Europa wertschätzen: Für widerstandsfähige Institutionen und eine starke Demokratie eintreten

Erklärung der Initiative Christen für Europa

“Europa hat sich dann entfaltet und weiterentwickelt, wenn es gelang, von den positiven Aspekten seiner Vergangenheit zu lernen und diese dank der Begegnung mit dem Anderen in neuen und kreativen Formen neu zu beleben.”[1], hob Papst Leo XIV. während seines Besuchs in Metz im September 2026 hervor. “Die Universalität der Grundwerte Europas gibt uns die Gewissheit, dass dieser Dialog möglich ist und unseren Gesellschaften ein solides Fundament bieten kann, das es uns erlaubt, uns wirksamer für den Frieden und eine versöhnte Welt einzusetzen. Genau diese Klarsicht hat Männer wie Schuman dazu inspiriert, die Gegnerschaft kultureller Identitäten zu überwinden und die europäischen Institutionen ins Leben zu rufen – nach der unermesslichen Tragödie des Zweiten Weltkriegs, die deutlich gemacht hat, wie groß das vom Menschen begangene Unheil ist, wenn er glaubt, bei der Ausübung seiner Macht auf keinerlei Hindernisse zu stoßen.”[2]

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums unserer Initiative blicken wir auf Fortschritte und Rückschläge des europäischen Projekts zurück. Die Initiative der Christen für Europa hat während dieser Zeit christliche Positionen zur Europapolitik bezogen. In unserer ersten gemeinsamen Erklärung forderten wir dazu auf, die Bedeutung des europäischen Projekts wiederzuentdecken. Der Schutz der Menschenwürde am Anfang und am Ende des Lebens, für Geflüchtete, angesichts der Klimakrise und auch angesichts des terroristischen Krieges Russlands gegen die Ukraine war und bleibt für uns eine Priorität.[3] Unser Engagement für die liberale Demokratie und soziale Gerechtigkeit sowie gegen Extremismus ist unerschütterlich.

Doch wie Robert Schuman sind wir uns bewusst, dass dies von einem kontinuierlichen Einsatz und von Anstrengungen abhängt, die auf gemeinsamen Werten beruhen.[4] Der Multilateralismus basiert auf dem Völkerrecht. Wenn er untergraben wird, muss Europa geeint auftreten und weiterhin ein starker und verlässlicher Verfechter dieses Prinzips bleiben. Wenn interne und externe Kräfte unsere Werte bedrohen, stehen wir auf und verteidigen sie, denn Europa ist ein Projekt des Friedens, der Freiheit und der Demokratie, das ohne diese Werte nicht vorstellbar ist. Christliche Antworten auf politische Krisen sind nicht von Angst getrieben, sondern von Hoffnung und Selbstvertrauen. Wir lassen uns nicht einschüchtern. [5]

Insbesondere der Rechtsextremismus, oftmals von externen Akteuren angeheizt, untergräbt den Zusammenhalt, unterminiert die Rechtsstaatlichkeit, fördert Rassismus und schikaniert Minderheiten. Die Europäische Kommission hat die Werte, die Rechtsstaatlichkeit und auch den europäischen Haushalt erfolgreich verteidigt – trotz der chauvinistischen Politik bestimmter (ehemaliger) Regierungen, die zu Unrecht behaupteten, für ein „christliches Europa“ einzustehen. Wir begrüßen, dass viele dieser Länder nach einem Regierungswechsel „zurück in Europa“ sind. In diesem Zusammenhang unterstützen wir uneingeschränkt das Prüfverfahren gegen die europäische politische Partei „Europa der Souveränen Nationen“ (ESN), das durch die Abstimmung des Europäischen Parlaments im Juli eingeleitet wurde.[6]Angesichts der schwerwiegenden Vorwürfe, die sich konkret auf Verstöße gegen Grundwerte sowie auf Hassrede beziehen, halten wir dies für einen mutigen und zukunftsweisenden Schritt. Zu den Verstößen zählen unter anderem Verbindungen zur Partei „Einiges Russland“.

Darüber hinaus eröffnet dieses Verfahren die Möglichkeit, Grenzen zu setzen und die Registrierung zu widerrufen, wenn Parteien Hass schüren, mit Autokraten unter einer Decke stecken oder zu körperlicher Gewalt greifen. Die Schaffung eines Präzedenzfalls kann für Klarheit sorgen. Gleichzeitig hängt die demokratische Resilienz nicht nur von starken Institutionen ab, sondern auch von einer widerstandsfähigen Zivilgesellschaft, die zu Solidarität, Verantwortung und aktiver Teilhabe fähig ist.

