Es ist Katholikentag! ... "... und ich bin seit 20 Jahren dabei”
ZdK-Thema des Monats Mai 2026
Die Zählung beginnt im Jahr 1848. Kaum zu glauben, aber so lange gibt es schon Katholikentage in Deutschland! Jetzt, kurz vor dem 104. Deutschen Katholikentag, erzählt Andreas Kratel, Leiter der Abteilung “Katholikentage und Großveranstaltungen” beim ZdK, was ihn an diesen riesigen Events so begeistert. Vom 13.- bis 17. Mai geht es in diesem Jahr nach Würzburg. Und wo sind eigentlich Sie? Hoffentlich auch in Unterfranken! Denn sonst verpassen Sie was.
Seit nun fast 20 Jahren bereite ich die Deutschen Katholikentage vor, zusammen mit vielen anderen engagierten Haupt- und Ehrenamtlichen. Seit dreieinhalb Jahren leite ich mit großer Freude die Abteilung Katholikentage und Großveranstaltungen im ZdK-Generalsekretariat. Das ZdK ist Veranstalter der Katholikentage. Aber was machen wir da eigentlich nochmal?
Die Katholikentage sind älter als das ZdK: Seit über 175 Jahren finden sie statt. Seit jeher waren sie Plattform für kirchenpolitische und gesellschaftspolitische Fragen. Neben der Feier von zahlreichen kleinen und großen Gottesdiensten und der vielfältigen Möglichkeit zur Begegnung waren und sind Katholikentage Orte der Zeitansage. Von Ihnen gingen und gehen wichtige Impulse in die Kirche und in die Gesellschaft hinein. Auf den deutschen Katholikentagen stellt sich die gesamte Bandbreite des katholischen Lebens in Deutschland dar. Zahlreiche Verbände und Organisationen wirken bei der Vorbereitung und Durchführung ebenso mit wie Diözesanräte und Diözesankomitees. Das ZdK ist der Veranstalter, Gastgeber ist immer ein jeweils anderes Bistum, 2026 ist es das Bistum Würzburg.
An dieser Stelle etwas Persönliches: Ich selbst bin in meiner Biographie erst spät zu den Katholikentagen gekommen. Nachdem ich bereits längere Zeit im Beruf war, habe ich nochmal ganz neu angefangen und ein Studium der katholischen Theologie begonnen. Und der Katholikentag in Osnabrück war mein erster Job als Theologe! Das hat mich dann so fasziniert, dass ich nach ein paar Jahren Berufstätigkeit im Bistum Osnabrück 2014 dort meine unbefristete Stelle gekündigt habe und zum Katholikentag – damals Leipzig – zurückgekehrt bin.
Das Programm eines jeden Katholikentags besteht aus drei großen Säulen. Ich sehe, je länger ich mich mit Katholikentagen beschäftige, immer mehr, wie wichtig alle drei sind – keine ist verzichtbar. Zunächst ist da die große Zahl von Gottesdiensten, Gebetszeiten und Bibelarbeiten und die Werkstätten im biblisch geistlichen Zentrum. Niemand darf und kann also behaupten, Katholikentage sein nicht fromm! Ein zweiter großer Bereich ist das Kulturprogramm aus allen künstlerischen Genres, nicht als schmückendes Beiwerk, sondern als Ausdruck der vielfältigen Möglichkeiten menschlicher Kreativität. Der dritte Bereich dann sind die kirchenpolitischen und gesellschaftspolitischen Veranstaltungen. Zu ihnen werden Referent*innen aus verschiedensten kirchlichen und gesellschaftlichen Bereichen eingeladen. Dieser Bereich ist uns als ZdK natürlich besonders wichtig. Hochrangige Politiker*innen, Wissenschaftler,*innen Journalist*innen und zahlreiche andere Menschen diskutieren, auch mit einer großen Zahl von ZdK-Mitgliedern, die wichtigsten Fragen der Zeit. Katholikentage stellen damit eine Plattform gelebter Demokratie dar. Es geht darum, in konstruktiver Atmosphäre Argumente zu hören, auszutauschen und gemeinsam nach Lösungen für die Zukunft zu suchen.
Jeder Katholikentag steht unter einem Leitwort, das vom ZdK-Hauptausschuss beschlossen wird. Oft ist das Leitwort der Bibel entnommen. Beim Katholikentag 2026 in Würzburg stammt das Leitwort aus dem Markus-Evangelium aus der Heilungsgeschichte des Blinden Bartimäus. „Hab Mut, steh auf!“ rufen die Leute dem blinden Bartimäus zu. Er fasst sich ein Herz, lässt sich aufrütteln, steht auf und tritt Jesus gegenüber. Sein Glaube hat ihn ermutigt, nicht still an der Seite sitzen zu bleiben, sondern selbstbewusst sein Anliegen vorzutragen.
