Sechste Synodalversammlung des Synodalen Weges in Stuttgart eröffnet
„Zukunftsfähige Lösungen entwickeln“
In Stuttgart ist heute (29. Januar 2026) die sechste Synodalversammlung des Synodalen Weges der Kirche in Deutschland eröffnet worden. Die letzte Zusammenkunft dieser Art fand 2023 statt, seitdem hat der Synodale Ausschuss gearbeitet. An der jetzigen Synodalversammlung nehmen 177 Synodale, 15 Beraterinnen und Berater sowie sieben Beobachterinnen und Beobachter und elf Gäste teil. Bis Samstag (31. Januar 2026) wird die Versammlung den bisherigen Synodalen Weg und die Umsetzung seiner Beschlüsse evaluieren und Zukunftsperspektiven beraten.
Die Präsidentin des Synodalen Weges und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Dr. Irme Stetter-Karp, hob zu Beginn vor Journalisten hervor, sie sei „froh um alles, was wir erreicht haben“. Dazu gehöre ein neues, gutes Miteinander zwischen Bischöfen und Laien. „Wir haben ehrliche Debatten erlebt in den zurückliegenden fünf Jahren, ein leidenschaftliches Ringen um den richtigen Weg. Wir haben einen Kulturwandel im Miteinander. Das halte ich für entscheidend. Es ist die Grundlage für alles, was jetzt noch vor uns liegt.“ Eine missionarische und diakonische Kirche brauche in einer säkularen Gesellschaft „Entschiedenheit und Mut und einen offenen Blick nach vorne. Nur so kann sie den großen Veränderungen begegnen. Nur so kann sie die Zukunft gewinnen! Wenn die Synodalkonferenz einmal da ist – und ich hoffe auf ihre erste Sitzung im Herbst –, wird sie auf der Grundlage unserer Beschlüsse fragen müssen: Wie wollen wir heute Kirche sein? Jährlich treten in Deutschland 300.000 bis 500.000 Menschen aus der Kirche aus. Zugleich werden caritative Dienstleistungen nachgefragt wie nie, sind unsere Stimme und unsere Tatkraft gefragt im Engagement für Demokratie, Gerechtigkeit und Menschenwürde. Christsein ist ein Markenzeichen für ein solidarisches Leben, für Zuwendung, Mitmenschlichkeit, Hoffnung auf die Zukunft. Ich glaube fest daran, dass wir Christinnen und Christen etwas Wertvolles beizutragen haben zu Frieden und Freiheit, zu Gemeinsinn und Geschwisterlichkeit in dieser Welt. Deshalb wollen und müssen wir synodal Kirche sein. Wir haben uns verändert. Wir müssen uns verändern. Wir werden weitergehen.“
Bischof Dr. Georg Bätzing, Präsident des Synodalen Weges und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, erinnerte an die Ursprünge des Prozesses, der 2019 gestartet sei, „um die systemischen Ursachen für den Missbrauch in der katholischen Kirche und seine Vertuschung in den Blick zu nehmen und Maßnahmen für ihre Überwindung zu entwickeln. Es war ein sehr langer Weg, ein Marathon, der nicht im Sprint zu erledigen ist.“ In den zurückliegenden Jahren seien zahlreiche Texte verabschiedet worden, die wichtige Impulse zu verschiedenen kirchlichen Handlungsfeldern bieten, von der Frage der Macht über das Wirken des Priesters bis hin zur Rolle der Frau in der Kirche, so Bischof Bätzing. Mit Blick auf die Zukunft gerichtet, sagte er: „Wir gehen nun auf eine neue Etappe des Synodalen Weges. Wir müssen schauen, wie die Beschlüsse, die bisher getroffen wurden, umgesetzt werden. Hier ist noch viel Engagement nötig. Gleichzeitig gibt die geplante Synodalkonferenz ein Instrument an die Hand, mit dem wir, Bischöfe und Laien, gemeinsam die wesentlichen Herausforderungen der Kirche in Deutschland angehen, um zukunftsfähige Lösungen entwickeln zu können. Mit der künftigen Synodalkonferenz stellen wir uns dem, was im Abschlussdokument der Weltsynode grundgelegt ist. So brechen wir auf die nächste Etappe auf, um miteinander synodal unterwegs zu sein – ganz in dem Sinne, wie es Papst Franziskus und Papst Leo XIV. von der Gesamtkirche eingefordert haben.“