Unsere Aufgabe, den Sinn der europäischen Einigung wiederzufinden, ist auch nach zwanzig Jahren von hoher Relevanz. Die europäische Integration war und ist ein Schatz. Wir glauben an Europa als ein Projekt für gerechten und nachhaltigen Frieden. Die Ukraine ist nicht nur Empfängerin europäischer Solidarität, sondern Teil Europas. Sie ist eine Partnerin, mit der Europas Zukunft gestaltet wird. Wir stehen bei der Verteidigung gegen den illegalen Krieg, die Angriffe und den Terror der russischen Diktatur an der Seite unserer Geschwister in der Ukraine, bis ein gerechter und dauerhafter Frieden erreicht ist. Wir lehnen jede politische Partei entschieden ab, die den kriegstreiberischen Interessen des russischen Regimes dient, indem sie dessen Propaganda verbreitet, russische Kriegsverbrechen relativiert und die Einheit Europas sowie die Solidarität mit der Ukraine sabotiert.

Extremisten stützen sich nicht auf „die Wurzeln Europas, für Frieden und Einheit“, von denen Papst Leo XIV. so leidenschaftlich sprach. Sie sind fest davon überzeugt, dass ihrer Machtausübung nichts im Wege steht, wenn sie in Parlamente einziehen und in Wort und Tat die Grundfesten der Demokratie untergraben. Als Christen werden wir uns für unsere demokratischen Institutionen und Grundwerte einsetzen und unsere freie Zivilgesellschaft stärken.


Maria Carmen Aragonès, SPAIN, Teresian Association

Nistor Alin Bădiceanu, ROMANIA

Matteo Bracciali, ITALY, Federazione delle ACLI Internazionali

Josian Caproens, BELGIUM, Interdiocesan Pastoral Council (IPB) / European Forum of National Laity Committees (ELF)

Raphael de Araújo Bittner,GERMANY, Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Isabelle de Gaulmyn, FRANCE, Semaines Sociales de France 

Stefan Eschbach, GERMANY, Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Fr Roman Fihas, UKRAINE, Institute of Ecumenical Studies, Lviv

Karol Kleczka, POLAND, Znak Christian Culture Foundation

Norbert Kreuzkamp, GERMANY, Acli Deutschland

Mary McHugh, UNITED KINGDOM, National Board of Catholic Women of England and Wales

Petr Mucha, CZECH REPUBLIC, Czech Christian Academy 

Adela Muchova, CZECH REPUBLIC, Czech Christian Academy 

Linh Nguyen, DENMARK, Danmarks Unge Katolikker

Martin Riis Ottosen-Støtt, DENMARK, Danmarks Unge Katolikker

Luís Miguel Roquete, PORTUGAL, Conferência Nacional de Associações de Apostolado dos Leigos 

Sophie Rudge, UNITED KINGDOM, ANDANTE. European Alliance of Catholic Women´s Organisations

Marie-Louise van Wijk-van de Ven, NETHERLANDS, Network of Catholic Women in the Netherlands

Fr Filipe Martins SJ, BELGIUM, Jesuit European Social Centre (JESC)


Seit zwanzig Jahren ist die Initiative Christen für Europa (IXE) ein Zusammenschluss von Laienorganisationen und engagierten Christen aus verschiedenen europäischen Ländern. Allgemeines Anliegen von IXE ist es, ein lebendigeres Bewusstsein für ein vereintes Europa in die nationalen Debatten einzubringen. Ziel der Initiative ist es, die Begegnung von Christen in Europa zu fördern und die Soziallehre der Kirche voranzubringen, um ein besseres gegenseitiges Kennenlernen und Verständnis der historischen und kulturellen Unterschiede zu erreichen. Mehr Informationen finden Sie unter christiansforeurope.com.
 


[1] “To the roots of Europe for peace and unity” meeting. Address of Pope Leo XIV. “Robert Schuman” Conference Centre in Metz (28.09.2026).

[2] Ibid.

[3] Erklärung von IXE. „Den Sinn der europäischen Einigung wiederfinden“. 2007.

[4] Schuman, Robert, and Michel Barnier. Pour l'Europe. Vol. 2000. Paris: Nagel, 1963.

[5] Deutsche Bischofskonferenz. Europa, zeigʼ dich selbstbewusst! 2026.

[6] Die im vergangenen Jahr erfolgte Änderung des Statuts und der Finanzierungsvorschriften für europäische politische Parteien verpflichtet diese, die Grundwerte der Europäischen Union zu wahren. Verordnung (EU) Nr. 2025/2445 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. November 2025 über das Statut und die Finanzierung europäischer politischer Parteien.

Erklärung “Europa wertschätzen: Für widerstandsfähige Institutionen und eine starke Demokratie eintreten” als pdf

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