Die Kirche ist keine Demokratie, gewiss. Aber sie lebt in einer Demokratie. Will sie in der Gesellschaft präsent sein, so muss sie demokratische Wege gehen, sich demokratischer Mittel bedienen. Was alle angeht, muss auch von allen getragen werden.“ Dieses Erbe von Hans Maier - dass die Laien in der Kirche berufen und verpflichtet sind, in der Welt zu sprechen und zu handeln – tragen wir verantwortungsvoll weiter!
Für ihn war der Mensch nie eine abstrakte Größe, sondern immer konkretes Gegenüber – mit seiner Würde, seiner Freiheit und mit seiner Verletzlichkeit. Die katholische Soziallehre war ihm deshalb nicht bloß Leitlinie, sondern Herzensanliegen: eine Einladung, den Glauben in tätige Verantwortung zu übersetzen.
Ein besonders eindrückliches Zeugnis dafür war Hans Maiers persönliches Engagement bei der Gründung von Donum Vitae. In einer schwierigen und schmerzvollen Auseinandersetzung innerhalb von Kirche und Gesellschaft hat er sich mit großer persönlicher Standhaftigkeit dafür eingesetzt, dass Frauen in existenziellen Konfliktsituationen nicht allein gelassen werden.
Sein Einsatz war geprägt von einem zutiefst christlichen Verständnis von Lebensschutz: nicht als abstrakte Forderung, sondern als konkrete Hilfe. Nicht als Urteil, sondern als Begleitung. Nicht als Distanz, sondern als Zuwendung.
Dafür steht Donum Vitae bis heute: für den Geist der Barmherzigkeit und Verantwortung, für die Achtung vor dem Leben und für den Respekt vor dem Gewissen und der Selbstbestimmung jeder Frau. Dass Donum Vitae entstehen konnte und bis heute vielen Menschen beisteht, ist untrennbar mit dem Namen Hans Maier verbunden. Sein Zeugnis machte sichtbar, was christliche Nächstenliebe konkret bedeutet. Das macht ihn für mich und viele andere zu einem Vorbild.
Für das Zentralkomitee der deutschen Katholiken war Hans Maier ein kluger Ratgeber, ein aufmerksamer Zuhörer und zugleich eine Stimme, die öffentlich gehört wurde. Er war ein Gesprächspartner, der Unterschiede ernst nahm und dennoch immer auf Verständigung zielte. Er hat Brücken gebaut – zwischen Positionen, zwischen Generationen, zwischen Kirche und Gesellschaft. Sein Wort hatte Gewicht, weil es aus Überzeugung kam und von Respekt getragen war.
Heute nehmen wir Abschied von ihm. Und wir spüren: Seine Stimme wird fehlen. Seine Klarheit. Seine ruhige, verlässliche Art. Doch sein Denken, sein Engagement und sein Beispiel bleiben. Sie ermutigen uns, Verantwortung zu übernehmen, den Dialog zu suchen und den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen!
Besonders Ihnen, seinen Töchtern und Enkelkindern, möchte ich mein tief empfundenes Mitgefühl aussprechen. Wir danken Ihnen sehr, dass Sie Ihren Vater, diesen besonderen Menschen, mit der Welt geteilt haben. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Möge Sie die Gewissheit tragen, dass sein Leben reiche Frucht getragen hat – und dass seine Spuren bleiben. Gemeinsam dürfen wir als Christen darauf vertrauen, dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
In Dankbarkeit und im Vertrauen darauf, dass Gott sein Leben vollendet, legen wir Hans Maier zurück in die Hände seines Schöpfers. So nehmen wir Abschied – dankbar für das, was war, getragen von der Hoffnung, die uns verheißen ist. Wir werden seiner im Gebet gedenken.
Trauerede „Hans Maier war einer, der mit Gott gelebt hat“ als PDF