Das Leitwort passt hervorragend in das aktuelle Zeitgeschehen. Viele Menschen sind durch Krisen verunsichert. Herausfordernde soziale Fragen im Inland und andauernde und neue Kriege auf der Welt führen zu Desorientierung und Entmutigung. Der Katholikentag möchte mit dem Leitwort ein anderes Signal setzen. Aus dem Glauben heraus können und wollen wir als Christen die Hoffnung auf eine gute Zukunft nicht aufgeben. Wir stehen bereit, Kirche und Gesellschaft aktiv und konstruktiv mitzugestalten. Damit wird der Katholikentag alle zwei Jahre zur wichtigsten Plattform der Anliegen des ZdK.
Die Teilnahme und Mitwirkung bei einem Katholikentag kann eine Mut-Schule sein: Man kommt zusammen mit vielen anderen begeisterten und ermutigten Menschen, man trifft sich in Gottesdiensten, um sich vom Wort Gottes und vom Sakrament stärken zu lassen und man tanzt und feiert miteinander. So gestärkt ist man in der Lage, am gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen und sich einzubringen.
Meine persönliche Erwartung für den Katholikentag in Würzburg 2026 ist, dass wir diesem Anspruch gerecht werden. Zahlreiche ehrenamtliche Vorbereitungsgruppen haben sich intensiv darüber Gedanken gemacht, welche Themen den Menschen am Herzen liegen. Insbesondere das gastgebende Bistum Würzburg hat sehr viele Christ*innen zum Aufstehen ermutigt, sie haben sich intensiv in die Programmvorbereitungen eingebracht. Auch bei den organisatorischen Vorbereitungen zeigt sich, auf wie großes Interesse der Katholikentag in Würzburg wieder stößt: Fast 300 Organisationen haben einen Stand auf der Kirchenmeile vorbereitet, es haben sich über Tausend ehrenamtliche Helferinnen und Helfer angemeldet und Würzburger Bürger*innen haben mehrere Tausend Betten in privaten Quartieren angeboten.
Ich selbst bin in verschiedenen Gremien federführend an den Vorbereitungen beteiligt. Ganz konkrete Hoffnungen verbinden sich für mich mit dem Katholikentag in Würzburg: zunächst, dass er mit seinen rund 900 Veranstaltungen friedlich und sicher abläuft. Durch ein ausgefeiltes Sicherheitskonzept sind wir gut vorbereitet. Dann hoffe ich natürlich auf eine große Zahl von Besucher*innen. Ich bin gewiss, dass nicht zuletzt aus dem katholisch geprägten Unterfranken viele Menschen nach Würzburg reisen werden. Schon jetzt können wir damit rechnen, dass der Katholikentag Würzburg größer wird als 2024. Ganz persönlich freue ich mich auch auf die vielen Begegnungen, die geplanten, vor allem aber die überraschenden. Ein Katholikentag ist ja immer auch ein großes „Familientreffen“, viele aus Katholikentagen hervorgegangene Freund*innen trifft man alle zwei Jahre wieder. Vor allem aber hoffe ich, dass vom Katholikentag vom 13. bis 17. Mai 2026 ein ermunterndes Zeichen ausgeht: Vereint in der großen Zahl der Glaubenden sind wir in der Lage und bereit, Kirche und Gesellschaft weiterhin aktiv und positiv mitzugestalten. Wir nehmen uns das Leitwort zu Herzen: „Hab Mut, steh auf!“
Dr. Andreas Kratel, geboren 1968 in Bad Pyrmont, ist promovierter Chemiker und Diplom-Theologe und leitet seit 2023 die Abteilung “Katholikentage und Großveranstaltungen” beim ZdK in Berlin. Er reist viel: Kaum ist ein Katholikentag vorbei, wird schon der nächste vorbereitet – alle zwei Jahre in einer anderen Stadt. Da muss er natürlich über viele Tage vor Ort sein, zusammen mit den Kolleg*innen seiner Abteilung. Man könnte das Team auch “die Reiseredaktion” nennen. Andreas Kratel lebt in Münster und Berlin, ist verheiratet und in seiner Freizeit begeisterter Chorsänger und Kantor.
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