Prof. Dr. Thomas Söding, Vizepräsident des ZdK und des Synodalen Weges, sagte, die Weltsynode habe gezeigt, „dass die Probleme, die der Synodale Weg bearbeitet, weltweite Probleme der katholischen Kirche sind. Nämlich zu wenig Machtkontrolle, zu viel Klerikalismus, zu wenig Frauenrechte, zu viel Exklusion aufgrund der sexuellen Orientierung. Die Weltsynode hat auch gezeigt, dass es keine Lösung ohne mehr Partizipation und Transparenz, ohne mehr Kontrolle und Rechenschaftspflichten gibt. Die Weltsynode hat sich festgelegt, dass das Kirchenrecht geändert werden muss. Laien sind nicht nur dazu da, die Kleriker zu beraten – sie sollen ein aktiver Teil sein, wenn es um Entscheidungen geht.“ Was der weltweite Aufbruch für die Universalkirche und für die vielen Ortskirchen in allen Kontinenten heiße, werde sich herausstellen. „Wir stehen in engem Austausch, wir lernen – und wir geben unsere Erfahrungen weiter. Wir erhalten sehr viel Zuspruch von der Basis – und immer mehr Respekt auch in der Hierarchie. Wir wissen, dass der Synodale Weg von einigen Wenigen schlechtgeredet werden soll, bis in die letzten Tage hinein. Unsere Hand bleibt ausgestreckt: Der Synodale Weg hat das Zeug, zur Versöhnung beizutragen.“
Bischof Dr. Michael Gerber, Vizepräsident des Synodalen Weges und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, rückte den Synodalen Weg noch einmal in einen internationalen und persönlichen Kontext: „Vieles, was wir in den vergangenen Monaten in der Weltpolitik erleben müssen, zeigt, dass sich neu Strategien etablieren, die explizit von Empathielosigkeit geprägt sind. Als Bischof habe ich persönlich den Synodalen Weg der vergangenen sechs Jahre als eine Schule der Empathie erlebt. Mehr und mehr habe ich die Chance erkannt, die darin steckt, mit Betroffenen sexualisierter Gewalt oder mit queeren Menschen über Jahre hinweg wiederholt intensiv im Gespräch zu sein.“ Ihm habe sich besonders eingeprägt, wo eine Erstbegegnung zunächst sehr konfrontativ war und dann im Laufe der Zeit ein tieferes Verständnis füreinander gewachsen sei. „Für mich hat dies bedeutet, kritisch auch eigene Haltungen und Zugänge zu manchen Themenfeldern zu hinterfragen. Gerade diese unsere Erfahrungen haben uns ermutigt, das ‚Gespräch im Geist‘ in den Prozess der jetzigen Synodalversammlung und die künftige synodale Arbeit zu integrieren. Diese Art von Gespräch fördert explizit die Empathiefähigkeit und weitet unseren Horizont. Ich glaube an Gott, der sich uns in der Heiligen Schrift und der Tradition der Kirche zeigt, der mir aber zugleich auch entgegentritt in der Wahrnehmung meines Gegenübers und insbesondere in der schmerzvollen Geschichte, in den Tränen, im Schrei und im Verstummen derer, die in unserer Kirche großes Leid erfahren haben“, so Bischof Gerber.
Neben der Evaluation des bisherigen Prozessgeschehens werden auch weltkirchliche Erfahrungen der Synodenarbeit in die Beratungen einfließen, insbesondere von der durch Papst Franziskus einberufenen Weltsynode 2023 und 2024. Dafür wurde Diakon Geert de Cubber (Belgien), Mitglied der Weltsynode, eingeladen. Mit der sechsten Synodalkonferenz endet die Arbeit dieses Gremiums. Künftig soll mit einer Synodalkonferenz an den durch den Synodalen Weg aufgezeigten Themen weitergearbeitet werden.
Hinweise:
Bischof Dr. Georg Bätzing und Dr. Irme Stetter-Karp haben sich zu Beginn der Synodalversammlung mit einer Begrüßung an die Synodalen gewandt. Wir dokumentieren diesen Bericht im Wortlaut in der Anlage. Hier werden sukzessive während der Synodalversammlung auch weitere Texte eingestellt: Synodalversammlung: Der Synodale Weg.
Die Synodalversammlung wird unter www.synodalerweg.de/livestream als Livestream angeboten.
Poolmaterial von Fotos wird durch die Pressestelle des Synodalen Weges während aller Tage kostenfrei in der DBK-Mediendatenbank unter Angabe des Copyrights zur Verfügung gestellt.
Pressemitteilung „Sechste Synodalversammlung des Synodalen Weges in Stuttgart eröffnet“ als PDF
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