Gesicht des politischen Katholizismus

ZdK trauert um seinen ehemaligen Präsidenten Hans Maier

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) trauert um seinen ehemaligen Präsidenten Prof. Dr. Hans Maier, der am 8. Juni 2026 im Alter von 94 Jahren verstorben ist.

Mit Hans Maier verliert das ZdK und mit ihm die katholische Kirche in Deutschland eine herausragende Persönlichkeit der Nachkriegsgeschichte. Über viele Jahrzehnte war er das Gesicht des politischen Katholizismus weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Wie kaum ein anderer verband er universelle Gelehrtheit mit politischer Gestaltungskraft. Sein Blick war stets auf das Ganze gerichtet. Er war Politiker, Wissenschaftler und Künstler in einer Person, von 1970 bis 1986 bayerischer Kultusminister. Ein besonderes Anliegen war ihm der Dialog zwischen Kunst und Kirche. Er pflegte Kontakte zu Künstlern seiner Zeit wie Joseph Beuys, Heinrich Böll oder August Everding.

41 Jahre, von 1967 bis 2008, war Hans Maier ein aktives und prägendes Mitglied in den Reihen des Zentralkomitees, als dessen Präsident er von 1976 bis 1988 wirkte. Fünf Katholikentagen stand er in dieser Zeit als Präsident vor. Als führendes Mitglied der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland (1972-1975) und als Präsident des ZdK trug er maßgeblich dazu bei, den Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils in der Kirche in Deutschland lebendig werden zu lassen. Es war seine feste Überzeugung, dass die Laien in der Kirche berufen und verpflichtet sind, in der Welt zu sprechen und zu handeln. „Die Kirche ist keine Demokratie, gewiss. Aber sie lebt in einer Demokratie. Will sie in der Gesellschaft präsent sein, so muss sie demokratische Wege gehen, sich demokratischer Mittel bedienen. Was alle angeht, muss auch von allen getragen werden“, schrieb er in seinem Buch „Keine Demokratie? Laienmeinung zur Kirche“.

Mit badischer Höflichkeit und Verbindlichkeit verstand es der in Freiburg geborene Hans Maier immer wieder, seiner katholischen Kirche, der er aufs Tiefste verbunden war, den Spiegel vorzuhalten. Zugleich zeigte er in ökumenischer Haltung der Gesellschaft, was anders wäre, gäbe es das Christentum nicht. Aus dieser Haltung erwuchs auch sein Engagement für den Erhalt der katholischen Schwangerenkonfliktberatung in Deutschland: Nach seiner Amtszeit gehörte er zu den Mitgründern von Donum Vitae. 2016, beim 100. Deutschen Katholikentag in Leipzig, gab Hans Maier seiner Haltung der liebenden Kritik an der Kirche in seiner Rede Ausdruck: „Denn die Wahrheit ist ja keine Einstimmigkeit, kein Unisono.“

Die Vielfalt der Meinungen zu balancieren, Kompromisse zu suchen und für das Richtige einzustehen – diese Kunst beherrschte Hans Maier. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und die katholische Kirche in Deutschland wären ohne ihn nicht dieselben. „Mit seiner klaren Haltung und seiner Kompromissfähigkeit hat er die katholische Kirche geprägt, mit der Umsetzung so mancher Beschlüsse der Gemeinsamen Synode auch reformiert. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken verliert mit Hans Maier einen großen Analytiker, einen herausragenden Wissenschaftler und einen politischen Gestalter, in dessen Leben sich Glaube und politisches Handeln untrennbar verbanden. Mit großer Dankbarkeit weiß sich das ZdK seinem Vorbild und Lebenswerk verpflichtet. Wir werden seiner im Gebet gedenken”, würdigt die amtierende ZdK-Präsidentin Dr. Irme Stetter-Karp den am Montag nur wenige Tage vor seinem 95. Geburtstag verstorbenen Hans Maier.

Pressemitteilung: Gesicht des politischen Katholizismus als PDF

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